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Reparieren statt wegwerfen

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Von: Nicole Jost

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Wie entsorge ich kaputte Geräte? Am besten gar nicht. In Neu-Isenburg gibt es jetzt das Repair-Café, bei dem defekte Haushalts- und Elektroware wenn möglich wieder hergerichtet wird.

Die Neu-Isenburger haben den Zweck des Repair-Cafés gleich bei der Premiere verstanden: In den Räumen des Jugendcafés haben sich gleich zum Start so einige reparaturbedürftige Gegenstände angesammelt. Ein kaputter Laptop, der sich nicht mehr hochfahren lässt, die abgebrochene Befestigung eines Banners der Kolpingfamilie Heilig Kreuz, das Netzteil eines Rasenmähers und eine alte Lampe. Arbeit gab es für den Helferkreis also gleich genug. „Es überrascht mich auch überhaupt nicht, dass unser Angebot nachgefragt ist. Die Repair-Cafés haben ja in anderen Städte durchaus auch schon Erfolg gehabt“, sagt Nick Timm, Initiator der Idee. Was ihn viel mehr erstaunt habe, war das große Interesse der Isenburger, sich selbst aktiv an dem Projekt zu beteiligen.

Viele aktive Helfer

„Wir haben jetzt einen Helferkreis von immerhin 16 Leuten, darunter sehr viele Menschen, die beruflich aus dem Fachbereich Elektrotechnik kommen. Das sind natürlich sehr gute Voraussetzungen dafür, dass wir die kaputten Gegenstände, die uns gebracht werden, auch tatsächlich wieder reparieren können“, freut sich Nick Timm über das Interesse. Wenn er einen Wunsch äußern dürfte, dann wäre das vielleicht noch einige Schreiner zu gewinnen, die dann etwa bei Reparaturen von Möbelstücken und ähnlichem helfen könnten.

Schon länger sei ihm die Idee des Repair-Cafés im Kopf herumgeschwirrt. Mit Klaus-Peter Martin vom Verein Mobile Jugendhilfe/Streetwork Neu-Isenburg habe er den geeigneten Mistreiter gefunden, der auch noch die passenden Räume hatte. „Die Idee dahinter ist es, dass Dinge, die kaputt gegangen sind, nicht sofort einfach weggeworfen werden müssen“, sagt Klaus-Peter Martin. „Wenn wir jetzt noch ein paar Jugendliche dafür gewinnen können, dann wäre das toll. Denn sie können hier von all unseren Fachleuten wirklich etwas lernen“, ist der Pädagoge überzeugt.

Treffpunkt für Isenburg

Zum Beispiel von Winfried Eichhorn. Er war in seinem Berufsleben Fernmeldetechniker mit einem Gesellenbrief in Elektronikhandwerk. Eichhorn hat an diesem ersten Donnerstag im Repair-Café Gisela Mauer glücklich gemacht. Sie kam mit einer alten Lampe aus dem Familienbesitz in die Hugenottenallee 88. Ein Wackelkontakt in der Fassung sollte aber nicht das Ende bedeuten. „Unsere Familie hängt an der Lampe, es ist ein altes Bauhaus Stück. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie hier gerettet werden könnte“, sagte die Neu-Isenburgerin. In Zusammenarbeit mit Wolf Munari konnte die Lampe repariert werden. Ganz so glatt lief es für Nick Timm nicht. Sein abgebrochenes Netzteil am Rasenmäher lässt sich nicht einfach so wieder herstellen. Aber ein Ersatzteil, das bestellt werden muss, soll es dann eben beim nächsten Mal richten.

Neben dem beschäftigten Treiben gibt es bei den Reparaturarbeiten übrigens auch Kaffee und Kuchen – den hatten die Jugendlichen aus dem Jugendcafé gebacken. „Wir wollen auch ein Treffpunkt für Neu-Isenburg sein“, betont Nick Timm den gesellschaftlichen Wert, den das Repair-Café haben soll. Die nächste Gelegenheit, kaputte Dinge vor der Mülltonne zu retten, um ihnen ein Zweitleben zu ermöglichen und dabei gleich auch noch ein Stück Kuchen zu essen, ist am Donnerstag, 14. April, zwischen 16 und 18 Uhr in der Hugenottenallee 88. Das Repair-Café soll es künftig alle zwei Wochen geben.

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