An der Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits

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Das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur Neu-Isenburg präsentiert in einer Reihe Kunst an ungewöhnlichen Orten. Dieses Mal führte es die Besucher unter dem Thema „An der Schwelle – Alles ist nur Übergang“ in die Trauerhalle des Waldfriedhofs.

Mit der Veranstaltung „An der Schwelle – Alles ist nur Übergang“ setzte das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur (FFK) in Neu-Isenburg seine Reihe der Events an ungewöhnlichen Orten fort. Das Thema hatte gleich doppelten Bezug, einerseits der Übergang vom irdischen Aufenthalt zu jener Schwelle, nach der das zwar Unbekannte, aber „Unendliche“ beginnt – und der Übergang stand auch für den Wechsel an der Spitze des FFK. Erstmals begrüßte Oliver Quilling, der kürzlich von Theo Wershoven den Vorsitz übernommen hatte, die vielen Gäste zu der Veranstaltung.

Den Besuchern wurde auch gleich ein recht ungewöhnlicher Empfang bereitet, schon am Parkplatz warteten die Mitwirkenden des „theatre of life“ mit bunten Schirmen und geleiteten die Gäste zur Trauerhalle des Waldfriedhofes – beziehungsweise bis zu deren Türschwelle. „Auf dem Weg von der Schwelle des Lebens in das Jenseits gibt es auch keine Begleitung“, meinte Uta Eckhardt, die mit Johannes Schedl die eintreffende Ingrid Bickmann und Brigitta Philipps beschirmt hatte.

„Neu ist der Vorstand, doch schon traditionell ist die Veranstaltung hier“, hieß Landrat und FFK-Vorsitzender Oliver Quilling die Besucher in der Trauerhalle willkommen. Er war ebenfalls gespannt, wie das „theatre of life“ aus dem benachbarten Frankfurt das Motto „An der Schwelle – Alles ist nur Übergang“ umsetzen würde.

Die literarisch-musikalische Inszenierung begann buchstäblich mit Herzklopfen. „Als ich noch lebte, lag das Gewicht meines Körpers wie eine Last auf meiner Brust“, trug Uta Eckhardt vor – um dann das Mikrofon im Takt des Herzschlags immer wieder an ihre Brust zu klopfen. Rolf Birkholz trug Gedanken über das Alter vor: „Mit etwa 30 Jahren entstand das Gefühl, sich der Sterblichkeit und damit der Endlichkeit dieses Lebens bewusster zu werden“. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sei das Leben doch nur immer wieder eine Wiederholung. „Habe ich nicht schon alles erreicht und ist nicht schon alles geregelt? Also könnte man doch auch aus diesem Leben scheiden“, so seine Worte. „Braucht man noch ein neues Handy oder gibt es doch noch etwas, was ich noch unbedingt erledigen müsste?“, setzte Birkholz seine Gedanken fort, um dann zur finalen Erkenntnis zu kommen, dass er irgendwann – wann auch immer – aus diesem Körper gehen muss. „Doch es quält mich die Frage – wann?“, setzte er den Schlusspunkt, um ebenfalls in den Takt der Herzschläge einzufallen.

Am Ende aller vorgetragen Rezitationen waren nur noch die „Herzschläge“ aller Ensemble-Mitglieder per Mikrofon zu hören. Eine eigenartige „Stille“, die ja keine war, lag in der Atmosphäre der Trauerhalle. Die „Erlösung“ kam dann von Sabrina Hummel am Piano, die mit einer Komposition von Ryuichi Sakamoto, von ganz leise bis schließlich für alle vernehmbar, die Gäste in der Trauerhalle wieder ins Diesseits holte. Wie weit waren alle bereits an der Schwelle, wo der Übergang beginnt? In der Folge gab es weitere, eindrucksvolle Wechselspiele von Rezitationen, Aktionen und musikalisch begleiteten Erwachen. Und Goethes Worte: „Alles ist nur Übergang. Merke wohl die ernsten Worte von der Stunde, von dem Orte treibt dich eingepflanzter Drang, Tod ist Leben, Sterben Pforte, alles ist nur Übergang“, wurden allen viel bewusster und werden noch lange nachklingen. Die Veranstaltung setzte wieder einen Höhepunkt in der Reihe „Kunst und Kultur an ungewöhnlichen Orten“.

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