Fußballer gegen Rassismus

„Willkommen ist jeder, der Flagge zeigen will“

Lesungen, Diskussionen, Kundgebungen: Auf vielfältige Weise macht die „Isenburger Initiative gegen Rechts“ seit einem Monat und noch bis zur Landtagswahl an jedem Samstag in der Bahnhofstraße mobil. Am Wochenende zeigen sich nun „Fußballer gegen Rassismus“. Mit-Organisator Dieter Kasper hat mit Reporter Michael Forst über die bisherigen Erfahrungen gesprochen.

Was lässt Sie mit Ihrem Anliegen auf die Straße gehen?

DIETER KASPER: Unsere Initiative ist nicht allein auf die Landtagswahlen fixiert. Gegründet haben wir uns bereits Ende vergangenen Jahres wegen des veränderten politischen Klimas. Aus der ursprünglichen Willkommenskultur der großen Politik ist eine Kultur der Ablehnung geworden, die nach Ansicht von Hilfsorganisationen wie Pro Asyl oder Medico International teilweise nicht mehr mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Wie kommen Ihre Aktionen bei den Bürgern an?

KASPER: Je nach Thema sammeln sich oft große Trauben von Menschen bei uns. Die gehen nicht einfach nur vorbei oder nehmen Flyer mit, sondern bleiben stehen und reden mit uns. Natürlich liegt das auch an unserer Stadt, wo kritische Bürger leben, die sich engagieren, kirchlich, in der Flüchtlingshilfe oder im Weltladen. Der Wochenmarkt ist ein sozialer Treffpunkt.

Wie gehen Sie mit Widerspruch und Kritik um?

KASPER: Wir suchen die Diskussion mit allen. Beim Auftakt „Lesen gegen Rechts“ gab es eine recht aggressive Dame von der AfD, die hinter unseren Stand kam, um sich den Pfarrer Matthias Loesch zu greifen. Wir haben sie aufgefordert, sich wie die anderen vor dem Stand anzustellen, wenn sie diskutieren möchte. Das hat sie dann auch getan.

Sie wollen sich aber nicht auf eine bestimmte Partei einschießen?

KASPER: Nein, darüber haben wir auch diskutiert und sagen klar: Wir wollen uns nicht an der AfD abarbeiten, sondern auf den alltäglichen Rassismus aufmerksam machen. Der in jedem von uns steckt.

Am kommenden Samstag organisieren Sie die Aktion „Fußballer gegen Rassismus“. Wie verbreitet ist Fremdenfeindlichkeit auf unseren Fußballplätzen?

KASPER: Ich habe 40 Jahre lang in der Isenburger Schobbemannschaft „Buko Bar“ gespielt – und dabei immer positive Erfahrungen gemacht. Wobei das Thema Ausländer, als wir uns Anfang der 70er Jahre gründeten, noch gar keins war. Seit fünf Jahren bin ich zwar aus dem aktiven Spielbetrieb raus, trainiere aber immer noch bei verschiedenen Vereinen mit – etwa bei der dritten Mannschaft der SpVgg 03 Neu-Isenburg. Da spielen zur Hälfte viele Männer mit, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen: Bosnier, Serben, Kroaten. Und ich habe zwischen denen nie Streit erlebt, der auf ethnische Konflikte zurückgeht.

Welche Vereine erwarten Sie?

Ich habe da keinen Verein gezielt angesprochen und lasse mich überraschen. Wer das Bedürfnis hat, Flagge zu zeigen, ist herzlich eingeladen. Ob da 5 oder 50 sein werden, weiß ich nicht. Aber ich habe gehört, dass die Frauenmannschaft der TSG interessiert ist. Und auch die Kickers Offenbach haben sich angekündigt. Was ich toll finde, immerhin berufen wir uns am Samstag ja auf Eintracht-Präsident Peter Fischer und seine Erklärung, dass kein AfD-Wähler Mitglied bei der Eintracht sein kann. Die Fischer-Rede wird am Samstag im Hintergrund laufen.

Wie politisch darf Fußball denn sein?

Man kann die Politik nicht heraushalten. Das zeigt schon die Diskussion um Mesut Özil. In einem der Vereine, in denen ich trainiere, sind auch viele Türken, die leidenschaftlich, untereinander und mit uns Nicht-Türken, darüber streiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare