+
In ein paar Tagen verabschiedet sich Erika Gems in den Ruhestand, die Leitung des Pflegedienstes übernimmt dann ihre bisherige Assistentin Karolina Spezzano. Ganz geht Gems dem Haus Dietrichsroth aber nicht verloren.

Betreuung

Erika Gems hat in der Pflege Erfüllung gefunden

  • schließen

Erika Gems hat im Johanniter-Haus Dietrichsroth eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Wenn sie am 15. Dezember nach 24 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wird, blickt sie auf aufregende, bewegende und viele sehr erfüllte Momente in dem Pflegeheim in Dreieichenhain zurück.

„Ich kann es mir hier gar nicht ohne Frau Gems vorstellen“, sagt Bewohnerin Helene Tyler und nimmt die Pflegedienstleiterin spontan in den Arm, als sie kurz im Büro reinschaut. Es hat sich herumgesprochen, dass Erika Gems bald Abschied nimmt. Als die heute 63-Jährige 1994 im Haus Dietrichsroth als Krankenpflegehelferin ihren Dienst antrat, hat sie schnell gewusst: „Das ist mein Ding. Hier bleibe ich bis zur Rente. Ich kam mir wertvoll vor, ich wurde gebraucht und wertgeschätzt“, sagt Gems.

Das war so nicht abzusehen. Als junge Frau hatte Erika Gems im Frankfurter Markus-Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenpflegerin gemacht. Nach zwei Jahren war ihr der Umgang mit sterbenden Menschen zu viel. Sie wechselte in die freie Wirtschaft und organisierte bei einem Unternehmen in Langen 18 Jahre das Büro.

Manchmal auch streng

Doch die Firma, die Fototapeten, Poster und Bilderrahmen herstellte, zog ins Ausland. Gems, damals 39 und alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter, musste sich etwas überlegen, um Geld zu verdienen. Sie besann sich auf ihre Ausbildung und bewarb sich in mehreren Heimen. Im Haus Dietrichsroth, damals noch unter Leitung der Bürgerhilfe Dreieich, fand sie ihre berufliche Erfüllung.

Die sympathische und manchmal, wie sie selbst sagt, „auch strenge“ Pflegedienstleiterin bildete sich zur Altenpflegerin weiter, wurde Wohnbereichsleiterin und setzte die Ausbildung zur Pflegedienstleitung oben drauf. Seit 2002 ist sie Chefin von 80 Pflegekräften in den vier Wohnbereichen. Mit dem Wechsel der Trägerschaft durch die Insolvenz der Bürgerhilfe hin zu den Johannitern 2004 sowie Umbau und Sanierung bei laufendem Betrieb hat Erika Gems aufregende Zeiten mitgemacht. „Das waren riesige Herausforderungen und gerade der Umbau war heftig.“

Eigener Tarif

In den 24 Jahren war ihr immer am wichtigsten, dass die Bewohner würdevoll alt werden können, die Angehörigen einbezogen werden und Bewohner wie Kollegen auf einen respektvollen Umgang zählen können. Die Anforderungen in der Pflege sind deutlich gestiegen. „Als ich anfing, hatten wir vielleicht ein bis drei Schwerstpflegefälle bei den 29 Bewohnern pro Station. Inzwischen ist die Quote fast umgedreht“, schildert Gems. Besonders der hohe Anteil demenziell erkrankter Bewohner sei eine psychische Belastung für die Mitarbeiter. „Körperlich ist der Beruf durch die vielen technischen Hilfsmittel, die es heute gibt, durchaus leichter geworden. Aber wir haben vermehrt Bewohner mit herausforderndem Verhalten. Sie haben Angst, verfolgen die Mitarbeiter auf Schritt und Tritt, schreien oder laufen weg. Das ist schon anstrengend.“ Aber die Johanniter bieten den Mitarbeitern viel Unterstützung, Anreize zur Weiterbildung und Teilzeitangebote. „Wir haben einen eigenen Tarif, der wirklich gut ist, wie ich finde“, sagt Gems.

Sie habe den Schritt in diesen Beruf niemals bereut. „Es gab so viele Momente, in denen ich so viel zurückbekommen habe.“ Von den Bewohnern, aber auch von Angehörigen, die sich ernst genommen und einbezogen fühlten. Sie erinnert sich an einen Fall, wo eine alte Frau im Sterben lag. „Ich habe es allen ihren elf Kindern ermöglicht, Abschied zu nehmen, Zeit mit der Mutter zu verbringen. Das sind Momente, die mir immer in Erinnerung bleiben.“ Heute nimmt das Erstellen von Dienstplänen, die Organisation des laufenden Betriebs und die Qualitätssicherung die meiste Zeit in Anspruch. Aber bei den Schichtwechseln ist sie dabei und in den Wohnbereichen ist sie auch regelmäßig unterwegs.

Bald ist Schluss, fast jedenfalls. „Im Moment tut es mir noch nicht ganz so weh, denn ich habe mich entschieden, dem Haus Dietrichsroth als geringfügig Beschäftigte noch ein bisschen verbunden zu bleiben“, sagt sie augenzwinkernd. Ansonsten will Gems mehr Zeit mit dem Enkel verbringen und ihre Fotografie-Künste verbessern.

Die Leitung des Pflegedienstes übernimmt Karolina Spezzano, ihre bisherige Assistentin. „Die Fußstapfen von Erika Gems sind riesig. Ich habe Respekt vor der Herausforderung“, bekennt die 34-Jährige. Einrichtungsleiterin Gabriele Roettger sagt: „Wir lassen Frau Gems nicht gerne gehen, aber sie hat sich den Ruhestand verdient.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare