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Im "Repair Café" helfen die Bürger einander

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Von: Leo Postl

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Klaus-Peter Martin (links) und Nick Timm mit den Entwürfen für das ?Repair Café? Neu-Isenburg.
Klaus-Peter Martin (links) und Nick Timm mit den Entwürfen für das ?Repair Café? Neu-Isenburg. © Leo F. Postl

Das neue "Repair Café" in Neu-Isenburg sucht Mitstreiter. Dabei sind Menschen, die anderen gern helfen, willkommen. Das Konzept kommt aus Holland. Bundesweit gibt es bereits 140 Stück.

Man stelle sich vor, es gäbe ein Ort in der Stadt, an dem sich Menschen treffen, die gerne ein kleines Problem gelöst haben wollen und andere, die gerne genau dort ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen wollen. Bei einer älteren Dame wackelt ein Stuhlbein, in einem anderen Haushalt funktioniert der Toaster nicht mehr. Dabei ist nur eine Kleinigkeit am Kabel zu reparieren. Bei einem Senior sind zwei Speichen im Rad seines Fahrrades verbogen. Und bei einem älteren Paar hat sich durch eine unbedachte Fehlereingabe das Computerbild unbeabsichtigt verstellt, eigene Reparaturversuche haben dies aber noch verschlimmert.

Nick Timm erklärt: „Für die Betroffenen sind dies alles sicherlich größere Probleme, und für Fachbetriebe lohnt sich die Reparatur nicht, da die Arbeitskosten die Materialkosten wesentlich übersteigen. Eine Instandsetzung wäre für den Kunden zu teuer.“ Hans-Peter Martin verwist auf einen anderen, nicht unerheblichen Aspekt: „Aber wer wirft schon sein liebgewonnenes gutes Stück so einfach weg. Manche können sich auch keine teure Reparatur leisten.“ Eine Anlaufstelle, die solche Problem löse und insbesondere den Menschen helfe und dazu noch mit ihnen ins Gespräch kommen könne – das wäre das Ideal, meint Timm.

Genau solche Treffpunkte gibt es bereits in vielen deutschen Städten, und ein solches „Repair Café“, nach den erfolgreichen Vorbildern aus Holland, soll es bald auch in Neu-Isenburg geben. „Ich gehe schon lange mit dieser Idee schwanger, aber die Umsetzung war schwieriger als ich gedacht hatte“, betont Nick Timm. Zuerst hatte er an eine sinnvolle Beschäftigung für Flüchtlinge gedacht, „doch es gibt auch alteingesessene Bürger, die Probleme haben, die zusammen mit anderen unkompliziert zu lösen sind“, beschreibt der Initiator seine Intension.

Bis zur Umsetzung

Auf der Suche nach einer schnellen Umsetzung gab es für Nick Timm auch Hürden. „Man muss so Vieles berücksichtigen, an das man zunächst überhaupt nicht denkt“, verweist er auf ein erstes Gespräch mit Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos), der mögliche Einwände aus der Geschäftswelt vermeiden wollte.

„Also ging er zu drei repräsentativen Unternehmen aus der Möbelbranche, dem Elektrohandwerk und dem Computerbereich“, erklärt Timm. Glücklicherweise hatten alle keine Bedenken gegen die kleinen Hilfsangebote. Dann musste noch ein geeigneter Raum gefunden werden und schließlich noch eine Versicherung, sollte er zu möglichen Unfällen bei den Reparaturversuchen kommen.

„Über die Stabstelle Ehrenamt mit Claudia Lack im Isenburger Rathaus kam ich mit dem Jugendbüro in Kontakt, hier fand ich bei Klaus-Peter Martin sofort ein offenes Ohr“, berichtet Nick Timm. Der Leiter des Jugendbüros in der Hugenottenallee sah in einer solchen Begegnungsstätte auch die Chance, junge Menschen mit älteren Bürgern zusammenzubringen. „Es gibt sicherlich junge Computerfreaks, die ruckzuck ein kleines Computerproblem gelöst haben“, nennt Martin eine Möglichkeit, junge Menschen in die Arbeit von Timm einzubinden. Einen geeigneten Raum hat er ebenfalls zur Verfügung.

Unter einer Dachmarke

Das System der „Repair Cafés“ gibt es rund 140 mal bundesweit. Wer mitmachen will, „zahlt eine einmalige Gebühr und ist anschließend unter der Dachmarke mitorganisiert“, erläutert Timm das Konzept. „Repair Cafés“ sind kostenlose Treffen, bei denen die Teilnehmer allein oder gemeinsam mit anderen defekte Dinge reparieren. Ehrenamtliche Reparaturexperten helfen anderen dabei, so viel wie möglich selbst an den mitgebrachten defekten Gegenständen wieder in Ordnung zu bringen. Für eine angenehme Atmosphäre sorgen Kuchen, Kaffee oder Tee gegen eine Spende. Die Basis ist das ehrenamtliche Miteinander.

„Jetzt suchen wir für den Start handwerklich begabte Mitstreiter aller Altersgruppen, die sich bei uns einbringen“, so Timm. „Fachleute und Bastler sind willkommen“. Die Treffen sind jeweils am zweiten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr.

Wer sich berufen fühlt, anderen Menschen zu helfen, wendet sich an Nick Timm, Telefon (0 61 02) 2 35 71 oder E-Mail an infotimm@nicktimm.de, sowie an Klaus-Peter Martin (0 61 02) 1 74 15, E-Mail: klaus-peter.martin@stadt-neu-isenburg.de

(lp)

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