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Neu-Isenburgs Umwelt-Dezernent, Dirk Wölfing (Mitte), diskutiert mit zwei Bürgern über die Zukunft von Neu-Isenburg.

Planungswerkstatt

Neu-Isenburger Bürger diskutieren über ihre Stadt

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Über die Regionaltangente West, den Verkehr und die Aufenthaltsqualität in Neu-Isenburg wurde bei der Planungswerkstatt in der Hugenottenhalle debattiert. Die Bürger konnten ihre Wünsche und Kritik einbringen.

An der Regionaltangente West (RTW), der schnellen Schienenverbindung vom Fuße des Taunus vorbei am Nadelöhr des inneren Stadtgebietes von Frankfurt zum großen Rhein-Main-Flughafen, will auch Neu-Isenburg partizipieren. Aus der ursprünglichen Absicht, die RTW nur bis zum ehemaligen Güterbahnhof zu führen, erwuchs schnell der Wunsch, auch eine Fortführung dieses Schienenstrangs bis in das Neubaugebiet Birkengewann zu realisieren. Auch, um die dort lebenden Menschen an der Schienenverbindung teilhaben zu lassen, vielmehr jedoch, um den Straßenverkehr, der täglich aus dem Kreis Offenbach durch die Hugenottenstadt gen Westen rollt, von der Friedhofstraße und Carl-Ulrich-Straße weg zu bekommen. Aber genau daran erhitzten sich in letzter Zeit die Gemüter der Anwohner. Sie befürchten gar eine Zusatzbelastung durch die Regionaltangente West.

Nun ist noch nichts beschlossen, doch Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) möchte bereits in der Phase der „Machbarkeitsstudie“, so wird das Projekt aus dem Rathaus beschrieben, die Bürger mit in eine Realisierung einbinden. Ein in Auftrag gegebenes Mobilitätskonzept sieht die Verlängerung der RTW vom Güterbahnhof bis ans westliche Ende der Kernstadt als „Vorzugsvariante“ an. Dass etwas unternommen werden muss, um einen Kollaps des Verkehrs bis zum Planungszeitraum 2030 zu vermeiden, ist unstrittig. Über das mögliche Bündel von Maßnahmen wurde in den vergangenen Wochen heftig diskutiert, über das Internet hat sich sogar eine „Protestgruppe gegen die Verlängerung der RTW“ manifestiert.

Um die Wünsche, aber auch die Bedenken der Anwohner und aller Isenburger mit in das Machbarkeitskonzept einzubinden, wurde am Samstag die erste „Planungswerkstatt“ in der Hugenottenhalle veranstaltet. Die Stadt Neu-Isenburg hatte so ziemlich alle Fachleute aufgeboten, die etwas zu den Hintergründen beitragen konnten, um die Teilnehmer aus der Bürgerschaft sachkundig aus erster Hand zu informieren. Allen voran Horst Amann, der Geschäftsführer der Planungsgesellschaft RTW, außerdem Geschäftsführer Edwin Mayer vom Büro Habermehl & Follmann, das die Stadt Neu-Isenburg für die Erstellung des Mobilitätskonzeptes beauftragt hat. Verbandsdirektor Thomas Horn vom Planungsverband FrankfurtRheinMain sowie Thomas Weißbrodt, Bundesagentur für Arbeit – Statistik-Service Südwest, konnten ebenfalls Informationen für die Isenburger liefern.

Thomas Horn stellte die großräumige Planung für die Metropolregion vor, die einen geschlossenen „Schienenring“ um Frankfurt herum vorsieht. Horn verwies insbesondere auf die jetzt in die Machbarkeit genommene Schienenneubaustrecke RTW Ost, die von Heusenstamm in einem Bogen gen Norden geführt werden soll. „Da bietet sich doch ein Anschluss der RTW vom Osten Neu-Isenburgs geradezu an“, sagte der Verbandsdirektor. Interessant waren die Zahlen von Thomas Weißbrodt über die „Pendlerströme“ zu den Arbeitsplätzen – von außen nach Neu-Isenburg, dann von der Hugenottenstadt zu anderen Arbeitsplätzen, aber auch die Wege, die innerhalb der Hugenottenstadt zu Arbeitsplätzen zurückgelegt werden.

Nach den Impulsvorträgen wies Moderator Jürgen Follmann noch einmal darauf hin, dass man nicht für das Jetzt, sondern für die Zukunft plane. „Sie müssen sich nur vorstellen, wie Sie selbst in 10 oder 15 Jahren zu ihrer Arbeitsstelle kommen, Ihre Einkäufe oder Arztbesuche erledigen oder auch Ihre Freizeit in Ihrer Stadt verbringen wollen“, so Follmann. An der Meinungslinie sollten sich dann alle dort positionieren, wo sie glauben, dass sich etwas bis 2030 in Neu-Isenburg verändert. Klar, die Protagonisten standen alle bei „Ja“, in der Mitte fand sich niemand, ein kleines Grüppchen positionierte sich auch bei „Nein“. „Ich stehe hier, weil ich nicht an eine Veränderung glaube, weil sich durch den Egoismus der Menschen nichts ändern kann“, so Susanne Schmidt. Stefan Niedfeld kritisierte die viel zu langen Planungszeiträume. „Bis ein größeres Projekt umgesetzt ist, etwas umgesetzt ist, vergehen doch 20 und mehr Jahre.“

An den verschiedenen Stationen der Planungswerkstatt konnten die Teilnehmer dann ihre Wünsche, Anregungen und Kritik einbringen. Wie dem Ergebnis zu entnehmen ist, bezogen sich die meisten Punkte jedoch nicht auf das ursprüngliche „Werkstatt-Thema“ RTW, sondern auf die allgemeine Verkehrssituation in der Hugenottenstadt und deren Aufenthaltsqualität.

Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel zeigte sich „sehr zufrieden“ mit der Veranstaltung. „Wir werden alle Ihre Wünsche aufnehmen und an die entsprechenden Stellen weitergeben. Wir wollen die Zukunft unserer Stadt mit Ihnen und nicht vom Rathaustisch aus planen, denn Neu-Isenburg soll auch weiterhin eine lebens- und liebenswerte Stadt bleiben“, betonte Hunkel.

Er lud die Bürger ein, am 26. Juni mit nach Karlsruhe zu fahren, um dort zu sehen und zu hören, wie leise ein innerstädtisches Schienenverkehrsmittel ist. Am 18. August wird es einen Stadtspaziergang entlang der Friedhof- und Carl-Ulrich-Straße geben. „Da werden wir Ihnen zeigen, wie breit ein Fußgängerweg oder ein Fahrradweg sein soll“, erklärte Jürgen Follmann. Schließlich wird es dann am 27. September einen weiteren Werkstatttermin geben.

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