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Kaputte Straßen

Streit um ramponiertes Pflaster im Nöllgässchen in Neu-Isenburg

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Rund um den „Grünen Baum“ im Alten Ort wird derzeit tüchtig gebaut. Das geht nicht spurlos am Kopfsteinpflaster im Nollgässchen vorüber. Die SPD hat nun vorgeschlagen, den Belag mit finanzieller Unterstützung des Investors umzugestalten. Doch die anderen Fraktionen wollen kein Fördergeld zum Stadtumbau riskieren.

Die Baustelle rund um den „Grünen Baum“ wird von den Isenburgern gerne als „Operation am offenen Herzen“ bezeichnet. Gleich zwei Bauherren sind im Nollgässchen in Richtung Marktplatz beschäftigt. Zum einen Sasa Gnjatovic, dessen Bagger der BGV GmbH, einer Investorengesellschaft aus Eschborn, seit April 2017 rollen: Die alte Gaststätte wird saniert, auf dem ehemaligen Parkplatz Wohnraum geschaffen. Außerdem baut Rafet Solak von der Solution Plus Projektentwickler GmbH aus Dietzenbach ein Stück weiter Eigentumswohnungen. Die Baugrube ist schon ausgehoben.

Das alte, mit Kopfsteinpflaster verbundene Gässchen hat seither sichtlich Schaden genommen. Die Steine ragen nach allen Seiten heraus, die schweren Baufahrzeuge haben Vertiefungen verursacht, in denen sich das Wasser sammelt. Sasa Gnjatovic hat bereits im Oktober angekündigt, dass sein Unternehmen die Schäden beheben wird.

Pilotprojekt starten

Dies hat die SPD zu einem Antrag an das Stadtparlament motiviert, das Nollgässchen gleich grundlegend zu sanieren. Die Genossen regen an, mit Hilfe des Investors ein Pilotprojekt zu starten, das als Vorbild für die gesamte Pflasterung im Alten Ort dienen könnte. SPD-Stadtverordneter Karl-Heinz Groh erklärt, der „Weg vom Alten Ort in die neue Welt“ – so ist das Konzept zum nachhaltigen Stadtumbau betitelt – sei weit und das Zeitalter der Kopfsteinpflaster endgültig vorbei. „Für Rollstuhlfahrer und Radfahrer ist es unangenehm, durch den Alten Ort zu hoppeln. Wir sollten jetzt die Chance nutzen, wenn wir bei der Oberflächenwiederherstellung die finanzielle Unterstützung des Investors haben und einen glatten Belag auswählen“, sagt Groh. Zudem sollten die Bürger in die Entwicklung involviert werden.

Der Antrag bekommt im Stadtparlament keine Mehrheit und wird einstimmig in den Bauausschuss zurück überwiesen. Das liegt allerdings nicht daran, dass die anderen Fraktionen keinen Handlungsbedarf sehen. Ganz im Gegenteil, doch die Koalition bemängelt den frühen Zeitpunkt. „In Ihrer Aufzählung fehlt sogar ein entscheidendes Merkmal: Das in die Jahre gekommene Kopfsteinpflaster ist auch nicht dazu geeignet, auf schönen, hohen Schuhen zu stöckeln“, wirft Grünen-Fraktionssprecherin Maria Sator-Marx ein. Sanierungsbedarf im Alten Ort bestehe, aber man solle das Förderprogramm für den Stadtumbau abwarten, rät Sator-Marx.

Auch Christdemokrat Oliver Gröll argumentiert: „Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, ob wir in das Förderprogramm aufgenommen sind. Außerdem sollten wir bei einer solchen Planung die Bürgerinitiative im Alten Ort mit ins Boot holen.“

Aus einem Guss

Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) mahnt zu besonderer Vorsicht: „Wir sind uns alle einig, dass der Alte Ort zukünftig barrierefrei sein soll. Aber um die Zuschüsse von Land und Bund zu erhalten, müssen die Konzepte aus dem Projekt Stadtumbau kommen. Alles, was wir vorher beschließen, gehört offiziell nicht dazu, und wir bekommen dafür kein Geld.“

Grundsätzlich sei es wünschenswert – darin sind sich alle Stadtverordneten einig –, das Nollgässchen nicht isoliert zu betrachten. Wenn es jetzt die Chance gebe, den Alten Ort neu und barrierefrei zu gestalten, so solle das aus einem Guss geschehen.

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