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Symbolbild

Schlimmer Fund im Wald

Reh von Hunden zu Tode gehetzt?

Schlimmer Fund für den Jagdpächter Erich Erdmann aus Götzenhain: Er hat ein gerissenes Reh im Wald entdeckt und glaubt, Hunde haben das Tier zu Tode gehetzt. Es wäre schon der zweite Fall dieses Jahr, bei dem nicht angeleinte Hunde Wild in diesem Gebiet attackieren.

Erich Erdmann ist gerade mit dem Traktor unterwegs, als gegen 15.30 Uhr sein Handy klingelt. Der Jagdpächter ist für ein Gebiet von rund 430 Hektar Wald und Flur zuständig, das am Götzenhainer Ortsrand beginnt. Der Anrufer berichtet ihm am vergangenen Mittwoch, dass seine Hunde im Wald ein Reh gefunden haben, das krank aussehe. Erdmann macht sich sofort mit dem Traktor auf in den Wald. Rund 100 hundert Meter vor dem Fundort trifft der 72-jährige Landwirt auf den Anrufer, der mit drei Hunden unterwegs ist. Die sind – für den Jagdpächter ein gewohnter Anblick – unangeleint.

Auf die fehlende Leine angesprochen, erwidert der Hundehalter, er brauche keine für seine Tiere. „Ich habe ihm dann gesagt, dass er seine Hunde hier nicht einfach frei laufenlassen darf“, betont Erdmann. Die Entgegnung des Mannes: „Aber wir haben doch keine Leinenpflicht.“ Diese Aussage ärgert den Jagdpächter, selbst Besitzer dreier Hunde: „Es macht einen großen Unterschied, ob ich meinen Hund im Wald einfach herumlaufen lasse. Das Wild wird panisch.“

Bissverletzung im Nacken

So ist es wohl auch mit dem Rehbock geschehen, den er daraufhin im Wald findet, glaubt Erdmann. „Das Tier hatte Schaum vorm Mund und hat immer wieder den Kopf angehoben“, erzählt er. Das bestätigt der hinzugerufene Feldschütz Edward Matzath. „Man konnte zudem eine Bissverletzung im Nacken erkennen und geronnenes Blut hinter dem Geweih“, sagt der städtische Mitarbeiter.

Für Jagdpächter Erdmann ist der Fall klar: Das Reh wurde von Hunden totgehetzt. Er läuft sofort zurück, um den Hundehalter zur Rede zu stellen. „Ich mache ihn für das tote Reh verantwortlich.“ Der Mann habe dann zunächst behauptet, zwei seiner Hunde hätten das Wild im Gebüsch gefunden. Erst nach einem Gespräch – zu dem auch die Polizei Langen hinzugezogen wurde – zeigte er sich „einsichtig“, wie Erdmann betont. Er habe seine Hunde nicht immer im Blick gehabt.

Instinktiver Reflex von Hunden

In dem aktuellen Fall hält es auch der Dreieicher Feldschütz Matzath für unwahrscheinlich, dass die Hunde das Reh „gefunden“ haben. „Dieser Bock war 18 Kilo schwer und top in Schuss – der stirbt nicht einfach so“, sagt Matzath. Anzeichen von Krankheiten habe das Tier nach seinen Angaben nicht gezeigt. Er fertigt einen Bericht an, der an den Magistrat geht – denn alle Fälle werden dokumentiert.

Für den Jagdpächter hängen die Fälle von totem Wild durch Hunde vor allem damit zusammen, dass die Halter ihre Vierbeiner nicht anleinen. „Alles, was flüchtet, reizt einen Hund“, betont Erdmann. Das sei ein instinktiver Reflex der Tiere. 

Das Argument, es gebe doch keine Leinenpflicht im und am Wald hört Erdmann oft, wenn er Gassigänger anspricht. Die Diskussion um die Anleinpflicht kocht in Dreieich in regelmäßigen Abständen wieder hoch: Zuletzt war das im Frühjahr durch einen Antrag der Grünen, bezogen auf die sogenannte Brut- und Setzzeit, der Fall. Nach einer knappen Mehrheit im Umweltausschuss lehnten die Stadtverordneten den Vorstoß im Mai ab. Zuvor hatten Gegner der Anleinpflicht heftig dagegen protestiert, unter anderem mit dem Argument, es gebe nur wenige Fälle, in denen Hunde Wild reißen

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