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Die Dreieicher Erzieherinnen haben klar gemacht, wie die Stadt zusätzliches Personal für ihre Kitas rekrutieren kann.

Dreieich

Selbstkreierte Vorteile für Erzieherinnen in Dreieich

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Nach dem Motto „Frag doch mal den Experten“ haben die Erzieherinnen in Dreieich Verbesserungsvorschläge gemacht, die in einen Maßnahmenkatalog einfließen.

Immer mehr Kinder, aber zu wenig Personal in den Kitas – mit diesem Problem kämpfen nahezu alle Kommunen im Rhein-Main-Gebiet. Die Stadt Dreieich hat im Vorjahr eine umfangreiche Rekrutierungskampagne initiiert – und ist in diesem Jahr noch einen Schritt weitergegangen: Sie hat die örtlichen Erzieherinnen befragt, wo denn der Schuh drückt, welche Verbesserungen sie sich wünschen und wie die Stadt eine attraktive Arbeitgeberin werden kann. Die formulierten Vorschläge flossen in einen Maßnahmenkatalog, den sich die Stadt im kommenden Jahr rund 265 000 Euro kosten lassen will.

Die Stadt schafft immer mehr Betreuungsplätze, kann sie aber nicht besetzen, weil die Fachkräfte fehlen. In einer Teilpersonalversammlung und einer Mitarbeiterbefragung durften die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas deshalb ihre Wünsche und Vorstellungen äußern sowie Verbesserungsvorschläge machen. „Wir haben dann geschaut, was schnell und kurzfristig umsetzbar ist“, sagt Anne Stein, Ressortleiterin Kinderbetreuung. Für 2020 sind folgende Modifikationen geplant:

Supervisionen Statt derzeit fünf gibt es künftig acht Sitzungen jährlich. Dafür werden zusätzlich 12 500 Euro bereitgestellt.

Fortbildungen Die Pauschale wird von 360 Euro auf 480 Euro pro Gruppe aufgestockt. Kosten: rund 22 000 Euro.

Jobticket Der Magistrat hat ein Angebot des RMV eingeholt. Damit die Beschäftigten beim Jobticket keinen steuerlichen Nachteil haben, will die Stadt auch die Pauschalversteuerung übernehmen und klärt das momentan mit dem Finanzamt. An Mehraufwendungen sind dafür rund 75 000 Euro eingeplant.

Betreuung in Zahlen

In den 18 Kitas der Stadt Dreieich sind rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. Sie betreuen die Kinder in 72 Gruppen.

Aktuell sind mehr als 50 Erzieherstellen nicht besetzt. Noch vor fünf Jahren blieben nur sechs Stellen unbesetzt.

Im gesamten Kreis Offenbach fehlen laut Statistik bis 2020 mindestens 465,5 Fachkräfte. 

Sozialassistenten-Ausbildung Das Entgelt für Sozialassistenten im zweiten Ausbildungsjahr ist seit D-Mark-Zeiten nicht mehr angehoben worden. Es soll nun von 230 auf 400 Euro monatlich steigen. Kosten: rund 8000 Euro.

Erzieherausbildung In der Teilzeitausbildung zur Erzieherin vergütet die Stadt aktuell nur die zwei wöchentlichen Praxistage in einer Kita. Künftig sollen auch die drei Theorietage, an denen die Auszubildenden die Schule besuchen, bezahlt werden. Kosten für acht ins Auge gefasste Auszubildende: rund 98 000 Euro.

Lautstärke Noch dieses Jahr soll ein akustisches Gutachten zur Lärmbelastung in den Kitas beauftragt werden. 2020 stehen dann 50 000 Euro für erste Verbesserungen zur Verfügung.

Digitalisierung Viele pädagogische Programme und Projekte sind im Internet hinterlegt und dort auch zu bearbeiten. Die elektronische Arbeitszeiterfassung steht nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ebenfalls im Raum. In den Kitas sind aktuell aber nur je ein oder zwei Computer vorhanden. In den Haushalt 2020 sollen deshalb 8500 Euro für den Kauf von 72 Laptops eingestellt werden. Dann können die pädagogischen Fachkräfte ihre dienstlichen E-Mails auch vor Ort empfangen – so wie alle anderen Bediensteten der Stadtverwaltung.

Weitere Verbesserungen In den Folgejahren soll es zusätzliche Zeiten für die Anleitung von Azubis geben, Bildungsnachmittage für die Teams sind ebenfalls geplant. Kinder von Mitarbeiterinnen, die nicht in Dreieich wohnen, sollen Betreuungsplätze erhalten. Auch ein Prüfauftrag für Anwerbeprämien wurde erteilt – andere Städte zahlen solche finanziellen Anreize bereits. Hilfe bei der Wohnungssuche ist im Gespräch, genauso wie der Ausbau von Personal- und Pausenräumen sowie ein Sanierungskonzept für die Kitas.

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