+
Liesel Dörr an ihrem 100. Geburtstag.

Trauer um Liesel Dörr

Trauer um Liesel Dörr, eines der letzten Neu-Isenburger Originale

Liesel Dörr war über viele Jahrzehnte aus der Isenburger Vereinswelt nicht wegzudenken. Am Dienstag ist sie im Alter von 100 Jahren gestorben.

Liesel Dörr hat zwei Weltkriege erlebt und war in ihrer Heimatstadt Neu-Isenburg auf den unterschiedlichsten Ebenen aktiv – vor allem im Vereinsleben. Am Dienstag ist Dörr im Alter von 100 Jahren gestorben.

Liesel Dörr wurde am 24. Dezember 1917 in Neu-Isenburg als Elisabeth Himmelreich in der Löwengasse im Alten Ort geboren. Eine Woche später nach ihrer Geburt starb ihre Mutter, der Vater war im Krieg. Sie wuchs bei den Großeltern auf. An den Besuch der Volksschule von 1924 bis 1932 schloss sie eine Lehre als Wäschenäherin und Gesellin an (1932-1937). 1937 heiratete sie ihren Mann Walter, mit dem sie drei Söhne bekam – Erhard (1938), Walter (1943) und Heinz (1961)). Im Alter von 18 Jahren starb ihr Sohn Walter.

Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie von 1950 bis 1980 ein Milchgeschäft in der Taunusstraße/Ecke Waldstraße. Am 20. Dezember 1980 starb ihr Mann Walter. Seit ihrer frühesten Jugend engagierte sich Liesel Dörr in den Isenburger Vereinen, darunter die Hilfe für ältere Bürger, der VDK Ortsverband, die freiwillige Feuerwehr, der Sanitätsverein, der Frohsinn, die Watze, die Watzedoniern, im Gesellschaftsclub, bei der Turn- und Sportgemeinschaft, beim Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) sowie im Volksbildungsverein.

Viele Auszeichnungen

Liesel Dörr war 1932 Gründungsmitglied im Frauenchor Liederzweig und von 1964 bis 1991 dessen zweite Vorsitzende. Am 20. September 1997 wurde sie vom Sängerbund Hessen für „65 Jahre aktive Sängerin“ geehrt. Seit 1947 stieg Dörr immer wieder selbst in die Bütt und wurde für ihre humorigen Beiträgen vom Publikum gefeiert. Von 1965 bis 1993 war sie die Präsidentin der Abteilung Karneval innerhalb des Frauenchors Liederzweig und von 1966 bis 1997 Beisitzerin im Arbeitskreis der Karneval treibenden Vereine. Auch im Vorstand der Interessengemeinschaft (IG) Isenburger Vereine war Liesel Dörr seit 1981 Beisitzerin. Für ihre Verdienste um die örtlichen Vereine wurde sie im Dezember 1982 mit der Bürgermedaille und im Dezember 1992 mit der Ehrenplakette der Stadt Neu-Isenburg geehrt. Am 23. Dezember 1997 erhielt sie den Ehrenbrief des Landes Hessen anlässlich ihres 80. Geburtstags, der groß im katholischen Gemeindezentrum St. Josef gefeiert wurde.

Immer mittendrin

Die Frauen vom Liederzweig und der Frohsinn-Sängerbund, die Kümmler und das Isenburger Mundartensemble sangen. Alle mit ihr eng verbundenen Fastnachter, die IG Vereine, Freunde und Verwandte waren mit dabei. So kennen und liebten die Isenburger ihre Liesel Dörr war immer mittendrin und dabei nicht zu übersehen oder zu überhören.

Zu ihrem 100. Geburtstag setzte der GHK ihr ein Denkmal mit dem Bändchen „Liesel Dörr – Gedichte, Lebensweisheiten und Poesie“. Das Buch enthält ihre gesammelten Gedichte, Verse, Lieder und Lebensweisheiten sowie ihre Sprüche, die sie gerne mit viel Temperament und Fröhlichkeit zum Besten gab. Dafür war sie bekannt: Ihre oft in Reimform vorgetragenen Lebensweisheiten und Geschichten über „Iseborsch“, die sie aus dem Stegreif auch noch im hohen Alter vortrug.

Bürgermeister Herbert Hunkel und Erster Stadtrat Stefan Schmitt: „Wir sind sehr traurig. Mit Liesel Dörr ist eines der letzten Isenburger Originale verstorben. Die Zeit, in die sie geboren wurde, war dunkel. Sie musste mehrere Schicksalsschläge ertragen. Und trotzdem hat sie, allen Widrigkeiten zum Trotz, nach vorne geblickt, sich nicht unterkriegen lassen und anderen geholfen und ihnen beigestanden. Zum Teil mit den Lebensweisheiten, die in dem Buch des GHK über sie festgehalten wurden, aber auch mit ihrem Talent, andere zu unterhalten, das ihr in die Wiege gelegt wurde. Sie ist ein Vorbild für Lebensmut und Lebensfreude. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“ (red)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare