Atombombenabwürfe in Japan

Sohn eines Zeitzeugen referiert

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In der Reihe ?Die Würde des Menschen beschützen? hatte die evangelisch-reformierte Gemeinde Am Marktplatz Yoshiharu Matsuno eingeladen, um aus buddhistischer Sicht das Thema ?Frieden schaffen ohne Atomwaffen? zu beleuchten.

Bei jenen Wünschen, die sich Menschen zu Beginn eines Jahres gegenseitig aussprechen, steht neben der Gesundheit der Frieden an oberster Stelle. Aber dennoch wird gerade dieser häufig mit Füßen getreten, bis hin zu den schlimmsten Gräueltaten. Mit der Atombombe hat der Mensch eine der abscheulichsten Waffen entwickelt – und auch bereits eingesetzt. Die furchtbaren Bilder der Atombombenabwürfe am 6. August 1945 in Hiroshima und am 9. August auf Nagasaki sind auch heute noch unvergessen.

In der Reihe „Die Würde des Menschen beschützen“ hatte die evangelisch-reformierte Gemeinde Am Marktplatz Yoshiharu Matsuno eingeladen, um aus buddhistischer Sicht das Thema „Frieden schaffen ohne Atomwaffen“ zu beleuchten. Matsuno, dessen Vater als Sanitätssoldat in Hiroshima den Atombombenabwurf überlebt hat, wurde in seiner Jugendzeit wegen der möglichen Nachwirkungen ständig mit dem Thema Leben und Tod konfrontiert. Auf der Suche nach Antworten auf grundlegende Lebensfragen trat er bereits in jungen Jahren der nichiren-buddhistischen Laiengemeinschaft „Soka Gakkai“ bei, deren Deutschlandzentrum sich in Mörfelden-Walldorf befindet.

Yoshiharu Matsuno stellte zunächst den grundsätzlichen Unterschied des buddhistischen Glaubens zu den monotheistischen Glaubensgemeinschaften heraus. „Wir glauben an ein Leben ohne Anfang und Ende, also einen stetigen Kreislauf des Lebens, in dem jedes Individuum seine besondere Stellung hat“, setzte Matsuno einen ersten Kontrapunkt. Den monotheistischen Glaubensrichtungen, also auch der christlichen, bescheinigte er einen „Positionsanspruch“, dessen Verteidigung immer wieder zum Einsatz von Waffen geführt habe. „Wir handeln nach dem Prinzip ,Ich bin Du und Du bist ich’, beschrieb der Referent die Voraussetzung für einen respektvollen Umgang miteinander. Ein weiteres Dogma ist das „Ich bin das Ganze“, was eine Verantwortung für das Ganze – also das Universum – implementiert.

Matsuno verschwieg aber auch nicht, dass es nicht immer einfach ist, einem Menschen, der einen anderen Standpunkt, gar mit Waffen, verteidigt, mit der gebotenen Achtung zu begegnen. „Man darf sich nicht provozieren lassen, denn dies führt zu einer Spirale, die unweigerlich in Gewalt übergeht.“ So verwies er auch darauf, dass Demokratie nur eine Hülle für eine „Gesellschaftsordnung“ sei, die von jedem Einzelnen mit Inhalten gefüllt werden müsse. „Wer seinem Gegenüber Achtung und Würde entgegenbringt, dem kann man nicht mit Gewalt begegnen“, so das Fazit von Matsuno. Und wer ihn einmal selbst erlebt hat, der ist von seiner Auffassung auch voll überzeugt. Gäbe es doch mehr solcher Friedensbotschafter auf Erden. . .

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