Rotarier-Präsident Holger Lindner (vorgebeugt) beobachtet die Jugendlichen beim Torwandschießen.
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Rotarier-Präsident Holger Lindner (vorgebeugt) beobachtet die Jugendlichen beim Torwandschießen.

Rotarier feiern Jubiläum

Seit 25 Jahren dem Nachwuchs verpflichtet

Der Rotary Club Dreieich-Isenburg feierte sein 25-jähriges Bestehen. Statt trockene Reden zu halten, spielten die Rotarier mit Sozialarbeitern und hilfebedürftigen Jugendlichen Torwandschießen.

Von NICOLE JOST UND LEO POSTL

Sprachkurse für Mütter, die Hausaufgabenhilfe im Westend und der Jugendtreff – all dies wäre ohne die Unterstützung des Vereins nicht möglich. Der Rotary Club Dreieich-Isenburg blickt dieses Jahr auf sein 25-jähriges Bestehen zurück. „Insgesamt haben wir die unterschiedlichen Projekte in Neu-Isenburg schon mit mehr als 100 000 Euro gefördert“, sagt Holger Lindner, Club-Präsident der Rotarier, die derzeit mit 40 Mitgliedern Spenden für die gute Sache akquirieren. Allein 25 000 Euro werden dieses Jahr fließen. Dabei liegt die Jugendhilfe den Vereinsmitgliedern ganz besonders am Herzen.

Über das Projekt „Soziales Lernen“ fördert das Jugendbüro – das wiederum finanziell vom Rotary Club unterstützt wird – Angebote zur Integration schwieriger Jugendlicher. Durch Spenden der Rotarier konnte etwa der Jugendtreff, mit einem Laptop, einem Beamer und mit neuen Möbeln ausgestattet werden. Derzeit ist er jeden Sonntag von 19 bis 23 Uhr eine beliebter Treffpunkt von Jugendlichen im Neu-Isenburger Westend. Auch die Jugendförderung im Stadtteilzentrum West ist den Rotariern ein besonderes Anliegen. Seit 2010 unterstützen sie hier eine nachschulische Betreuung; bei der gelesen, gerechnet, aber auch „sinnvoll“ gespielt wird.

Und manchmal eben auch gefeiert. Denn die Jubiläumszeremonie sollte an eben jenem Ort stattfinden, an dem die Rotarier schon so viel bewirkt haben. Geladen waren sowohl die Jugendlichen Profiteure als auch die Sozialarbeiter sowie Politiker.

Es sollte keine lange akademische Feier geben, sondern sportliche Interaktionen zwischen den Rotariern und den Jugendlichen, so etwa auch ein Wettbewerb im Torwandschießen. Statt langer Reden wies eine lange Bilderleine auf erfolgreich abgeschlossene und noch laufende Projekte hin. „Wir engagieren uns lokal aber auch international“, verwies Kim Bagus, Pressereferentin des Rotary Club Dreieich-Isenburg, auf das Medizin-Projekt von Michael Schöfer in Ghana (Afrika).

Öffentlich honoriert

Doch ganz so ohne offiziellen Teil ging es dann doch nicht. „Der Rotary Club Dreieich-Isenburg ist eine Gemeinschaft, die im Stillen wirkt, dafür aber umso engagierter. Und Eva Milbradt-Zeuzem ist für mich jene Person, die dieses tollen Club personifiziert“, betonte Bürgermeister Herbert Hunkel. Milbrad-Zeuzem hatte sich vor allem bei den Anfängen der Streetworker in Neu-Isenburg engagiert. Nachdem der Rotary Club Dreieich-Isenburg bereits am Mittwoch seine Wohltaten der vergangenen 25 Jahre noch einmal hatte Revue passieren lassen, war für das Neu-Isenburger Stadtoberhaupt klar: Das muss irgendwie öffentlich honoriert werden.

„Und jetzt kann ich die freudige Botschaft überbringen“, sagte er feierlich, dass sich der Magistrat spontan entschlossen hat, „Sie, liebe Frau Dr. Eva Milbradt-Zeuzem, mit der Hugenottenmedaille auszuzeichnen“. Es gab großen Beifall von allen Anwesenden, von den Rotariern bis hin zu den Jugendlichen. „Frau Milbradt-Zeuzem übergibt nicht einfach eine Spende, sondern hinterfragt, wie das Geld ankommt und ob es weiterer Hilfe bedarf“, würdigte Hunkel das Engagement der Geehrten.

Finanzielle Unterstützung

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag von Anfang an auf den Jugendlichen mit Migrationshintergrund“, erläuterte Eva Milbradt-Zeuzem. Begonnen hat die Zusammenarbeit zwischen dem Club und Jugendbüro 1998, als das Thema Jugendgewalt für Schlagzeilen sorgte. Damals haben die Mitarbeiter der städtischen Jugendarbeit ein Konzept entworfen, mit dem Jugendliche, die auffällig geworden sind, mit einzelpädagogischer Hilfe wieder auf den richtigen Weg zurückfinden – durch „Soziales Lernen“. Ferner stellten die Rotarier eigens eine Honorarkraft zur Verfügung, um Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf auf dem Weg in die Berufsausbildung oder eine Arbeitsstelle zu begleiten. Dies wurde über Klaus-Peter Martin, dem Leiter des Neu-Isenburger Jugendbüros, koordiniert.

Dieses Projekt unterstützt der Rotary-Club bis heute mit 1000 Euro im Jahr. Aber auch Prävention wird mit 2500 Euro im Jahr gefördert, vier siebte Klassen durchlaufen jedes Jahr in der Projektwoche einen Workshop zum Thema „Soziales Lernen“. Mit weiteren 2000 Euro fördert der Club die Sprachkompetenzen von Müttern und Kindern in der Kita Gartenstraße.

Klaus Peter Martin ist sehr dankbar für die kontinuierliche Zusammenarbeit. „Wir werden nicht nur großzügig unterstützt, es gibt auch ein ehrliches Interesse seitens der Mitglieder. Die gesellschaftliche Verantwortung die der Rotary Club hier übernimmt, wird sehr deutlich.“

D ie Arbeit mit den Jugendlichen habe die Anzahl der Schulverweigerer deutlich gesenkt. Außerdem führe die arbeitspädagogische Begleitung von jungen Leuten vor und während der Lehrzeit zu wesentlichen Erfolgen. „Anfangs waren die Schulen noch sehr zögerlich, heute ist unser Angebot ein Renner“, betont Klaus-Peter Martin. Zu der täglichen Hausaufgabenbetreuung im Westend kommen stets zwischen zehn und fünfzehn Kinder. Auch der Jugendtreff am Sonntagabend sei mit knapp zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr konstant besetzt.

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