Neue Heimat

Regenpfeifer haben sich auf dem ehemaligen Agfa-Areal niedergelassen

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Brutpaare des geschützten Flussregenpfeifers haben sich auf dem ehemaligen Agfa-Gelände angesiedelt. Doch dort können sie aufgrund der Baupläne für das Stadtquartier Süd nicht bleiben.

Es war schon eine kleine Sensation, aber für Kenner nicht unbedingt verwunderlich, als der „Charadrius dubius“ auf dem mittlerweile wieder verwilderten Gelände des ehemaligen Agfa-Werks im Süden von Neu-Isenburg entdeckt wurde. „Er ist recht unscheinbar und durch sein perfekt an die Umgebung angepasstes Federkleid kaum zu erkennen“, beschreibt Hildegard Dombrowe das Erscheinungsbild des Flussregenpfeifers.

Doch wie kommt dieser kleine Vogel, dessen ursprüngliche Habitate flache Ufer von unverbauten Flüssen mit Sand- und Kiesbetten waren, in die Isenburger Industriebrache? „Wenn die ursprünglichen Lebensräume nicht mehr da sind, dann suchen sich die Tiere Ersatzhabitate“, erklärt die Biologin in den Diensten der Stadt. Dennoch war sie ziemlich überrascht, als bis zu drei Brutpaare im Gebiet zwischen Schleussnerstraße und südlicher Hugenottenallee gesichtet wurden.

Bevor ein größeres Baugebiet, so wie die Industriebrache mit ehemaligem Agfa-Gelände und Branntweinmonopolverwaltung mit insgesamt rund zwölf Hektar, freigegeben werden kann, müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Dazu zählt auch ein Umweltverträglichkeitsgutachten, das die Bedürfnisse des Menschen und der Natur mit einbezieht. Werden natürliche Lebensräume durch Bebauung zerstört, muss – dies gilt besonders für geschützte Pflanzen und Tierarten – Ersatz geschaffen werden. Der Flussregenpfeifer ist zwar in Europa weit verbreitet, aber die in Deutschland lebende Population wird auf nur noch rund 5000 Brutpaare geschätzt. Also greift ein Schutzstatus.

„Man kann Feldhamster, Fledermäuse oder Amphibien gezielt umsiedeln, aber bei Vögeln greift diese Methode nicht“, erklärt Hildegard Dombrowe. „Wir können dem Flussregenpfeifer nur an anderer Stelle geeignete Voraussetzungen für seine Ansiedlung anbieten – ob er diese auch annimmt, ist eine andere Frage.“ Auf der Suche nach geeigneten Habitaten wurde man auf dem Gehspitzgelände fündig. „Dort haben wir bereits einige Brachflächen für die unter besonderem Schutz stehende Zauneidechse ausgewiesen, Teile davon könnten wir zu Insel für den Flussregenpfeifer umgestalten“, erklärt die Biologin.

Bald soll damit begonnen werden, die Habitate anzulegen, damit der Flussregenpfeifer, der ein Zugvogel ist, nach seiner Rückkehr aus dem Winterquartier neue und vielleicht sogar bessere Brutplätze auf den nicht allzu weit entfernten Gehspitzgelände findet. Dort ist das Areal sogar eingezäunt und damit ein viel sichereres Habitat als die Industriebrache, die für jedermann, aber auch für Fuchs und Katze zugänglich ist.

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