Hier am Stadteingang, wo derzeit noch der Kinderzirkus Wannabe seine Bleibe hat, sollen die Mobilitätsstation und die Sportanlage entstehen. Foto: Leo Postl

Machbarkeitsstudie

So will die Stadt Neu-Isenburg die RTW-Fläche optimal nutzen 

Mit einer möglichen Verlängerung der RTW bis in den Osten der Stadt müsste auch zeitgemäße Infrastruktur her, um Autofahrern den Umstieg auf die Bahn schmackhaft zu machen. 

Neu-Isenburg - Die Planungen für die Regionaltangente West (RTW) nehmen gerade richtig Fahrt auf; am 22. Mai werden die Stadtverordneten wohl eine richtungsweisende politische Entscheidung für dieses Großprojekts fällen. Logisch, dass nun auch das Drumherum immer mehr in den Blick rückt. Denn die neue Bahnverbindung, wenn sie denn kommt, erfordert auch eine zeitgemäße Infrastruktur: "An den Schnittstellen, wo unterschiedliche Verkehrsangebote aufeinander treffen, werden heute Mobilitätsstationen benötigt, die die variablen Anforderungen der Verkehrsteilnehmer erfüllen", formuliert es der Magistrat.

Radler brauchten überdachte Abstellanlagen, Autofahrer Parkplätze, wenn sie auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen wollen. Heißt im nächsten Schritt: Käme die - bekanntlich umstrittene - Verlängerung der RTW bis ins Birkengewann, würde auch dort am Ortsausgang ein Schnittpunkt entstehen, an dem aus Sicht der Stadt eine Mobilitätsstation mit Park-and-Ride-Anlage sinnvoll wäre.

Machbarkeitsstudie für modernes Parkhaus vorgestellt

Jetzt hat das damit beauftragte Darmstädter Planungsbüro "StetePlanung" eine Machbarkeitsuntersuchung für eine solche Mobilitätsstation angefertigt und dem Bauausschuss vorgestellt - eine städtebauliche Betrachtung also, was möglich wäre, was passen würde, wie man die Fläche optimal nutzen könnte. Diese Untersuchung soll im weiteren Verfahren gemeinsam mit dem Gutachten zur Potenzialabschätzung die Grundlage sein für die Baurechtschaffung und die gemeinsame Realisierung mit der RTW GmbH.

Als Standort haben Stadt und Planer das Areal östlich des Baugebiets Birkengewann ausgeguckt, auf einem Teil der ehemaligen Rinderwiese und dem ehemaligen DLB-Kompostplatz; direkt in der Friedhofstraße also, wo derzeit noch der Kinderzirkus Wannabe seine Übergangsbleibe hat. Die eigentliche Mobilitätsstation, eine Art modernes Parkhaus mit 291 Autostellplätzen auf vier Ebenen, positionieren die Planer direkt vorne parallel zur Friedhofstraße. Das Gebäude ist parallel zum vorgesehenen RTW-Bahnsteig angeordnet, so dass der barrierefreie Zugang zum Bahnsteig im Osten mit Hilfe eines Stegs über die Friedhofstraße gewährleistet wäre. Auf der Westseite soll die vorhandene Unterführung für die Anbindung an Bahnsteig und Bushaltestellen genutzt werden. Die Zufahrt zum Parkhaus würde "aus verkehrstechnischen Gründen" über die Offenbacher Straße erfolgen.

Arbeiten für den Bau des Lidl-Marktes haben begonnen – auch Neubaugebiet wächst

Neben den knapp 300 Auto- sehen die Planer auch 90 Fahrradabstellplätze vor. Auch Platz für einen Kiosk mit Ticketverkauf soll geschaffen werden. Außerdem sind aus ihrer Sicht "ein gastronomisches Angebot beziehungsweise ein Bäcker im Parkhaus oder in der Nähe der Unterführung an einem Platzbereich denkbar und wünschenswert", um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Luft nach oben sehen sie beim Erscheinungsbild der Unterführung: Das stelle sich, so heißt es in der Studie, "heute auf der Südseite durch die angrenzende Bebauung besser dar als auf der Nordseite, wo aktuell keine soziale Kontrolle gegeben ist". Sie empfehlen, "die zukünftige Beleuchtung sollte so natürlich wie möglich erfolgen und die Unterführung und die angrenzenden Bereiche möglichst belebt werden". Belebt werden wird diese Ecke der Stadt ohnehin bald. Gleich neben dem hier beplanten Areal haben die Arbeiten für den Bau des Lidl-Marktes begonnen, das Neubaugebiet wächst und wächst ebenfalls täglich.

Parkhaus mit vier Stockwerken möglich

"StetePlanung" hat auch den im Bebauungsplan vorgesehenen Sportplatz berücksichtigt - im Entwurf eingezeichnet mit Standard-Fußballfeld und 400-Meter-Laufbahn sowie Extra-Bolzplatz. Theoretisch, so konkretisieren die Fachleute, wäre es bei einem Parkhaus mit vier Stockwerken sogar möglich, noch einen drauf zu setzen und "die Parkhauswand auf der dem Sportfeld zugewandten Seite für alternative Sportangebote wie eine Kletterwand zu nutzen".

Es gilt aber natürlich, Gewolltes, Mögliches und Bezahlbares auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die Planer gehen davon aus, dass eine Mobilitätsstation in dieser Größenordnung mit vier Ebenen in der einfachsten Ausführung rund 4,2 Millionen Euro (brutto) kosten würde - "davon rund drei Millionen Euro (netto) für das Parkhaus". Etwaige Zusatzkosten für Straßen und ähnliches könne man indes in dieser frühen Planungsphase noch nicht beziffern.

Zur Finanzierung sollen verschiedene Fördermöglichkeiten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene ausgeschöpft werden. 

hov

Info: Über die Planung diskutieren

In der Stadtverordnetenversammlung am 22. Mai soll über das Projekt Regionaltangente West entschieden werden. "Wie wir im Gespräch mit einigen Bürgern erfahren haben, besteht noch Informationsbedarf", schreibt Edgar Schultheiß, Fraktionschef der Linken.

Daher wollen die Linken mit Bürgern über diese Thematik diskutieren. Dazu laden Schultheiß und Fraktionskollegin Renate Wissler für den heutigen Dienstag zu einer öffentlichen Fraktionssitzung ein. Beginn ist um 19.30 Uhr im Haus der Vereine in der Offenbacher Straße 35. red

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