Säuberung

Zwölf Stadtkümmerer sind täglich dem Unrat und Abfall auf der Spur

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Ihre Waffen sind Abfallzangen, ihre Tugenden Beobachtungsgabe und Beharrlichkeit, ihr Bestreben saubere, müllfreie Straßen, Plätze und Grünflächen in der Hugenottenstadt. Derlei Engagement der ehrenamtlichen Kontrollgänger müssten ihre Mitbürger eigentlich mit Respekt und Dankbarkeit goutieren. Das tun sie jedoch nicht immer.

Mit wachsamen Augen haben sie die Sauberkeit der Hugenottenstadt im Blick: Seit 2008 sind auf Straßen, Wegen und Plätzen ehrenamtliche Stadtkümmerer unterwegs – die Stadt mit Bürgermeister Herbert Hunkel und der Dienstleistungsbetrieb (DLB) um Vorstand Petra Klink und dem Technischen Leiter Harald Schäfer würdigten nun ihr Engagement.

Insgesamt gibt es zwölf freiwillige Helferinnen und Helfer, darunter auch einen für den Stadtteil Gravenbruch und zwei in Zeppelinheim. Bei ihren Kontrollgängen melden sie alles, was in ihrem Revier nicht mehr in Ordnung ist – von illegalen Müllablagerungen, liegengebliebenen Hundehaufen und zerstörten Papierkörben, über defekte Verkehrsschilder bis hin zu umgefahrenen Pollern. „Bei einer Stadt mit einer Fläche von rund 24,29 Quadratkilometern und um die 39 000 Einwohnern keine leichte Aufgabe“, würdigte Hunkel die Freiwilligen. Hunkel nennt ihr Wirken stolz „eine Neu-Isenburger Erfolgsgeschichte“, die es anderswo in dieser Form nicht gebe,

2017 nahm der DLB nach eigenen Angaben 318 Meldungen der Stadtkümmerer entgegen, im ersten Halbjahr 2018 sind es bereits 188 (siehe Infokasten). Im vergangenen Jahr war mit 103 Meldungen der Bereich Abfallwirtschaft am häufigsten gefragt, dabei ging es etwa um illegale Sperrmüllablagerungen, Bauschutt, überfüllte Papierkörbe oder auch im Stadtgebiet abgestellte Einkaufswagen. In diesem Jahr betreffen bisher die meisten Meldungen (75) den Bereich Straßenbau. Hier weisen die Stadtkümmerer beispielsweise auf um- oder angefahrene Poller, Stolperfallen auf Gehwegen oder beschädigte Dog-Stationen hin.

Einer der ersten Stadtkümmerer Lothar Holm, der das Projekt gemeinsam mit dem damaligen Ersten Stadtrat Herbert Hunkel ins Leben rief, ist noch heute begeistert dabei: „Alle möchten in einer sauberen und intakten Umwelt leben. Nur leider verhalten sich nicht alle dementsprechend,“ berichtet er. „Ich aber möchte diesen Traum nicht aufgeben und engagiere mich deshalb dafür.“

Viele Jahre dabei war auch Gerhard H. Gräber, der sich gerne an Filmaufnahmen des Hessischen Rundfunks zum Thema Stadtkümmerer erinnert: „Das war anstrengend, zwei Stunden Aufnahmen für 15 Minuten Sendung, hat aber Spaß gemacht.“ Wie Ralph Schwerzel, Stadtkümmerer im Westend, sowie Marion Pehns und Andreas Büsing, Stadtkümmerer in Zeppelinheim, lobt auch er die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg AöR.

Sein Lob für den DLB direkt an „den Mann bringen“, konnte Kurt Miethke, der kurz nach seinem Urlaub gegenüber seiner Wohnung drei abgestellte, durchwühlte Kartons bemerkte. Er meldete das dem DLB, der umgehend einen Mitarbeiter zur Entsorgung schickte. Gemeinsam staunte man auch über weggeschmissene Bestecke, Geschirr und ausgelaufene Marmeladengläser.

Eine besondere Begebenheit schildert Stadtkümmerer Dieter Wonneberger: In der Zeppelinstraße / Ecke Rheinstraße stehe ein schöner Baum, eingerahmt von einer Ligusterhecke. Die Hecke habe einen schmalen Zugang zum Baum für das Wässern und Düngen, berichtet er. „Dort fand ich etwa 150 verschlossene Hundekot-Tüten mit Inhalt. Zwar konnte das verantwortungslose Herrchen nicht gefunden werden. Immerhin aber nahm sich der DLB schnell des Problems an und beseitigte das Ärgernis.

Ein anderes Erlebnis ist Stadtkümmerer Dr. Heinrich Paul in guter Erinnerung: Er beobachtete, wie auf einem Spielplatz in seiner Nachbarschaft im Lärchenweg nach und nach die Spielgeräte verschwanden, „wohl, weil sie zu unsicher waren.“ Auf seinen Hinweis habe sich Herbert Hunkel persönlich eingeschaltet – „und die Stadt stellte bald eine neue Schaukel auf. Später kam eine Rutschbahn dazu.“ Wachsam in Parks und auf Spielplätzen sind auch die Stadtkümmerer Angelika und Knut Schilling, die häufig einfach mit einem Foto unbefriedigende Zustände dokumentieren.

Von meist positiver Resonanz ihrer Mitbürger auf ihre Arbeit berichten die Ehrenamtlichen. Auch, wenn sich bei einigen eine Anspruchshaltung zeige: „Manche erwarten regelrecht, dass wir überall präsent sein müssen“, berichtet Marion Pehns und vermutet: „Einige denken wohl auch, dass wir dafür bezahlt werden.“ Belohnt werden die Stadtkümmerer immerhin durch Glücksmoment, die Marion Pehns so beschreibt: „Wenn ich etwas finde, freue ich mich wie bei einer Schnitzeljagd.“

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