Wedeltschnik

Im Waldschwimmbad bringt Saunameister Udo Mohr die Gäste ins Schwitzen

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Wenn die Quecksilbersäule über die 60-Grad-Marke klettert und der Sud mit den sorgfältig zusammengestellten Duftaromen zischend auf den Steinen der finnischen Sauna verdampft, kommt Udo Mohr (49) auf Betriebstemperatur. Der Mann liebt und lebt mit jeder Pore seinen Beruf, der harte Arbeit mit psychologischem Feingefühl verbindet. Und dann ist da noch sein Tanz mit den Handtüchern . . .

Nicht wenige der jährlich über 15 000 Besucher im Saunabereich des Neu-Isenburger Waldschwimmbades in der Alicestraße kommen wegen des Meisters persönlich: Udo Mohr sorgt seit viereinhalb Jahren als Virtuose an Handtuch und Kelle dafür, dass – in seinen eigenen Worten – „jeder hier mit einem A-ha-Erlebnis“ herausgeht.

Bei ihm gewinnt die These, dass Erfolg zu einem Prozent auf Inspiration und zu 99 Prozent auf Transpiration beruht, eine ganz eigene Bedeutung. Denn seit er als Jugendlicher im Skiurlaub erstmals die Wonnen einer Sauna genoss, hat Mohr nach eigenem Bekunden „nie aufgehört zu lernen“.

Von Anfang an schaute er den Meistern an den Öfen bei ihren Aufgüssen genau auf die Finger und schlug mit 18 Jahren konsequent den schweißtreibenden Berufsweg ein. Er legte seine Meisterprüfung ab, sorgte fünfeinhalb Jahre im Freizeitbad Atlantis in Obertshausen und acht weitere Jahre im Rödermarker Badehaus für das Wohlbefinden der Gäste.

Schon damals war der Beruf für Mohr auch Berufung: Dreimal nahm er an der Deutschen Meisterschaft im Sauna-Aufguss teil, dreimal holte er sich den begehrten Titel. Und bis heute trainiert er seine Wedeltechnik, bei der durch genau choreografierte Bewegungen mit dem Handtuch der Ausgussdampf optimal in der Schwitzkabine verteilt und die durch den Dampf entstandene sogenannte Isolationsschicht auf der Haut kurz aufgerissen wird: Der beliebte Kühleffekt. Da wird Udo Mohr auch schon mal vor dem heimischen Spiegel zum Torero, der die Wedeltechniken vom „Propeller“ bis zum „Segel“ perfektioniert. „Manchmal muss mich meine Frau da rausholen“ erzählt er schmunzelnd, „sonst vergesse ich alles um mich herum“.

Im Waldschwimmbad war er von Baubeginn des Saunabereiches an dabei – prägte mit seinen Vorstellungen das Gesicht der mit 50 Umkleidekabinen vergleichsweise kleinen, aber feinen Wohlfühl-Oase in der Alicestraße.

Dem Gigantismus der riesigen Wellness-Oasen anderer Bäder setzt er seine eigene Philosophie entgegen: „Unsere Stärke ist das Familiäre“, betont er. Der direkte Draht zu den Gästen („90 Prozent kennen mich persönlich“) mache das Flair aus. Das Schwätzchen zwischendurch gehöre für die Gäste hier ebenso dazu wie der Kaffee oder das Bierchen hinterher. Dreiviertel, so schätzt er, sind Stammgäste, die drei bis vier Mal die Woche kommen. Sie finden hier auf überschaubarem Raum vom Saunagarten über den Gastrobereich mit Küche bis hin zu diversen Schwitzräumen alles vor, was das Herz eines Saunagängers begehrt.

„Wer den Hitzekick sucht“, erklärt Mohr, „holt den sich in der Finnsauna, in der es um die 85 Grad heiß wird.“ Für gemäßigtere Geschmäcker stehe die Relax-Sauna zwischen 60 und 65 Grad bereit, während das Dampfbad vor allem für gesundheitliche oder kosmetische Anwendungen ideal ist: Bei „nur“ 45 Grad, aber einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent helfen Inhalationen bei Atemwegserkrankungen, Peelings pflegen die Haut. Ruhezonen und ein Tauchbecken zum Abkühlen runden das Angebot ab.

Bei all dem hat Mohr, der von sieben Aushilfen unterstützt wird, stets den Zustand der Besucher im Blick. „Du musst als Saunameisetr deine Gäste lesen können“, beschreibt er diese Qualität. Auch um gegebenenfalls mal einen Saunagang abzubrechen. Oder um eine hitzige Diskussion in der Sauna wieder herunterzukühlen. „Wenn ich zum Aufguss durch die Tür komme,“ berichtet er, „wird es meist von ganz alleine ruhig.“

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