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Julia Dawson sang die Cavatine des Pagen ?Nobles seigneurs salut!? aus Meyerbeers ?Les Hugenots?.

Kanadierin setzt sich im Wettbewerb durch

Zarte Statur, kräftige Stimme

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Einstimmig wählte die Jury am Sonntag eine 24-jährige Mezzosopranistin: Sie kürten Julia Dawson zur Gewinnerin des Anny-Schlemm-Preises.

Es ist entschieden: Julia Dawson gewinnt den mit 6000 Euro dotierten, von der Stadt Neu-Isenburg ausgelobten Anny-Schlemm-Preis. Sie konnte sich gegen Maria Pantiukhova (Mezzosopran) und Jessica Strong (Sopran) durchsetzen. Die drei Sängerinnen hatten sich bei einer Vorauswahl im November für das Finalkonzert qualifiziert – damals bei einer Soiree im Holzfoyer der Oper Frankfurt. Nun mussten sie am Sonntagabend in der Hugenottenhalle Neu-Isenburg vorsingen. Musikalisch begleitet wurden sie vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Sebastian Zierer. Das „Zusammenspiel“ der Sängerinnen mit dem Orchester war eine mitentscheidende Bewertungsgrundlage.

Es war ein beachtliches Konzertereignis, das ein größeres Publikumsinteresse verdient hätte. Julia Dawson – in schlicht-elegantem Kleid – eröffnete den konzertanten Reigen mit der Arie des Sesto aus dem ersten Akt von „La clemenza di Tito“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Das „Parto, ma tu ben mio“ trug sie etwas verhalten vor. Maria Pantiukhova, gekleidet in bodenlanger Robe mit großen floralen Motiven, hatte sich für die Arie der Olga „Ja nye sposobna k grusti tomnoy“ aus „Eugen Onegin“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski entschieden. Sie wirkte stimmlich sicherer aber weniger lebendig. Jessica Strong sang sich mit der Arie der Thaïs „Dis-moi que je suis belle“, aus der Oper „Thaïs“ von Jules Messenet in die Herzen vieler Konzertbesucher.

Nach dem eindrucksvoll präsentierten Zwischenspiel des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters mit Gioacchinos Rossinis Ouvertüre zu La Cenerentola, hatten die drei Sängerinnen eine weitere Chance, die Jury von sich zu überzeugen. Wieder eröffnete Dawson den Reigen, diesmal mit der Cavatine des Pagen aus dem ersten Akt „Les Hugenots“ von Giacomo Meyerbeer. Bei ihrer Präsentation der Arie „Nobles seigneurs salut!“ kokettierte sie gelöst mit dem Publikum.

Pantiukhova beeindruckte in der Arie der Dalia „Amour! Viens aider ma faiblesse“ aus „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns, mit ihrem vollen Stimmspektrum. Jessica Strong bot mit der Arie der Elena „Merce, dilette amiche“ aus Giuseppe Verdis „I vespri siciliani“ erneut eine professionelle Vorstellung.

Nun lag es an der Jury, die beste Kandidatin auszuwählen. Das Publikum war geteilter Meinung, schwankte zwischen Pantiukhova und Strong. Dawson war ihnen zu „amerikanisch“, zu operettenhaft. „Mich hat die Stimmenklaviatur von Maria Pantiukhova beeindruckt, ihre Arie hat nichts fröhliches zu bieten“, meinte der musikalisch nicht unbedarfte Pfarrer Matthias Loesch. Andere sahen einen Vorteil in der vollvolumigen Stimme von Strong. Wiederum anders die Meinung im Orchester: „Julia war voll konzentriert und ist auf uns eingegangen“, so ein Geiger aus der zweiten Reihe.

Die Jury des Anny Schlemm-Preises verständigte sich schließlich – und zwar recht einmütig – auf die jüngste Teilnehmerin im Finale des zweiten Anny-Schlemm-Preises. Besonders in der Cavatine des Pagen aus Meyerbeers „Les Hugenots“ wusste die 24-Jährige zu überzeugen. Größtes Potential bei gleichermaßen hoher Musikalität und darstellerischer Überzeugungskraft verhalfen der Kanadierin zu der Auszeichnung, die alle fünf Jahre verliehen wird und mit einem Engagement an der Oper Frankfurt verbunden ist.

Julia Dawson gehört dem Opernstudio der Oper Frankfurt seit 2015/16 an. Sie debütierte kürzlich bei Liederabenden im Kennedy Center Washington und der Merkin Concert Hall New York. Zuvor war sie auch an der Opera Philadelphia, beim Aspen Music Festival und an der Academy of Vocal Arts zu erleben.

Auch die anderen beiden Finalistinnen, Maria Pantiukhova und Jessica Strong erhalten einen Zeitvertrag an der Oper Frankfurt.

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