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Aquarius und Marilyn zieren ihr Büro: Auch in der Isenburger Wohnung von Caroline Russ geht es farbenfroh zu, die Bilder hat sie selbst gezeichnet. foto: strohfeldt

Berührende Bilder

Neu-Isenburg: Caroline Russ erzählt Geschichten

Illustratorin sagt mit wenigen Mitteln viel aus. Und ihr Leben ist so abwechlungsreich wie ihre Kunst.

Neu-Isenburg -Das Mädchen schaut traurig zu Boden, neben ihr liegt ein Fisch auf dem Rücken. Ganz schlicht sind ihre in schwarz-weiß gehaltenen Züge, das Bild berührt sofort. Ihr eindrucksvolles Aussehen verdankt das Mädchen der Neu-Isenburgerin Caroline Russ. Deren Beruf ist es, Geschichten und Gefühle in Bildern zu erzählen: Die 37-Jährige ist selbstständige Illustratorin und Künstlerin. Das Bild des Mädchens - Tinte auf Papier - ist Teil ihrer Lieblingsreihe "Loss, regression and adaption", bei der es um die Phasen einer Trauer geht. Diese Arbeit spiegele ihren Stil gut wieder, sagt Russ, "ich versuche, mit wenigen Mitteln viel auszusagen".

Schon als Kind habe sie gerne und sehr viel gemalt und Freude an Farben gehabt, erzählt Russ, die in Offenbach geboren wurde und mit vier Jahren mit ihrer Familie nach Neu-Isenburg zog. Nach dem Abi an der Goetheschule machte sie einen Abschluss an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode. Das Ziel: Die Kreativität beim Nähen ausleben zu können. Um ein sicheres Auskommen zu haben und die Welt zu sehen, fing Russ zudem an, als Stewardess bei der Lufthansa zu arbeiten. "Als Flugbegleiterin kannst du dich von Eindrücken auf der ganzen Welt inspirieren lassen", erzählt die junge Frau, die unter anderem fünf Jahre lang in Barcelona gelebt hat.

Überhaupt ist ihr Leben ebenso abwechslungsreich wie ihre Kunst, bei der Caroline Russ vor allem auch den Kontrast mag zwischen schwerer, dunkler Tinte und der Leichtigkeit intensiver Aquarellfarben. "Eigentlich Psychologie studierend, hatte ich mit 30 eine Krise und habe mein Leben umgestaltet. Durch eine Bekanntschaft wuchs in mir der Wunsch, tätowieren zu lernen." Sie machte ein Praktikum in einem Studio in Kalifornien, ging dann eine Weile in den mexikanischen Dschungel, um die traditionelle Kunst kennenzulernen - "das war ein spannender und prägender Trip". Schon kurz darauf erhielt sie erste Illustrationsanfragen - beispielsweise für ein Musikvideo. Daher stellte sie das Tätowieren zurück (von Motivzeichnungen für Tattoos abgesehen), konzentriert sich voll aufs Zeichnen.

Mit Erfolg. So schafft sie zum Beispiel für das ZDF wöchentlich eine Illustration für das Instagram-Format "Doppelpunkt", bei dem zwei junge Frauen Antworten auf die essenziellen Fragen des Lebens Jugendlicher geben - eine Art moderner Dr. Sommer mit Literaturempfehlungen, mit einer rund 30 000 Leute starken Community.

Spannend ist auch die Arbeit der Isenburgerin für das Experimenta-Museum in Heilbronn. "Sieben Wissenschaftler habe ich zeichnerisch zum Leben erweckt als Grundlage für eine Multimedia-Show, soweit mein größter Auftrag", erzählt Russ. Das Eiscafé Firenze am Walther-von-Cronberg-Platz in Sachsenhausen hat sie ebenfalls gestaltet - "ein Kindheitstraum, da ich zwei Wochen jede Nacht den Laden für mich hatte". Aktuell tüftelt sie an einem Logo für einen Hundesalon und ist dabei, eine Zahnarztpraxis gestalterisch auszustatten.

Menschen und Begegnungen sind es, die Russ am meisten inspirieren: "Die meisten meiner Arbeiten erzählen eine Geschichte und sind das Resultat eines in mir brodelnden Gefühls, das unbedingt nach außen getragen werden möchte." Für ein Animationsvideo saß sie auch schon einmal 49 Stunden am Stück am Schreibtisch, "das war eine Höllenarbeit".

Ihre poppigen, oft minimalistischen Bilder entstehen oft schrittweise: Mit einer Bleistiftskizze fängt sie an, zieht dann mit Fineliner nach, gibt Perspektive; und fügt nach dem Scannen teils noch digital Aspekte hinzu. hov

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