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Die vom Nabu errichtete Naturoase in der Hermannstraße dient der Stadt als gutes Beispiel für ihr Vorhaben.

Entwicklung naturnaher Flächen

Die Stadt will Tieren neuen Lebensraum bieten

Aufgerüttelt durch die Hiobsbotschaft, dass der Bestand an Bienen und Vögeln immer weiter zurückgeht, will die Stadt Neu-Isenburg nun aktiv werden. Geplant ist eine ökologische Aufwertung der Grünanlagen.

Seit einiger Zeit schlagen Wissenschaftler Alarm. Untersuchungen belegen einen dramatischen Insektenschwund in den vergangenen Jahrzehnten. Zwar zählt diese Tiergruppe nicht gerade zu den Lieblingen der meisten Menschen, doch wird dabei verkannt, welch große Rolle Insekten im Naturhaushalt spielen.

Honig- und Wildbienen sind die fleißigsten Bestäuber. Bis zu 50 Prozent aller Blütenbesuche werden jedoch von anderen Gruppen wie Käfern, Fliegen oder sogar Ameisen geleistet, um nur einige zu nennen. Gleichzeitig ernähren sich viele Tiere wie Igel, Fledermäuse und vor allem zahlreiche Vogelarten von Insekten. Gerade während der Jungenaufzucht benötigen Vögel eiweiß- und ballastreiche Kost wie sie Insekten und ihre Larven bieten. Wo diese fehlen, geht die Zahl erfolgreicher Bruten zurück. Mauersegler, Nachtigallen und Schwalben darben.

Derzeit streitet man sich noch über die Ursachen des negativen Trends. Die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz spielt sicher eine wichtige Rolle – aber nicht allein. Dazu kommen zunehmende Flächenversiegelung und allgemein der Rückgang naturnaher Räume. Auch der Wunsch vieler Menschen nach Gärten und Grünflächen, die pflegeleicht und ordentlich sein sollen, drängt die Tierwelt weiter in die Defensive.

Dabei könnten all diese städtischen Freiflächen bei entsprechender Gestaltung vielen Arten der heimischen Tier- und Pflanzenwelt Lebensraum zu bieten.

Aufgerüttelt durch die Hiobsbotschaften der vergangenen Zeit will auch Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel dem Rückgang von Bienen und Vögeln in Neu-Isenburg aktiv entgegenwirken.

So sollen die öffentlichen Grünflächen der Stadt Zug um Zug behutsam ökologisch aufgewertet werden. Eine erste Bestandserfassung und Bewertung des Potenzials wurde bereits durchgeführt. Als Inspiration dient die vom Nabu 2017 angelegte Naturoase.

In diesem Herbst werden erstmals bei der herbstlichen Pflanzaktion „botanische“ Blumenzwiebeln gesetzt, die sich bei geeigneten Standortbedingungen von selbst vermehren und schon früh im Jahr Nektar und Pollen bieten.

Die Gewobau Neu-Isenburg ist bereits aktiv geworden, pflegt ihre Grünflächen extensiver, pflanzt heimische Bäume und Sträucher wie Eberesche und Felsenbirne, richtet Mietergärten ein und installiert bei Sanierungsarbeiten in Zusammenarbeit mit dem Nabu Nistmöglichkeiten für Gebäudebrüter wie Rotschwanz und Mauersegler.

Jeder ist in seinem eigenen Einflussbereich gefragt, etwas für Vögel und Insekten zu tun. Das kann mit dem Pflanzen eines Obst- oder Nussbaumes anfangen und der Verwendung von Liguster, Kornelkirsche oder Hainbuche anstelle von Thuja und Kirschlorbeer. Auf kleiner Fläche kann Fassadengrün mit Kletterhortensie und wildem Wein eine Möglichkeit zur Schaffung von mehr Grün sein. Natürlich gibt es darüber hinaus viele weitere Möglichkeiten, die Artenvielfalt im Siedlungsbereich und speziell die Vogelwelt zu fördern.

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