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Stetiges Ärgernis: Zugeparkter Fahrradstreifen in der Frankfurter Straße.

Offenbach

Ärger über Raser und Parkrowdies in der Frankfurter Straße

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Diskussion mit dem Offenbacher Verkehrsdezernenten: Paul-Gerhard Weiß hat zwar Verständnis für Anwohnerklagen über Missstände, aber vorerst ändert sich nichts.

Und täglich grüßt das Murmeltier. Heißt es, wenn sich ein Ereignis ständig wiederholt. Na gut, im Fall der Bürgerinitiative Frankfurter Straße grüßt es nicht täglich. Aber bei der Diskussionsveranstaltung am Montagabend mit Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) und Ordnungsamtsleiter Peter Weigand entstand schon der Eindruck, dass die Protagonisten in einer Zeitschleife feststecken.

Konkret: dass sich an den Missständen in jenem Teil der Frankfurter Straße, die sich westlich an die Fußgängerzone anschließt, seit Jahren nichts ändert. Und das, obwohl die Initiative aus Anwohnern und Geschäftsleuten schon 2015 dem damaligen Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) ihr Leid über rücksichtslose Raser und Poser sowie Falschparker auf Radstreifen geklagt und Tempo 30, regelmäßige Kontrollen, das Aufstellen von Blitzgeräten und eine Parktbewirtschaftung gefordert hatte.

BI-Sprecher Harry Neß erinnerte im überfüllten Raum einer Pizzeria an der Luisenstraße daran, der Initiative sei damals zugesagt worden, die Stadt werde etwas unternehmen. „Doch es passiert nichts.“ Die Situation habe sich eher noch verschlimmert. Von einer Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer könne keine Rede sein. Es fehle der Respekt hauptsächlich der Autofahrer, die selbst rote Ampeln kaum noch beachten würden. Nachts brächten aggressive Autoposer mit lauten Auspuffen die Menschen in dem Viertel um den Schlaf.

„Wir erwarten heute ein paar Hinweise, wie die Stadt für mehr Sicherheit und Verkehrsberuhigung sorgen will“, sagte Neß an Weiß gewandt. Diese Erwartung wurde enttäuscht. Der Verkehrsdezernent äußerte zwar Verständnis für die Forderungen der Anwohner. Doch seine Ausführungen drehten sich vor allem darum, warum es wegen nicht besetzter Stellen, fehlendem Geld und der Gesetze schwierig bis unmöglich ist, „wildwuchernde Verhaltensweisen in den Griff und mehr Ordnung in den Straßenraum zu bekommen“.

Weiß betonte, als Innenstadtbewohner kenne er die Probleme mit aufheulenden Motoren und Autorennen auf der Waldstraße. „Da hilft aber kein Tempo-30-Schild, da helfen nur Kontrollen.“ Ob diese auch nach 22 Uhr noch möglich seien, wollte er von Weigand wissen. Der verneinte. Mit zehn Beschäftigten sei eine Ausweitung der Überwachungszeiten nicht möglich.

Nach seinen Angaben sind die Ordnungshüter aber regelmäßig in der Innenstadt unterwegs. Im November seien an 14 Tagen rund um die Frankfurter Straße 774 „Parkknöllchen“ im Wert von 15 000 Euro verteilt worden. Im gesamten Stadtgebiet würden jährlich rund 1000 Rotlichtverstöße registriert. „Das verkehrstreue Verhalten nimmt schon ein bisschen ab“, meinte er.

Vor vier Jahren hatte OB Schneider die Einführung von Tempo 30 im Abschnitt zwischen Kaiser- und Ludwigstraße noch für unproblematisch gehalten. „Das können wir auf die Straße malen“, hatte er damals gemeint. Da die Frankfurter Straße aber zum Hauptverkehrswegenetz gehört, ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung dort nur vor sensiblen Einrichtungen möglich. Ein Besucher wies Weiß darauf hin, dass sich an der Frankfurter Straße eine Kita befindet. Nun soll Tempo 30 geprüft werden.

Viel Unmut äußerten die Besucher über Autos auf den Radwegen. Nach Angaben des Dezernenten handelt es sich um einen Schutzstreifen, den Autos sogar befahren dürften. Für einen Radweg habe der Straßenquerschnitt nicht ausgereicht, sagte er. Früher hieß es, man habe sich für den Fahrradstreifen entschieden, um den Lieferwagen das Parken in zweiter Reihe zu erlauben.

Weiß versprach, die Installation eines Blitzgeräts, von Tempo 30, weiteren Zebrastreifen und einer Rotlichtüberwachung als Themen in die nächste Sitzung der Verkehrskommission im April 2020 einzubringen. BI-Sprecher Neß machte deutlich, dass die Initiative am Thema dranbleiben und zur nächsten Bürgerversammlung im Mai einladen wird.

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