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Der Müll bei der Firma Knettenbrech + Gurdulic bietet keinen schönen Anblick, zudem werden immer wieder Teile auf die Auffahrt zur A 661 geweht.

Müll

Stadtparlament stimmt Vergleich mit Entsorgungsfirma am Ortseingang zu

Ein Vergleich regelt, wie die Entsorgungsfirma Knettenbrech + Gurdulic künftig mit dem Müll umgehen muss. Unter anderem verpflichtet sich das Unternehmen, einen sechs Meter hohen Sicht- und Verwehungsschutz zur Autobahn 661 hin zu errichten, um die Optik zu verbessern.

Es ist alles andere als eine Visitenkarte für die Stadt: Ein jeder, der von der A 661 nach Neu-Isenburg abfährt, sieht als erstes Müll. Müll am Rande der Fahrbahn, hohe Berge Müll hinter dem Zaun. Doch das soll sich nun ändern: Stadt, Regierungspräsidium Darmstadt und die Entsorgungsfirma Knettenbrech + Gurdulic Umweltservice GmbH haben eine Lösung gefunden, mit der alle leben können.

Das Stadtparlament hat am Mittwochabend dem in einem Mediationsverfahren ausgehandelten Vergleich zugestimmt, der den Schlussstrich unter den seit vielen Jahren schwelenden Streit um Optik, Lärm- und Geruchsbelästigung rund um das Areal der Entsorgungsfirma ziehen soll. Und auch die beiden anderen Beteiligten haben den Vergleich laut Bürgermeister Herbert Hunkel inzwischen unterschrieben.

 In dem Papier gebe es „viele Punkte, über die ich sehr froh bin“, kommentiert der Rathauschef, „viele störende Dinge werden damit endlich reduziert beziehungsweise behoben.“ Der Vergleich legt diverse Regeln fest zur künftigen Abfallbehandlung und -lagerung auf dem Grundstück an der Werner-Heisenberg-Straße.

Begrenzte Schuttlagerung

Verbessern soll sich natürlich die Optik: Knettenbrech verpflichtet sich, einen sechs Meter hohen Sicht- und Verwehungsschutz zur A 661 hin zu errichten. Außerdem werden die Lagerhöhen verbindlich auf maximal fünf Meter begrenzt – zwei Maßnahmen, „durch die die Einsehbarkeit reduziert und die Optik der Einfahrt zur Stadt verbessert werden“ soll, wie es in der vom Magistrat vorgelegten Drucksache zum Ergebnis des Mediationsverfahrens heißt.

Auch die Geruchsbelästigung durch Grünabfälle, die auf dem Gelände lagern, sei immer wieder Gegenstand von Bürgerbeschwerden gewesen. „Schon seit Jahren ist das Thema“, so Hunkel im Gespräch mit unserer Zeitung. Besserung verspreche nun die Tatsache, dass die Firma sich verpflichtet, die Grünabfälle „arbeitstäglich“ abzufahren. „Geruchsintensive Grünabfälle werden unverzüglich abgefahren.“

Weitere Regelungen sind unter anderem die Begrenzung der Bauschuttlagerung auf maximal 2000 Tonnen oder die Zusage der Entsorgungsfirma, auf den Einsatz des mobilen Bauschuttbrechers auf dem Betriebsgelände in Isenburg künftig komplett zu verzichten.

Auch um die Verkehrsregelung dreht sich der Vergleich: Die Ein- und Ausfahrt der Laster soll über das Südtor laufen, das Nordtor nur noch untergeordnet ausschließlich für ausfahrenden Verkehr genutzt werden. „Dadurch wird erreicht, dass die Werner-Heisenberg-Straße entlastet wird“, erläutert der Magistrat. Das Unternehmen verpflichtet sich zudem dazu, den Lieferverkehr nicht durch die Stadt zu führen. Dazu werde Knettenbrech seine Kunden regelmäßig informieren und die Fahrer der Lieferfahrzeuge „in geeigneter Weise instruieren“.

Auch in Sachen Sauberhaltung des öffentlichen Straßenraums soll sich die Lage bessern. Knettenbrech + Gurdulic wird laut Vergleich „die gesamte Werner-Heisenberg-Straße mindestens einmal werktäglich mit einer geeigneten Kehrmaschine reinigen“. Außerdem soll das Unternehmen eine für die Bürger während der Betriebszeiten zugängliche Servicehotline einrichten, damit Bürger sich mit ihren Anliegen direkt dorthin wenden können. Und es gibt Regelungen zur Kostenübernahme für Straßenbaumaßnahmen im Bereich der Nordausfahrt, falls Knettenbrech die Überfahrt über das städtische Grundstück benötigt.

Ende eines langen Streits

Im Gegenzug wurde vereinbart, dass die Stadt grünes Licht gibt zu der beantragten Durchsatzerhöhung, sobald das RP Darmstadt den Antrag beziehungsweise die zu dem Antrag eingereichten Unterlagen geprüft und für genehmigungsfähig befunden hat. „Die Voraussetzungen hierfür wurden nach Vorlage eines erweiterten Verkehrsgutachtens und eines erweiterten Schallgutachtens vonseiten der Verwaltung positiv geprüft“, ist in der Drucksache zu lesen.

Fazit: Viele Dinge, die der Stadt lange ein Dorn im Auge waren, sollen sich – so hofft Hunkel – bald verbessern. Und eine lange Streit-Geschichte damit ihr Ende finden. Der nun erfolgreichen Mediation vorausgegangen waren Klagen der Stadt Neu-Isenburg gegen die 10. und 12. Änderungsgenehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) des Regierungspräsidiums Darmstadt zu Gunsten von Knettenbrech + Gurdulic. Diese Genehmigungen hatte das RP entgegen des verweigerten Einvernehmens der Stadt Neu-Isenburg erteilt.

Gegenstand der 10. Änderungsgenehmigung war der Austausch eines stationären gegen einen mobilen Bauschuttbrecher und die gleichzeitige Erhöhung der Eingangs- und Ausgangslagerflächen sowie der Lagerkapazitäten. In der 12. Änderungsgenehmigung ging es um den Bau einer dreiseitig geschlossenen Halle für die Holzzerkleinerung.

hov

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