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Bernd Totzauer hat sein Mandat als Stadtverordneter der FWG niedergelegt.

Ruhestand

Bernd Totzauer von den Freien Wählern hört nach 18 Jahren als Stadtverordneter auf

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Bernd Totzauer hat als Stadtverordneter der FWG 18 Jahre lang im Isenburger Parlament gesessen. Ein Besuch beim Zahnarzt hat den 75-Jährigen nun dazu bewegt, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen.

Wenn das Stadtparlament heute Abend um 19 Uhr im Rathaus zusammenkommt, wird ein Stadtverordneter nicht mehr dabei sein, der 18 Jahre lang kaum eine Sitzung verpasst hat: Bernd Totzauer hat sein Mandat niedergelegt. Als Einzelkämpfer der Freien Wähler (FWG) und Mitglied der Koalition aus CDU, Grünen und FWG hat er nach fast zwei Jahrzehnten Kommunalpolitik genug. „Das hat ganz persönliche Gründe“, betont der sympathische Isenburger, dass es keine Querelen oder Missstimmungen gegeben habe. Ganz im Gegenteil, er habe die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren in der Koalition als überraschend harmonisch und zielführend empfunden.

Sein Ausstieg kommt für viele plötzlich, die Erklärung ist aber sehr verständlich: „Ich werde bald 76 Jahre alt. Ich war beim Zahnarzt, und er hat mir eine Plombe neu gemacht. Er sagte, ich hätte statistisch noch acht Jahre zu leben, so lange sollte die Füllung jetzt halten. Das hat mich zum Nachdenken gebracht“, erzählt Bernd Totzauer mit einem Lächeln. Er sei sich mit dieser Aussage seiner Endlichkeit bewusst geworden und wolle seine Zeit künftig lieber ganz und gar den schönen und angenehmen Dingen widmen. Dazu zählen Tennisspielen, Skifahren sowie Zeitung- und Bücher lesen.

Geeigneter Nachfolger

Er hätte natürlich die Legislaturperiode auch zu Ende machen können, sagt der FWG-Stadtverordnete. Aber es gebe einen zweiten Grund, warum jetzt der richtige Zeitpunkt zum Ausstieg sei. „Mit Frank Wöllstein haben wir einen guten Mann als meinen Nachfolger gefunden“, ist Bernd Totzauer überzeugt. Wöllstein, Jahrgang 1964, ist gebürtiger Neu-Isenburger, war einst Schüler von Totzauer am Goethe-Gymnasium, begeistere sich für Kommunalpolitik und finde die Beteiligung an der Koalition sinnvoll. „Dann ist es doch sehr gut, wenn er jetzt zwei Jahre Zeit hat, sich ins Parlament einzuarbeiten, bevor er sich als Spitzenkandidat aufstellen lässt“, findet der scheidende Stadtverordnete.

Die Zeit des Abschieds ist natürlich auch der Moment der Rückschau. Was hat der FWG-Mann in den 18 Jahren im Isenburger Parlament bewegt? Das politische Engagement von Totzauer begann schon weit vor seiner Zeit in der Hugenottenstadt: Von 1963 bis 1965 war er Chef der Jusos in Offenbach. Danach legte er eine politische Pause ein. Die Besuche – Totzauer war 40 Jahre lang Lehrer am Goethe-Gymnasium – mit seinen Schulklassen im Isenburger Parlament haben ihn dann zur politischen Arbeit zurückgebracht.

Für den Flughafen

„Ich wollte etwas tun in der Stadt, in der ich mich so wohlfühle. Bei der FWG bin ich richtig aufgehoben. Es geht immer um die Sache, nie um die Partei“, sagt Totzauer. Bei seiner ersten Aufstellung vor 18 Jahren stand er auf Platz fünf der Liste seiner Partei – und wurde von den Neu-Isenburgern auf die eins vorgewählt. „Bevor ich eintrat, habe ich mir überlegt, womit sich die FWG von den anderen Parteien abgrenzen kann. Das war das Thema Flughafen: Wir waren immer für den Flughafen – bei entsprechendem Lärmschutz für die Bürger“, betont der Kommunalpolitiker. Er wollte erreichen, dass die immensen Ausgaben für Anwälte – rund eine halbe Million Euro – endlich aufhören, denn letztlich sah er keine Chance für Isenburg, diesen Kampf gegen den Flughafen zu gewinnen. „Heute ist das gar nicht mehr so ein Thema – aber nur deswegen war eine Koalition zwischen den Grünen und der FWG überhaupt möglich“, sagt Totzauer im Rückblick.

Ob er heute Abend bei der Sitzung dabei ist, kann der sportliche Kommunalpolitiker noch nicht genau sagen: „Das Wetter in den Alpen ist gerade so großartig. Wenn unser Lieblingshotel in Saalbach-Hinterglemm ein Zimmer für uns frei hat, setzen wir uns in den Zug und fahren lieber Ski.“ So setzt er seine Pläne, nur noch schöne Dinge zu tun und sein Leben in vollen Zügen zu genießen, sofort um.

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