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Die Besucher der Infoveranstaltung konnten ihre Vorschläge zur Gestaltung der Plätze und Grünanlagen im Stadtquartier Süd einbringen. Christa Arnold (rechts) forderte bessere Radverkehrsverbindungen.

Pläne fürs Stadtquartier Süd

Neu-Isenburger wünschen sich ein grünes Wohnviertel

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Die Pläne fürs Stadtquartier Süd standen im Mittelpunkt der Infoveranstaltung am Donnerstagabend im Rathaus. Damit sollte der Bürgerdialog zur Stadtplanung fortgesetzt werden. Besucher brachten ihre Wünsche zur Gestaltung der öffentlichen Grünflächen ein.

Rein äußerlich betrachtet, scheint sich bei der Entwicklung des neuen Stadtquartiers Süd kaum etwas zu bewegen. Bei der großen Industriebrache des ehemaligen Agfa-Geländes und der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) könnte man versucht sein, von einem Dornröschenschlaf zu sprechen. Doch bevor für ein solches Stadtentwicklungsprojekt die Bagger anrollen, sind viele Vorarbeiten zu erledigen.

Mittlerweile liegt der Vorentwurf zum Bebauungsplan vor. Dieser wurde beim Info-Abend im Plenarsaal des Rathauses vorgestellt. Zudem konnten Bürger ihre Ideen und Wünsche zur Gestaltung der öffentlichen Flächen einbringen. Allerdings war die Resonanz sehr zurückhaltend – es waren rund 15 Besucher, die sich in Diskussion und Workshop einbrachten.

Kleine Änderungen

Bürgermeister Herbert Hunkel freute sich dennoch über die „rege“ Beteiligung und dankte jenen, die gekommen waren, um ihre Stadt der Zukunft im Süden von Neu-Isenburg mitzugestalten. „Wir haben dort keine eigenen Flächen, sondern können nur im Rahmen unserer Möglichkeiten für entsprechendes Baurecht sorgen“, so das Stadtoberhaupt. Als ersten Erfolg wertete er die Chance, das Gelände der Branntweinmonopolverwaltung durch die städtische Gewobau anzukaufen, um dort tätig zu werden. Für die restliche, weitaus größere Fläche gab es einen Städtebaulichen Wettbewerb, aus dem das bekannte Architekturbüro Albert Speer und Partner (AS+P) hervorgegangen ist.

Zur Einführung erläuterte Katja von der Laden (AS+P) den bisherigen Werdegang der Planung und verwies darauf, dass es wegen eines nicht zustande gekommenen Geländeankaufs kleine Änderungen gegenüber den ursprünglichen Plänen gegeben habe. „Die Kindertagesstätte können wir nicht am bevorzugten Ort unterbringen. Und die östliche Planstraße müssen wir im Norden etwas verschwenken.“ Im neuen Entwurf wurden die Anforderungen hinsichtlich Lärm- und Emissionsschutz durch die östlich gelegene DuPont-Produktionsstätte berücksichtigt. Dort wird es eine Abschottung durch einen „Gewerberiegel“ geben. Auch für das Gewerbe gibt es Auflagen zur Geräuschentwicklung und zum Verkehr, um für eine Verträglichkeit mit dem Wohngebiet zu sorgen, betonte von der Laden.

Im Rahmen eines noch zu verfassenden Städtebaulichen Vertrages zwischen der Stadt, der Gewobau und dem Entwickler der restlichen Flächen sollen grundsätzliche Vereinbarungen für die Erschließung und Bebauung festgeschrieben werden. Dabei geht es neben den Kosten um Geschossflächen und Freiraumgestaltung.

In der Diskussion wurde auch Kritik laut, beispielsweise an den nicht berücksichtigten Sozialwohnungen. Hunkel verwies auf die bestehenden 1200 Sozialwohnungen, mit denen die Hugenottenstadt weit an der Spitze im Kreis liege: „Uns erreichen derzeit immer mehr Anfragen von älteren Bürgern, die in großen Häusern leben, aber lieber in eine barrierefreie Wohnungen ziehen würden.“ In diesen Häusern böte sich dann Platz für andere – insbesondere junge Familien.

Treffpunkt zum Spielen

„Ich sehe dort ein Wohngebiet nur für gut Betuchte“, befürchtete Jochen Eberle, der zudem das Stadtquartier Süd als zu isoliert betrachtet sah und eine Einbeziehung des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofes in die Planungen forderte. „Mir fehlen die Radverkehrsverbindungen, es werden immer nur Straßen für Autos gebaut“, kritisierte Christa Arnold.

Dann waren alle Teilnehmer aufgefordert, ihre Wünsche zu den drei Kernthemen auf Zettel zu schreiben und diese an Tafeln zu heften. Dabei ging es um den Platz (den 35 mal 80 Meter großen Quartiersplatz), um den Park (den 25 mal 180 Meter großen „Boulevard“ in der Mitte) sowie um den kleineren Platz, wo ein Treffpunkt zum Spielen entstehen soll.

Es gab auch einige nicht ernst zu nehmende Vorschläge, beispielsweise zu einem Reiterstandbild oder einem Kerbplatz auf dem Quartiersplatz. Realistischer sind da schon Wünsche nach viel Grün, nach Bäumen als Schattenspender sowie Ruhezonen. Aber auch ein gewundener Bachlauf, Wasserspiele oder Trinkwasserspender standen auf den Kärtchen, ebenso wie Arkaden mit einem Café sowie Flächen für Kunstaktionen, aber auch für Jugendpojekte. Die Anregung, die derzeitige „ungestörte Blickachse“ von der nördlichen Hugenottenallee gen Norden zur Frankfurter Skyline zu erhalten, dürfte sich angesichts der geplanten Bebauung wohl nicht realisieren lassen.

Die Ideen sollen nun von den zuständigen Büros geprüft werden und in die Konzeption der Grünflächen einfließen. Nach einer Präsentation am 21. Februar ist dann ein Entscheidungsworkshop geplant, beschrieb von der Laden das weitere Vorgehen. Bei einer Diskussion wird es eine abschließende Beurteilung geben, bevor der Städtebauliche Entwurf zur Offenlage kommen wird.

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