Problem-Parkplatz

Müll-Chaos an der Straßenbahn

Die Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie 17 an der Stadtgrenze bleibt für Neu-Isenburg eine ärgerliche Problemzone. Recherchen dieser Zeitung zeigen: Neben dem nach wie vor ungelösten Parkplatz-Chaos ist noch ein weiterer Missstand hinzugekommen.

Müll und Dreck, wohin das Auge blickt: Plastik, kaputte Möbel, Motorölbehälter, Essensreste, und jede Menge benutzter Papiertaschentücher. Zwischen den Autos und mitten im Wäldchen des Parkplatzes an der Straßenbahnhaltestelle Neu-Isenburg sieht es furchtbar aus. Der Ort ist zu einer wilden Müllkippe verkommen. Und wenn sich nach Feierabend die Parkplätze leeren, dient der Ort Menschen aus Osteuropa als Rastplatz für die Nacht, wie diese Zeitung bei einer Ortsbegehung feststellte.

Den Hinweis auf die Situation lieferte Leserin Jessica Schäfer, die jede Woche auf dem Weg in den Wald an dem Müll-Chaos vorbeikommt: „Ich muss sagen, dass ich diesen Ort mittlerweile unzumutbar finde“, berichtet sie. Dabei solle „die Haltestelle ja eigentlich ein Verkehrsknotenpunkt sein, an dem die Menschen jeden Tag ihre Zeit verbringen und ihr Auto abstellen“, äußert sie ihr Unverständnis.

Die Recherche an Ort und Stelle bestätigt ihre Schilderung. Drei Autos mit rumänischen Kennzeichen stehen im hinteren Bereich des Park-and-Ride-Platzes. Die Insassen bereiten sich für die Nacht vor, wie man von außen durch die eingeschaltete Innenbeleuchtung sehen kann. Am nächsten Morgen liegen rund um die Parkbuchten dieser drei Autos Lebensmittelreste und -verpackungen. Darunter eine Tüte mit drei Brötchen.

Party auf dem Parkplatz

Diese Beobachtungen werden von zwei Männern bestätigt, welche die Situation gut kennen. „Jede Nacht campieren hier Leute aus Rumänien, Bulgarien, Serbien in ihren Autos. Mal sind es Autos, mal Transporter. Und am Wochenende ist hier abends richtig Party“, erzählen sie. Offenbar verrichten einige Menschen dann auch ihre Notdurft zwischen den Bäumen und Sträuchern. Und das Toilettenpapier landet im Wald. Die Leute würden den Parkplatz für Übernachtungen und zum Geschäftemachen missbrauchen, sagen die beiden Männer: „Die sammeln hier in der Gegend Zeug vom Sperrmüll ein und verschachern das auf dem Parkplatz weiter. Was keinen Abnehmer findet, fliegt in den Wald.“

Auffallend beim Rundgang: Mülleimer gibt es genug. Die sind aber so gut wie leer. Ein weiteres Problem sei, dass Leute ihren Haushaltsmüll illegal in den Mülltonnen an der Straßenbahn entsorgen, erzählen die Männer. Passt die Mülltüte nicht in den Abfalleimer, wird sie eben daneben gestellt. Nachts kommen Füchse, Ratten und andere Wildtiere und reißen die Säcke auf der Suche nach Fressbarem auf. Den Rest verteilt der Wind im Wald.

Für die Leerung der Mülleimer ist Neu-Isenburg verantwortlich. Alle zwei Tage kommen Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs Neu-Isenburg (DLB) deshalb vorbei. Zuständig für die Sauberkeit auf dem Parkplatz und im Wald ist hingegen die Stadt Frankfurt, auf deren Gebiet das Areal liegt. Doch die kümmere sich nicht und schicke viel zu selten einen Reinigungstrupp vorbei. „Die Matratze da liegt bestimmt schon ein halbes Jahr dort. Und das Laub wurde diesen Herbst nicht einmal entsorgt. Jetzt ist alles nass und glatt. Wer haftet, wenn jemand ausrutscht und sich verletzt?“, ärgert sich der Mann.

Hunkel überrascht

Während das für die Säuberung des Parkplatzes zuständige Grünflächenamt der Stadt Frankfurt gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, reagierte Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert

Hunkel überrascht

auf den Hinweis dieser Zeitung auf den Müll-Missstand. Er kündigte an, das Grünflächenamt zu kontaktieren, um eine Lösung zu finden.

Und was sagt Hunkel zu der weiter angespannten Parksituation an der Straßenbahn-Endhaltestelle? Erst am Freitag habe er bei einem Termin am Bannwald mit dem Grünflächenamt gesprochen, kann jedoch kaum Neues oder gar Erfreuliches melden: „Es wird keine zusätzlichen Parkplätze geben, da der Bannwald unter Schutz steht und das Forstamt keine weiteren Flächen zur Verfügung stellt“, erklärt er. Nun bleibe nur noch, die Parkflächennutzung zu optimieren. Dazu gehört der Rückschnitt von Bepflanzungen in den Randbereichen und die Markierung der einzelnen Parkflächen. Viel, räumt Hunkel ein, werde dadurch aber nicht gewonnen sein: „Vielleicht bekommen wir so zehn zusätzliche Stellplätze“, schätzt er. Ansonsten verweist der Bürgermeister auf die neuen Doppelstock-Boxen mit 14 Abstellplätzen für Fahrräder und appelliert: „Wenn’s irgendwie geht, sollte man mit dem Rad zur Straßenbahn kommen.“

Mehr Bilder vom Müll-Chaos an der Haltestelle finden Sie im Internet.

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