+
Thomas Flechel (von links), Landwirt Werner Etzel vom Naturkornhof und Christopher George füttern ein Schwein mit Sauerampfer.

Fleisch

Das Start-Up "Rhein-Main Schwein" setzt auf glückliche Schweine

  • schließen

Mit der gemeinsamen Begeisterung fürs Grillen fing alles an. Daraus haben Christopher George (34) und Thomas Flechel (37) aus Neu-Isenburg eine Idee entwickelt, von der nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Tiere profitieren. Und dank eines ganz speziellen Futters könnte ihr „Rhein-Main Schwein“ kaum hessischer sein.

Mit einer cleveren Idee, gepaart mit einem konsequenten Konzept, wollen die Neu-Isenburger Freunde Thomas Flechel und Christopher George jene Käufer ansprechen, denen die Qualität von Schweinefleisch ebenso am Herzen liegt wie das Wohl der gezüchteten Tiere. Sie bieten mit ihrem „Rhein-Main Schwein“ seit April über ihren Online-Versand Fleisch von Tieren an, die auf einem Biohof im Taunus gezüchtet wurden und mit den sieben Kräutern des „hessischen Nationalgerichtes“ Grüne Soße (Borretsch, Pimpinelle, Petersilie, Sauerampfer, Kresse, Kerbel und Schnittlauch) von einer Bio-Gemüse-Gärtnerei aus Oberrad gefüttert wurden.

„Wir sind beide begeisterte Griller“, berichtet Christopher George, der auch in der für die Organisation der „Open Doors“ verantwortlichen Agentur „12 Löwen“ arbeitet, über die Geburtsstunde ihrer gemeinsamen Idee. „Dabei haben wir gemerkt, dass wir hier im Rhein-Main-Gebiet Schwierigkeiten haben, etwas richtig Regionales zu bekommen, bei dem auf Qualität und Tierwohl gleichermaßen geachtet wird.“ Da sei die Idee entstanden, „uns selber eine transparente Wertschöpfungskette zusammenzubauen. Gesagt, getan: Mit dem Wehrheimer Werner Etzel und seinem Naturkornhof (siehe Kasten) sowie der Bio-Gemüse-Gärtnerei Bärengarten aus dem Frankfurter Stadtteil Niederrad gewann das Unternehmer-Duo Partner, die zu ihrem Plan passten.

„Die Schweine fahren total auf die Grie-Soß-Kräuter ab“, berichtet George. „Das liegt daran, dass sie sonst eher kleine Sachen zu fressen bekommen. Wenn wir dann mit grobschlächtigem Boretsch und Sauerampfer ankommen, ist das für die wie kiloweise Leckerli.“ Dies wiederum habe für das Wohlbefinden der Tiere ebenso positive Auswirkungen wie die Tatsache, dass sie keinem Stress auf quälend langen Transporten zum Schlachthof wie die meisten ihrer Artgenossen ausgesetzt seien. Der Metzger ist gerade mal fünf Kilometer vom Biohof entfernt.

Dem Tierwohl förderlich sei ebenso, dass Bauer Etzel besonderen Wert auf deren Wohlbefinden lege. „Das zeigt sich auch darin, dass die Schweine ihren Ringelschwanz behalten dürfen – das ist ganz selten in der Schweinemast“, ergänzt Thomas Flechel. In vielen anderen Mastbetrieben werden die Schwänze kupiert, damit sie sich die in Enge gehaltenen Tiere nicht aus Frust selbst blutig beißen können. „Bei uns“, betont Flechel, „haben sie viel Platz.“ Insgesamt sei die gesamte Wertschöpfungskette denkbar transparent und in einem Umkreis von nur 25 Kilometern rund um Frankfurt gehalten. „Jeder kann sich davon überzeugen, wo und wie die Tiere gehalten werden“, ergänzt George. Das sei klarer und nachvollziehbarer als ein Aufdruck „Aus kontrollierter Herkunft“ auf einer Fleischverpackung.

Nun hoffen die beiden Unternehmer, mit ihrer Idee vom „Rhein-Main Schwein“ viele Kunden begeistern zu können. Gerade sind nach ihrer Auskunft die ersten Kooperationen mit der Gastronomie gestartet. „So durften wir vor zwei Wochen mit einer eigens entwickelten Bio-Bratwurst mit Grüne-Soße-Kräutern auf die Wochenkarte“, erzählt George. Zwei Tage später habe die erste Lieferung von 150 Würsten reißenden Absatz gefunden – und prompt bestellte der Wirt die nächsten 100 nach.

Doch wer nun glaubt, die berühmten sieben Kräuter der Grie Soß an Schweine zu verfüttern, werfe Perlen vor die Säue, den kann Christopher George beruhigen: „Das ist alles oft angewelkte, braune B-Ware, die dadurch entsteht, dass die Gärtnerei Bärengarten nicht spritzt.“ An den Endverbraucher könnten diese Kräuter natürlich nicht verkauft werden und würden normalerweise kompostiert. „Für die Schweine aber sind sie ein absoluter Leckerbissen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare