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Rollstuhlfahrer stößt beim Busfahren auf viele Hindernisse

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Von: Nicole Jost

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Für Menschen im Rollstuhl sollte das Busfahren eigentlich kein Problem sein. Doch obwohl rund um Gravenbruch Niederflurbusse verkehren, ist dies dort offenbar regelmäßig der Fall. Jörg Oster kann davon ein Lied singen.

Jörg Oster ist ein agiler Mann. Seit seiner Kindheit ist er nach einer Beinamputation auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch ist er viel unterwegs. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hat er dabei so seine Probleme. Dabei ist seine „Heim“- Bushaltestelle in Gravenbruch am Dreiherrnsteinplatz sogar barrierefrei ausgebaut, so dass sich für Jörg Oster eigentlich keine Hürden auftun sollten.

„Ich nutze die Linien OF 50 von Gravenbruch nach Frankfurt, die 653 von Neu-Isenburg nach Frankfurt und die 661 von Gravenbruch nach Offenbach. Früher hatte ich oft das Problem, dass keine Niederflurbusse im Einsatz waren. Seit einigen Jahren sind es aber lückenlos Busse, die sich auch alle absenken lassen“, erläutert Oster. Allerdings senkten viele Busfahrer die Busse jedoch nicht ab. Mit dem vorherigen Betreiber habe er keine Problem gehabt, so der 36-Jährige, die Fahrer hätten ihn an der Bushaltestelle stehen sehen und den Bus runtergelassen, so dass er nur mit einer kleinen Stufe problemlos hinein gelangen konnte.

Seit das Unternehmen Viabus aus Speyer für den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mit den Strecken beauftragt ist, gebe es aber regelmäßig Ärger. Auf der Linie OF 50 habe Oster darum gebeten, den Bus abzusenken, darauf habe der Fahrer gesagt, der Wagen sei kaputt und lasse sich nicht senken. Auf der Linie 653 sei ihm dasselbe passiert, dort hätten dann zwei Kontrolleure geholfen und letztlich den Bus absenken können.

Einfach stehengelassen

„Ich habe sogar schon mit dem Bushersteller telefoniert. Die Absenkvorrichtung funktioniert nur bei geschlossener Tür. Der Fahrer muss also erst den Bus absenken und kann dann die Türen öffnen. Ich habe das Gefühl, dass die Fahrer das oftmals nicht wissen und schlecht geschult sind“, erklärt Oster. Es sei ihm aber auch schon passiert, dass der Fahrer ihn stehen sieht und weiterfährt, weil der Bus angeblich voll sei. Einmal habe der Fahrer die im Bus befindliche Rampe gelegt, aber das Fahrzeug nicht abgesenkt. „Dann ist der Winkel zu steil und ich komme nicht hoch. Dann hat er mich stehenlassen und gesagt, ich dürfe nur mit Begleitperson fahren – was natürlich nicht stimmt“, sagt Oster.

Bei einem Vorfall sei es sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen, berichtet der Isenburger: Er habe sich am Bus festgehalten, als ihn wieder mal ein Fahrer stehenlassen wollte, da habe ihm dieser auf den Unterarm geschlagen, damit er loslässt. „Ich will wirklich keinen roten Teppich, ich will einfach nur, dass die Fahrer die technischen Möglichkeiten nutzen, um mir das Leben ein bisschen leichter zu machen“, erklärt Oster.

Er habe auch schon mehrmals mit dem Linienbetreiber über E-Mail kommuniziert. Dann gehe es mal zwei Wochen ein bisschen besser, aber danach sei es immer wieder das gleiche Problem. Da es fast in 99 Prozent seiner Busfahrten zu Problemen komme, hat es Jörg Oster inzwischen aufgegeben, jedes Mal mit den Fahrern eine Diskussion anzufangen. „Ich wurschtele mich dann irgendwie so hoch. Das ist jedes Mal ein Kraftakt. Das macht mich traurig und wütend und ich fühle mich diskriminiert.“

Schulungen mitgemacht

Viabus wirbt sogar mit seinen modernen Bussen. In den Broschüren heißt es: „Eingesetzt werden moderne klimatisierte Niederflurbusse mit Absenkvorrichtung und Rampe, die auch älteren Fahrgästen oder Personen mit Kinderwagen oder im Rollstuhl einen bequemen Einstieg ermöglichen.“ Und Oster hat auch nur auf diesen Strecken von Neu-Isenburg und Gravenbruch aus Probleme. „Bei den Buslinien in Frankfurt, in Offenbach, auch in Hamburg oder Spanien ist es inzwischen absolut üblich, dass die Busse an jeder Haltestelle abgesenkt werden, so dass jeder Fahrgast bequem einsteigen kann, egal ob mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen“, schildert er.

Jörg Oster ist übrigens nicht der einzige, der sich über den örtlichen Busverkehr beschwert. Zwei Pendler, die namentlich nicht genannt werden wollen, stören sich an den massiven Unpünktlichkeiten der Busse und an der Unfreundlichkeit der Fahrer. Manchmal komme sogar gar kein Bus

Bei Viabus kennen die Mitarbeiter im Qualitäts- und Beschwerdemanagement Jörg Oster schon. Es habe sogar schon Schulungen gegeben, bei denen den Fahrern die technischen Vorrichtungen erklärt wurden, bei denen Jörg Oster selbst teilgenommen hat. Das Problem sei bekannt und es werde daran gearbeitet.

Eberhard Röder, Geschäftsführer der Stadtwerke Neu-Isenburg, betont, dass auch die Stadtbuslinien mit Viabus unterwegs sind und es sehr wenige Beschwerden gebe, obwohl dort auch viele gehandicapte Nutzer unterwegs seien. Er weiß aber um die Unzufriedenheit des Gravenbruchers. „Eigentlich gab es viele Gespräche mit Herrn Oster, dem RMV und dem Betreiber. Mir ist unklar, warum die Probleme noch immer nicht gelöst sind.“

Auch Bürgermeister Herbert Hunkel verweist auf die bereits geführten Gespräche. „Ich hatte gehofft, dass Herr Oster jetzt keine Schwierigkeiten mehr hat. Ich bin gerne bereit, noch einmal beim RMV nachzuhaken“, sichert Hunkel dem Rollstuhlfahrer seine Hilfe zu. Er habe größtes Interesse daran, dass die Isenburger mit dem Öffentlichen Nahverkehr gut bedient werden, und es könne nicht sein, dass Busse, wenn sie solche modernen Vorrichtungen haben, diese nicht nutzen.

Am heutigen Dienstag ist das Linienkonzept für Gravenbruch auch Thema in der Ortsbeiratsitzung. Beginn ist um 20 Uhr im Seniorenhaus Gravenbruch in der Meisenstraße 24.

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