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Die Gestaltung der Freiflächen erörterte Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt (Dresden) mit Besuchern. Die grünen Balken auf dem Plan kennzeichnen die Frischluftschneisen.

Bürgerinformation

Wohngebiet Rodgau-West: „Wir bauen nicht alles zu“

Vom Lärmschutz bis zur Hundewiese: Einen bunten Strauß an Ideen fürs geplante Wohngebiet Rodgau-West äußerten die rund 80 Besucher einer Bürgerinformation am Mittwochabend.

Rodgau – Städteplanerin Katharina Rauh (Darmstadt) und ihre Kollegen für Landschaft und Verkehr stellten sich der Diskussion und nahmen viele Anregungen mit. Das Resümee des städtischen Fachdienstleiters Peter Kämmerling: „Die Aufgabe ist mit dem heutigen Abend nicht einfacher geworden, sondern noch etwas komplexer. Wir nehmen die Herausforderung an. “.

Für das größte Baugebiet in der Geschichte der Stadt Rodgau (46 Hektar) betreibt die Stadt einen hohen Aufwand. Nachdem die erste Phase des städtebaulichen Rahmenplans abgeschlossen ist, befassen sich die Planer jetzt in einer zweiten Phase mit Einzelheiten. „Wir zoomen näher heran“, erklärt Katharina Rauh. Dabei geht es etwa um mögliche Standorte für Straßenbäume oder den Wenderadius der Müllabfuhr.

Zwei weit verbreitete Vorurteile entkräftete Rauh von Anfang an. Erstens: „Natürlich haben wir die umgebende Verkehrssituation mit bedacht.“ Zweitens: „Wir bauen nicht alles zu, sondern wir halten Frischluftschneisen frei und nutzen sie als attraktive Freiräume.“ Drei grüne Bänder, jeweils mehr als 35 Meter breit, ziehen sich quer durch das Gebiet. Sie sollen bewirken, dass sich die Stadt im Sommer nachts abkühlen kann. Kaltluft, die sich im Wald und in der Feldgemarkung bildet, wird dadurch bis zur Ortsmitte geleitet.

Rodgau-West: Stadt Rodgau hat drei große Ziele mit Wohngebiet

Drei große Ziele verbindet die Stadt mit dem Wohngebiet westlich von Jügesheim und Hainhausen. „Wir müssen den Spannungsbogen bewältigen zwischen Wohnraumbedarf, Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

Der Regionalverband schreibt eine dichte Bebauung mit 45 bis 60 Wohnungen pro Hektar vor. Weitere Bedingungen hat das Stadtparlament festgelegt, unter anderem 30 Prozent bezahlbare Wohnungen, aber keine hohen Gebäude (drei Stockwerke plus Dachgeschoss).

Einfamilienhäuser waren ein großes Thema in der Gesprächsrunde mit Städteplanerin Katharina Rauh. Dabei zeigte sich: Der Traum vom Eigenheim widerspricht einerseits der vorgegebenen Bebauungsdichte und andererseits dem altersgerechten Wohnen – wer nicht mehr gut zu Fuß ist, hat es im Reihenhäuschen schwer.

Intensive Diskussionen erlebte auch Katalin Saary vom Verkehrsplanungsbüro „Mobilitätslösungen“. Ihr Fazit: „Die Menschen haben unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse. Für alle diese Bedürfnisse wollen wir gute Rahmenbedingungen schaffen.“ Einzelfragen drehten sich um abschließbare Stellplätze für Lastenfahrräder, genügend Ladestationen für Elektroautos und die Frage, wie sich verhindern lässt, dass andere Wohngebiete durch Schleichverkehr belastet werden.

Rodgau-West: Rege Mitarbeiter an Wohngebiet 

Bürgermeister Hoffmann würdigte die engagierte Mitarbeit der Besucher: „Das ist nicht üblich. Es hat unsere Erwartungen weit übertroffen.“ In den Gesprächen seien zwar Befürchtungen geäußert worden, aber auch viele konstruktive Ansätze. „Bleiben Sie dabei“, rief er die Bürger auf. Es sei auch für die Entscheidungsträger im Rathaus wichtig, zu spüren, dass ihre Arbeit von der Bevölkerung getragen wird. Bei so reger Mitarbeit brauche man keine Angst vor Veränderungen haben: „Veränderung ist nur dann von Angst getragen, wenn man das Gefühl hat, nicht beteiligt zu werden.“

Eindeutig äußerte sich der Bürgermeister zu der Frage, wie viel Geld die Stadt in das Baugebiet investieren werde: „Die Stadt, also die 46 000 Menschen, die hier leben, werden keinen Cent dafür ausgeben. Dieses Gebiet wird nur entwickelt werden, wenn die Menschen, die dort Grundstücke haben, diesen Weg mitgehen.“

 VON EKKEHARD WOLF

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