Erinnerungen an Franz Völker

Requisiten sind ein Glücksfall

  • vonLeo Postl
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Die Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft ist jetzt im Besitz von weiteren Schätzen des berühmten Tenors aus Neu-Isenburg. Hinzu Kommen Schellackplatte, Briefe und Dokumente.

Auf einem Tisch liegt ein reich verziertes Schwert, daneben die passenden Kettenhandschuhe und der Gürtel, an dem das Schwert am Körper befestigt wird. „Ich weiß nicht, ob mir der Gürtel passt, aber ich kann’s ja mal probieren“, meint Dieter Fuhrländer und versucht sich, ähnlich wie einst Franz Völker, in Schale und Positur zu werfen. Es gelingt tatsächlich. Auf dem Tisch nebenan liegt, schön aufgereiht, eine ganze Sammlung von Schelllackplatten, alle mit Liedern des berühmten Isenburger Tenors. Daneben noch ein großer Ordner mit Briefen, Zeugnissen und Arbeitsverträgen von Franz Völker – alles Neuerwerbungen des Archivs.

Die Sammlung der Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft Neu-Isenburg ist somit um einige interessante Sammlungsstücke reicher. „Lohengrin“ war die Paraderolle von Franz Völker, und für seine Auftritte ließ sich Völker mit eigens für ihn angefertigten Handschuhen, einem Gürtel und auch mit einem imposanten Schwert ausstatten. Diese Requisiten sind nun ebenfalls im Besitz der Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft, die ihren Sitz im Robert-Maier-Haus hat. Weiterhin überließ der Musikspezialist und Schelllackplattensammler Gerhard Kilian dem Archiv seine Platten mit Liedern von Franz Völker aus seinem persönlichen Besitz.

Ein langgehegter Wunsch

Besucher hatten am Samstag anlässlich des „Tag des offenen Archivs“ die Möglichkeit, diese Schätze zu bewundern. Am Nachmittag hatte die Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft dann zu einem musikalischen Zusammentreffen eingeladen. Unter dem Motto „Anny Schlemm – im Land der Operette“ wurden Lieder der aus Neu-Isenburg stammenden Opernsängerin vorgespielt und besprochen.

„Das ist ein echter Glücksfall für uns, hinter diesen Requisiten waren wir schon länger her“, meinte Berthold Depper. Der Vorsitzende der Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft bedauerte zwar die Umstände, denn der frühe Tod der Enkelin von Franz Völker machte dies jetzt möglich, freute sich aber dennoch, diesen Coup gelandet zu haben. „Diese für uns bedeutsamen Requisiten waren im Besitz der Enkelin von Franz Völker, die in Monaco lebte, jetzt aber leider sehr früh einem Krebsleiden erlegen ist“, erläuterte Depper. Der Nachlass ging in den Besitz der Mutter von Sabine Völker über und diese kam dem langgehegten Wunsch von Berthold Depper nach, der Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft diese bedeutsamen Requisiten zu überlassen. „Wir sind richtig froh, aber auch dankbar“, lobt Depper das Entgegenkommen der Familie.

Mit einem ganzen Schwung von Schelllackplatten, es dürften so an die 90 sein, erfreute auch Gerhard Kilian die Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft. Das ehemalige Vorstandsmitglied lebt heute in Bad Kissingen und hat alle Franz-Völker-Platten, die er über Jahre hinweg gesammelt hat, nun dem Archiv der Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft überlassen. „Gerhard Kilian war ein Kenner der Musikszene und hatte beste Beziehungen zum Deutschen Rundfunk-Archiv in Berlin aber auch in die Schweiz und den USA“, erläuterte Berthold Depper.

Beeindruckende Arbeit

Weiterhin konnten weitere Dokumente, wie Briefe von oder an Franz Völker, sowie Zeugnisse, Arbeitsverträge und der erste Künstlervertrag des Isenburger Ausnahmesängers erworben werden. Interessant ist auch ein Heimatschein für die Zeit von 1931 bis 1941, ausgestellt vom Kreisamt in Offenbach. Dieser wurde benötigt, damit Franz Völker auch außerhalb der deutschen Grenzen auftreten konnte.

Noch sind die neusten Erwerbungen nicht alle sortiert und katalogisiert, doch sie sind erst einmal im Besitz der Frank Völker-Anny Schlemm Gesellschaft – und dies ist für Depper wichtig. In den Regalen im Keller liegen noch ein paar Päckchen, die mit Zeitungspapier umwickelt sind, deren Inhalt aber für das Archiv von Franz Völker von Bedeutung ist. In der vergangenen Zeit beschäftigte sich Depper vor allem damit, alle Aktivitäten, samt den Publikationen, der Franz Völker-Anny Schlemm Gesellschaft zu sortieren und zu ordnen. Jetzt geht es dann an das Archivieren der Neuerwerbungen. „Wir können jetzt mit Fug und Recht sagen, dass wir alles haben, was Franz Völker jemals gesungen hat“, betonte Berthold Depper voller Stolz.

Neu-Isenburgs ehemaliger Bürgermeister und derzeitiger Landrat Oliver Quilling stattete dem Archiv ebenfalls einen Besuch ab. „Es ist schon sehr beeindruckend, welche Arbeit hier, im Stillen geleistet wird“, sagte Quilling. Er erinnerte sich noch recht gut an die Gründungsversammlung, die zunächst mit Argwohn der Familie Völker begleitet worden war, jetzt aber die volle Akzeptanz findet. „Es ist ein wunderbares Beispiel, wie sich ein Nicht-Isenburger um einen verdienten Bürger unserer Stadt kümmert“, lobte Oliver Quilling das Engagement von Berthold Depper.

Am Nachmittag gab es dann Musikalisches rund um das Wirken von Anny Schlemm auf der Oper- und Operettenbühne. Querschnitte aus „Der Vogelhändler“, „Die Dubarry“, „Gräfin Mariza“, „Der Zarewitsch“, oder „Gasparone“ und „Land des Lächelns“ belegten die Bandbreite der außergewöhnlichen Sängerin. Zu hören war Anny Schlemm auch mit Duettpartnern wie Franz Fehringer, Josef Metternich, Rudolf Schock oder Peter Andres. Berthold Depper gab zu allen musikalischen Auszügen Erläuterungen. Zusammen mit Wein und Prosecco sowie den Gaumenfreuden, die Dieter Fuhrmann aus Bischofsheim mitgebracht hatte, wurde die Veranstaltung zu einem wahren Sinnesschmaus.

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