Einjähriges Pilotprojekt

Rettungsgasse: Feuerwehr kann Lasterfahrer per CB-Funk in acht Sprachen warnen

  • Michael Forst
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Das hessische Innenministerium hat die nächste Etappe seiner Verkehrskampagne gestartet – und dafür fünf Feuerwehren im Bundesland mit einem besonderen Hilfsmittel ausgestattet. Die Truppe der Hugenottenstadt gehört dazu.

Der Stolz, mit seiner Wehr für ein Pilotprojekt des hessischen Innenministeriums ausgewählt worden zu sein, war Stadtbrandinspektor Stefan Werner anzumerken, als er die neue Errungenschaft präsentierte, die seine Leute künftig bei Unfalleinsätzen auf der Autobahn einsetzen werden: Einen Koffer, in dem verschiedene CB-Funkgeräte verbaut sind. Mit ihrer Hilfe können die Feuerwehrleute künftig Brummifahrer bei Unfällen in acht Sprachen für korrektes Verkehrsverhalten sensibilisieren.

Konkret bedeute dies: Das Spezialgerät ist in der Lage, gleichzeitig auf acht CB-Funkkanälen einen eingespeicherten Funkspruch jeweils in einer separaten Sprache auszusenden. „So können wir Lkw-Fahrer in ihrer jeweiligen Landessprache vor den herannahenden Einsatzfahrzeugen warnen und zum Bilden einer Rettungsgasse auffordern“, erläuterte Stefan Werner. Dafür werde der Satz „Achtung! Es folgen Einsatzfahrzeuge, bilden Sie eine Rettungsgasse!“ in acht Sprachen ausgestrahlt. An der Einsatzstelle könne der ausgesendete Funkspruch in „Achtung! Gefahrenstelle!“ umgeschaltet werden. „Dadurch soll verhindert werden, dass es zu folgenschweren Kollisionen mit den Einsatzfahrzeugen an einer abgesicherten Einsatzstelle kommt“, so Werner.

Die Reichweite der Geräte betrage rund 1000 Meter und lasse den Brummi-Piloten somit genug Zeit zur Reaktion. Neben Deutsch ertöne die Ansage in Ungarisch, Tschechisch, Russisch, Niederländisch, Türkisch, Rumänisch und Polnisch.

Die Auswahl der Sprachen orientiere sich an Umfragen auf Raststätten, denn: „Welche Nationalität die Fahrer haben, ist je nach Landstrich durchaus unterschiedlich“, stellte Stefan Werner klar. So fänden sich beispielsweise im Hamburger Raum ganz andere Nationalitäten hinter den Brummi-Lenkrädern als in der Rhein-Main-Region.

Ihre Autobahneinsätze fahren die Neu-Isenburger Feuerwehrleute auf der A 3 zwischen Offenbacher Kreuz und Obertshausen, in der Gegenrichtung zwischen dem Offenbacher Kreuz und Frankfurt-Süd sowie auf der A 661 von Neu-Isenburg bis Langen und in der Gegenrichtung zwischen Dreieich und Taunusring. Gerade, wenn sie versuchen, sich ihren Weg zur Unfallstelle zu bahnen, seien er und die Kameraden großen Gefahren ausgesetzt, betonte der Stadtbrandinspektor. „Es ist für uns ein riesiges Risiko, da heil durchzukommen.“ Dabei machten gerade die vielen Laster oft Schwierigkeiten, wie Werner ergänzte.

Er erinnerte an einen folgenschweren Unfall im Sommer 2015, als ein Laster auf der A 3 bei Obertshausen in eine Unfallstelle gerast war – und drei Rettungskräfte schwer verletzte. Die Kosten für die Beschaffung der fünf, von Innenminister Peter Beuth für den Pilotversuch überreichten Geräte, belaufen sich inklusive Zubehör auf 26 263 Euro und werden komplett vom Land Hessen übernommen. Bewähren sie sich nach einem Jahr, sollen sie hessenweit eingeführt werden.

(mfo)

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