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Aufmerksamkeit geweckt: Das Schachbrettmuster hat keine rechtliche Wirkung, es soll aber auf eine besondere Verkehrssituation hinweisen. 

Was bedeutet das?

„Total ohne Nutzen“ - Viele Fragen zu seltsamer Straßenmarkierung in Neu-Isenburg 

Seit einiger Zeit gibt eine seltsame neue Markierung auf der Straße. Die Stadt erläutert, wie diese den Verkehr sicherer machen soll. 

Neu-Isenburg - Ist es ein neumodischer Zebrastreifen? Oder vielleicht doch ein großes öffentliches Freiluft-Schachspiel, auf dem aber angesichts seiner Lage besser keiner Kunststoff-Könige, Damen und Bauern hin- und herschieben sollte? Und - jetzt mal Spaß beiseite - wer hat denn nun Vorrang am Übergang zur neuen Kita Birkengewann? 

Neu-Isenburg: Was bedeutet die Markierung für den Verkehr?

Über die ungewöhnliche Markierung auf der Straße Am Trieb an der Einmündung vom Albert-Einstein-Park wundert sich jedenfalls derzeit mancher Autofahrer, Radler und Fußgänger. Fakt ist: Die Bemalung geht zwar rechtlich nicht als Verkehrszeichen durch, sorgt aber anscheinend - so zumindest heißt es von der Stadt - für mehr Verkehrssicherheit. 

Denn sie signalisiere allen Verkehrsteilnehmern "Achtung, hier ist Vorsicht geboten". Mit einem solchen "Aufmerksamkeitsfeld" habe man im Eschenweg im Rahmen des Schulmobilitätskonzepts der Buchenbuschschule bereits "sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Erster Stadtrat Stefan Schmitt.

Bei den Bürgern jedoch erfährt der neue Übergang gen Neubaugebiet Birkengewann bisher nicht nur Zustimmung. So wird etwa kritisiert, dass er Fußgängern und Radlern fälschlicherweise suggeriere, sie hätten Vorrang. "Total ohne Nutzen", macht eine Frau auf Facebook ihrem Ärger Luft - und fragt: "Was soll das? Jeder Zweite denkt, es sei ein Zebrastreifen, und tritt einfach auf die Straße. Mir ist bereits, ohne zu schauen, fast eine Frau ins Auto gelaufen." Nicht nur sie fragt sich: "Vor jeder Schule, vor fast jedem Kindergarten ist ein Zebrastreifen. Warum nicht Am Trieb?"

Neu-Isenburg: Markierung für den Verkehr - Warum kein Zebrastreifen?

Auch eine Anfrage der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung beschäftigt sich mit dem "Aufmerksamkeitsfeld" Am Trieb. Die Sozialdemokraten wollten wissen, warum das Schachbrett gerade an dieser Stelle aufgemalt wurde - und warum man sich nicht stattdessen für Zebrastreifen oder Fußgängerampel entschieden habe?

In ihrer Antwort, die die Stadtverordneten gestern Abend auf ihren Bänken vorfanden, erläutert die Stadtverwaltung, was es mit dem Schachbrettmuster auf sich hat - und warum dort ein Zebrastreifen nicht die Lösung sein könne. Vorneweg: Das angelegte Schachbrettmuster soll dazu dienen, "die gegenseitige Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer an dieser Stelle zu erhöhen", betont der Erste Stadtrat.

Neu-Isenburg: Schachbrettmuster als Aufmerksamkeitsfeld im Verkehr

Zumal es sich um einen Übergang handelt, den viele Schüler des Goethegymnasiums und der Friedrich-Fröbel-Schule tagtäglich nutzen, um mit dem Rad zur Schule zu gelangen. Und der mit der Entwicklung des Neubaugebiets Birkengewann noch deutlich "an städtebaulicher und verkehrlicher Bedeutung vor allem für Fußgänger und Radfahrer" gewonnen hat. "Ihr müsst da was machen", diesen Satz habe er mehrfach von Bürgern, meistens von Eltern, gehört, erzählt Schmitt.

Oft werde aber vergessen, dass Radler an einem Fußgängerüberweg absteigen und das Fahrrad schieben müssen, da sich die Schutzwirkung nur auf Fußgänger, Rollstuhl- und Krankenstuhlfahrer erstreckt. "Benutzen Radfahrer den Zebrastreifen unzulässig, verstoßen sie gegen die Fahrbahnbenutzungspflicht, weil sie die Fahrbahn nicht in Richtung ihres Verlaufes befahren", erläutert die Stadt. Das aufgebrachte Schachbrettmuster diene indes als Aufmerksamkeitsfeld, um (Kraft-)Fahrzeugführer auf querende Radfahrer und Fußgänger hinzuweisen.

Dadurch, dass man im Bereich der Querung den Gehweg auf der Ostseite bis an den Straßenrand vorgezogen und auf der Fahrbahn zusätzlich ein Schachbrettmuster markiert habe, erhöhe sich "die Sicherheit und Sichtbarkeit für die Schüler, Bewohner und Grünanlagennutzer". Denn auch wenn das Schwarz-Weiß-Muster keine rechtliche Bindung habe, seien Verkehrsteilnehmer durch eine solche Markierung aufmerksamer und vorsichtiger. Anders als beim Zebrastreifen, auf dem Fußgänger Vorrang haben, bietet das Schachbrett also keine verbindliche Regelung. Hinzu komme, dass es für die Einrichtung eines Fußgängerüberweges bestimmter Voraussetzungen - etwa einer gewissen Menge an täglich querenden Fußgängern - bedürfe, die an besagter Stelle nicht gegeben seien.

Erklärungen, die nicht für alle Isenburger einleuchtend sind. Manch einer spricht von einer trügerischen "Scheinsicherheit". Die Stadt verneint die Frage der SPD, ob noch Hinweisschilder angebracht werden. Gegenwärtig werde aber geprüft, ob eine zusätzliche Beleuchtung erforderlich ist.

Holger Vonhoff

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