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Integration über eine Berufsausbildung: Flüchtlinge lernen die Arbeit mit einem Schweißbrenner.

Minderjährige Flüchtlinge

Kreis Offenbach: „Sind bei der Integration auf einem guten Weg“

Im Kreis Offenbach leben rund 200 junge, unbegleitete Flüchtlinge, die betreut werden müssen. Ein Hauptziel ist es, ihnen einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Das funktioniert recht gut.

Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern oder andere Begleitpersonen nach Deutschland kommen, sind nach dem Gesetz besonderes schutzbedürftig. Sie werden vom Jugendamt des Kreises Offenbach betreut. Das gilt auch für alle, die vor kurzem das 18. Lebensjahr vollendet haben. Sie erhalten weiterhin Unterstützung von der Jugendhilfe, bis sie es schaffen, in ein selbstständiges Leben zu starten. Zur Integration gehört, dass sie Deutsch lernen und mehr über die Strukturen in dem für sie fremden Land erfahren. Von den jungen Männern, die dezentral in den Kommunen des Kreises untergebracht sind, haben vergangenes Jahr 54 und in diesem Jahr 47 eine Ausbildung begonnen.

„Bei der Integration der Jugendlichen und jungen Volljährigen sind wir auf einem guten Weg. Die Unterstützung durch unsere Fachkräfte im Sozialdienst und durch die ehrenamtlichen Helfer trägt Früchte. Immer mehr junge Flüchtlinge können in den Arbeitsmarkt vermittelt werden und stehen jetzt auf eigenen Beinen“, sagte Kreisbeigeordneter Carsten Müller (SPD) am Dienstag beim Besuch einer Wohngruppe in Dietzenbach. In diesem Jahr hätten im Kreis bisher 81 Heranwachsende die Jugendhilfe verlassen können. Sie besuchen beispielsweise berufsorientierte Maßnahmen, haben eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz gefunden.

In Wohngruppen

Die Zahl der Flüchtlinge insgesamt und auch die der minderjährigen Asylsuchenden ist seit der großen Welle 2015 zurückgegangenen. Vor drei Jahren musste der Kreis Offenbach zusätzlich zu den rund 2000 Erwachsenen Flüchtlingen knapp 270 Jugendliche aufnehmen und betreuen, 2016 waren es 116 (1980 über 18 Jahre). In diesem Jahr wurden dem Kreis Offenbach bisher acht Jugendliche zugeordnet (370 Volljährige). Mit der Betreuung der derzeit rund 200 jungen Leute hat der Kreis unter anderem die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Diakonische Werk und die Christliche Flüchtlingshilfe beauftragt.

In Dietzenbach betreuen unter anderem Fachkräfte der sozialpädagogischen Familienhilfe minderjährige, unbegleitete Ausländer. Sozialpädagogin Fanara Becker und ihr Team kennen die jungen Leute seit ihrer Ankunft. Inzwischen leben sie in der Kreisstadt in fünf dezentralen Wohngruppen mit zwei bis vier Plätzen. Die jungen Männer kommen unter anderem aus Afghanistan, dem Iran, Syrien oder Eritrea. Sie haben in den vergangenen Jahren das Bildungszentrum Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen, die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach, die Max-Eyth-Schule in Dreieich und die Rudolf-Steiner-Schule in Dietzenbach besucht. Einige schafften den Hauptschulabschluss. Mit Unterstützung der Sozialarbeiter und ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer gelang es, für die jungen Leute, Praktikumsplätze zu finden. Viele mündeten jetzt in einer Ausbildung.

Dankbar für die Chance

„Es war gut, dass wir den Beruf vorher kennengelernt haben. So kann man am besten sehen, ob es passt“, sagt Mujib Ahmadi. Der 19-Jährige aus Afghanistan hat bei Café Ernst in Neu-Isenburg einen Ausbildungsplatz gefunden und will Einzelhandelskaufmann werden. Er ist dankbar für diese Chance. Sein Landsmann Mustafa Rahimi (19) ist glücklich, bei der Firma Sigma Foto Deutschland in Rödermark ins Berufsleben starten zu können. Auch Mohsen Safari hatte mit seinem Praktikum und den Bewerbungsschreiben Erfolg. Der 18-jährige Iraner macht bei dem Frankfurter Unternehmen KPV (Kommunikation, Vertrieb, Planung) eine Ausbildung zum Elektroniker. Die anderen Heranwachsenden werden in den Arbeitsfeldern und Berufssparten Maler und Lackierer, Elektroniker, Kanal- und Rohrbau, Tiefbau, Tankstelle, Bäckerei, Einzelhandel, Logistik, Bau und Kfz-Handwerk ausgebildet. „Ohne junge Menschen mit Migrationshintergrund könnten die freien Ausbildungs- und Arbeitsplätze gar nicht besetzt werden“, so Carsten Müller.

Mohsen Safari besucht wie die anderen Teenager seit seiner Ankunft im Kreis einen Sprachkurs. Seine Deutschkenntnisse verbessern konnte er aber auch beim Zirkus Chicana in Dietzenbach, der Flüchtlinge eingeladen hatte, sich in der Manege auszuprobieren. Aus Sicht von Fanara Becker war das Zirkus-Projekt in vielfacher Hinsicht wichtig. Die jungen Leute hatten Kontakt zu Einheimischen und mussten sich auf Deutsch verständigen.

(red)

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