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Der 93-jährige ehemalige Vorstandsvorsitzende der Philipp Holzmann AG, Hermann Becker (vorne links), gehört zu den treuen Teilnehmern. Hinten stehend Harald Zapke, davor sitzend der Organisator der Treffen, Rainer Oswalt, daneben von links Rolf Demel, Rolf Heine und Christian Boon.

Treffen der ehemaligen Holzmann-Mitarbeiter ist zu einer festen Einrichtung zwischen den Jahren geworden

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Seit ein paar Jahren gibt es für die ehemaligen Mitarbeiter des großen "abgestürzten" Baukonzerns Holzmann einen dritten Weihnachtsfeiertag. Zwischen den Jahren treffen sich die "Ausländer", wie sich die im Auslandsdienst beschäftigten ehemaligen Mitarbeiter selbst scherzhaft nennen, im "Frankfurter Haus" in Neu-Isenburg.

Der Langener Harald Zapke begann einst als Zimmermann bei der Philipp Holzmann AG und ist immer noch ein treuer „Holzmann“. „Bei mir passt das irgendwie doppelt, bei Holzmann gearbeitet zu haben – als Zimmermann, dessen Arbeitsmaterial ja meist Holz ist“, erklärt er sein Engagement, die Erinnerung an den großen Arbeitgeber aufrechtzuerhalten. Zapke organisiert die „Gedenktreffen“ der ehemaligen Holzmann-Mitarbeiter in Frankfurt, Rainer Oswalt die der einstigen Auslandsbediensteten in Isenburg.

Die Gasträume des „Frankfurter Hauses“ sind weihnachtlich-stimmungsvoll dekoriert, was eigentlich ein Widerspruch zum Anlass des Treffens der „Holzmänner“ ist. „Das passt schon, wir haben genug geheult und die Sache überwunden“, erinnert Zapke an den 21. März 2002, als der Insolvenzantrag der Philipp Holzmann AG beim Amtsgericht Frankfurt einging. „Ich habe damals so viele Männer weinen gesehen“, berichtet Zapke.

Genickschlag im Jahr 2002

Ebenso unvergessen ist das „Schauspiel“, wie die Aktion des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder von den Holzmann-Mitarbeitern bezeichnet wird, als er 1999 auf dem Balkon der Unternehmenszentrale in Frankfurt verkündete: „Wir haben’s geschafft“. Der Genickschlag folgte dann 2002 – und Kanzler Schröder ließ ebenso wie der größte Aktionär, die Deutsche Bank, das Unternehmen fallen wie die berühmte heiße Kartoffel. Seit dieser Zeit gibt es alljährlich ein Gedenktreffen zum „Todestag“ der Holzmann AG in Frankfurt an der ehemaligen Unternehmenszentrale. Die im Ausland tätigen Holzmänner waren eine besonders verschworene Gemeinschaft und treffen sich heute noch zwischen den Jahren im „Frankfurter Haus“.

„Es zeigt sich wieder einmal, wie groß der Zusammenhalt ist“, betont Rainer Oswalt, der die Verbindungen zu den ehemaligen Mitarbeitern der Philipp Holzmann AG aufrecht hält. „Ich war zwar verwundert, dass sich nur 28 angemeldet hatten, aber jetzt sind doch fast 60 gekommen – das ist eine Überraschung“, freut sich der Organisator. Wie jeder andere könnte Oswalt ein Buch über seine Erlebnisse schreiben. Bevor etwas gebaut werden konnte, musste geplant und vor allem die Kosten kalkuliert werden. Dafür war er bei Holzmann auf dem Gehespitzgelände in Neu-Isenburg zuständig. Viele große Bauprojekte in verschiedenen Ländern sind erst durch seine Vorarbeit möglich geworden.

Spannende Erlebnisse

Auch Rolf Heine gehört zu jenen, die viel erzählen können. Er war zuletzt in Peking, um dort als Oberbauleiter von Holzmann den Bau des Lufthansa-Centers ordentlich abzuwickeln. „Aber auch den Bau der großen Socke habe ich überwacht“, zielt Heine auf das von der chinesischen Bevölkerung sogenannte „Strickmuster“ der Außenfassade der deutschen Botschaft ab. Zuvor war der Bauleiter mehrere Jahre im Irak, um dort die Zentralbank zu errichten. „Drei Tage vor der großen Einweihung durch den Wirtschaftsminister des Geldgebers China traf jedoch eine Rakete des Chomeini-Regimes aus dem Iran das Nachbargebäude – und auch unser neuer Bau wurde beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen. Da konnten wir fast noch mal von vorne anfangen“, schildert Heine eines seiner spannendsten Erlebnisse. Für das Treffen der „Holzmann-Ausländer“ ist er eigens mehr als 300 Kilometer angereist.

Christian Boon war in China, um dort den Ertan-Staudamm am Yalong-Fluss zu bauen. „Das waren noch richtige Entwicklungsprojekte in Regionen, die für uns unglaublich interessant waren“, so Boon. Rolf Demel erinnert sich noch an hohe Palmen, die er durch seine Auslandseinsätze erstmals „in natura“ zu sehen bekam.

Mit Hermann Becker war ein ganz besonderer Gast gekommen. Der heute 93-Jährige kam als „Bau-Ingenieur aus Berufung“ bereits 1951 als Bauführer zur Holzmann-Niederlassung in München und war bald für die Großbaustellen des Konzerns im Irak tätig. 1966 übernahm Becker die Leitung der Auslandsabteilung in der Konzernzentrale in Frankfurt, 1973 wurde er stellvertretendes Vorstandsmitglied und ab 1980 dann Vorstandssprecher des traditionsreichen Baukonzerns. „Ja, es war einmal, muss man leider sagen. Aber dafür freut es mich, dass der Zusammenhalt immer noch so beispielhaft ist“, so der ehemalige Manager. Klar, 2019 will er wieder dabei sein. Zapke wird weiter an seinem Holzmann-Archiv arbeiten und plant eine Ausstellung im Dreieich-Museum.

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