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Für seine Schätze wie diese Kinoorgel hat der Neu-Isenburger Thomas Richter neue Ausstellungsräume gesucht.

Denkmalgeschütztes Gebäude

Thomas Richter hat große Pläne mit einem umgebauten Lokschuppen

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Die Lastwagen rollen wieder im Alten Gerauer Weg in Bischofsheim. 3000 Tonnen Schutt haben sie bisher weggefahren, berichtet Thomas Richter, Eigentümer des Rundlokschuppens aus Neu-Isenburg. Er hat große Pläne mit dem denkmalgeschützten Gebäude.

Über das Werkstattgelände der Firma Stahlbau Richter im Neu-Isenburger Gewerbegebiet Ost schallt unerwartet die Melodie von „Im Sommer blühen die Rosen“. Ein Klavier ist zu hören, Trommeln und Pfeifen. In der Werkstatt musiziert nicht etwa ein Orchester. Inhaber Thomas Richter steht vor einem drei Meter hohen Buchenschrank mit gelben Vorhängen. „Popper’s Rex“ steht in goldenen Lettern auf dem antik anmutenden Möbelstück, aus dem die Musik dringt. „Das ist ein Orchestrion“, sagt Richter.

Er öffnet das Gehäuse des Notenkastens, darin dreht sich eine Spule. Auf dem Papier der eingespannten Notenrolle geben eingestanzte Löcher dem automatischen Orchester im Innern den Takt an. Die Komplexität dieser Maschine zu verstehen und wiederherzustellen hat sich Thomas Richter mit seinem Atelier der mechanischen Musikinstrumente zur Aufgabe gemacht. Dort warten noch weitere Automaten – hauptsächlich die einfacheren Selbstspielapparaturen für Klaviere. „Diese Instrumente waren von den 1890er bis in die 1920er Jahre beliebt“, weiß Richter.

Pianola oder Phonola

Heute sammeln nur noch Liebhaber und Museen die ungewöhnlichen Apparaturen, die den Übergang von handgemachter zu automatischer Musik markieren. Während ein Gastwirt seine Gäste mit der kleineren Pianola oder Phonola unterhielt, spielte das Orchestrion in den Salons der Hautevolee und den Hallen großer Hotels.

Auch Thomas Richter möchte seine antiken Schätze ins rechte Licht rücken, am besten in größeren Ausstellungsräumen. Einen Ort hat er dafür bereits gefunden – im umgebauten Rundlokschuppen am Alten Groß-Gerauer Weg in Bischofsheim. Das historische Sandsteingebäude zählt kaum weniger Jahre als Richters Instrumente. 2010 hatte der Neu-Isenburger den Schuppen auf dem 1500 Quadratmeter großen Grundstück von der Bahn-Immobilientochter Aurelis gekauft – in desolatem Zustand. „Das Dach war durchgefault“, erinnert sich Richter. Doch die besondere Architektur des Schuppens hatte es ihm angetan. Obwohl das Gebäude denkmalgeschützt ist, darf der Bauherr bis auf die Fassade alles verändern.

„Es war nicht leicht, den Gebäudeplan zu entwerfen, weil der Lokschuppen eine runde Form hat. Und die Fassade besteht aus vielen großen Fenstern“, sagt Richter und zeigt auf die Pläne. Im rechten Gebäudeteil will er mit seiner Frau wohnen, darüber soll eine Ausstellungsfläche für seine Karussell- und Kinoorgeln entstehen. Auch Veranstaltungsräume sind geplant. Es bleiben rund 600 Quadratmeter, die Richter überlegt, als Lagerhalle oder Werkstatt zu vermieten. Seine Stahlbau-Firma soll jedoch weiterhin in Neu-Isenburg bleiben.

Umzug im Sommer

Mit längeren Unterbrechungen im Umbau, soll es nun zügig vorangehen, denn Thomas Richter möchte noch diesen Sommer in sein neues Domizil ziehen. Das Gebäude sei nun komplett entkernt, als nächstes werden die Bodenplatten gegossen und Abwasserleitungen gelegt, beschreibt er die nächsten Schritte. Dann geht es an den Innenausbau.

Ob sich Richter über möglichen Bahnlärm Sorgen macht? Schließlich liegt der Lokschuppen direkt an den Gleisen der Deutschen Bahn. „Ich bin in Neu-Isenburg aufgewachsen, direkt unter der Flugschneise und hinter dem früheren Branntweinmonopol; die Züge machen mir nichts aus“, antwortet er resolut.

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