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Nach dem Rückzug des Landes Hessen will die Stadt Seligenstadt Anreize schaffen (Symbolfoto) 

Nachfrage steigt 

Nach Hessen-Rückzug: Seligenstadt diskutiert Kita-Förderung

Nach dem Rückzug des Landes Hessen aus der Finanzierung der Kindertagespflege will Seligenstadt Anreize schaffen, um das Angebot zu sichern. 

Seligenstadt - Die Nachfrage steige stetig, heißt es in einem Antrag des Magistrats, der zurzeit im Fachausschuss diskutiert wird. Die Kritik im Gremium richtet sich vor allem gegen die von der Stadt vorgeschlagene Form der Förderung. So falle die kommunale Förderung geringer aus, stellen die Stadtverordneten Detlev Debertshäuser und Andina Biemüller (Grüne) sowie Oliver Steidl (CDU) im Sozialausschuss fest.

Qualifizieren können sich künftige Tagesmütter über Kurse, die der Kreis Offenbach anbietet. Um eine Pflegeerlaubnis zu bekommen, müssen Anwärterinnen 160 Unterrichtseinheiten Theorie (DJI-Curriculum) und 300 Einheiten Praxis nachweisen. Pro Betreuungsstunde und Kind gibt es fünf Euro vom Kreis. Die Stadt bezuschusst dies mit einem freiwilligen monatlichen Betrag zur Alterssicherung von 100 Euro (ab 15 Stunden wöchentlich) oder 200 Euro (ab 20 Stunden wöchentlich).

Seligenstadt: So sollen Kitas gefördert werden

Die vom Magistrat ergänzend vorgeschlagene Förderung sieht für 2019 so aus: Betriebskostenzuschuss von 100 Euro; drei Müllbeutel für die Entsorgung von Windeln; ein Buch- beziehungsweise Spielgutschein über 25 Euro. Ab 2020 soll der Betriebskostenzuschuss auf 200 Euro verdoppelt werden, die beiden anderen Leistungen bleiben unverändert.

Der finanzielle Aufwand in diesem Jahr beträgt für derzeit 50 Kinder 5450 Euro, für 2020 steigt der Zuschuss auf 10 450 Euro. Während die Mittel fürs laufende Jahr gedeckt sind, müsste für 2020 mehr Geld im Etat zur Verfügung gestellt werden.

Im Antrag wird auch darauf hingewiesen, dass die Förderung in anderen Kreiskommunen von zwei Euro pro Kind und Betreuungsstunde (bei 30 Stunden je Woche sind das 258 Euro im Monat) über einen Euro pro Kind und Betreuungsstunde samt Sachleistungen (Verleihung von vier- bis sechssitzigen Kinderbussen) bis zur kostenlosen Bereitstellung von Räumen für Veranstaltungen reicht. 

Seligenstadt: Kitas haben Platzmangel

Angesichts des großen Betreuungsbedarfs beziehungsweise des Platzmangels in den Einrichtungen gibt es in den Kommunen Überlegungen zur weiteren freiwilligen Förderung, zumal diese Aufwendungen sehr viel geringer als die Kosten für die Tagesbetreuung in den Einrichtungen seien, heißt es im Antrag.

Da auch im Fachausschuss Fragen offen blieben, schlug Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) vor, Siglinde Schwab vom Tagesmütter-Netzwerk einzuladen. Für den Rathauschef ist bei den freiwilligen Zuschüssen das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Ich bin offen, wir müssen aber auch schauen, was zulässig ist“, betont er und unterstreicht, „dass wir auf das Angebot angewiesen sind“.

Ausgaben von 10 450 Euro ab 2020 sind angesichts eines jährlichen Etats von 47 Millionen verschwindend gering: „Die Frage ist, was wir ausschütten wollen“, so Bastian. Die Tagesmütter spielten bei der U3-Betreuung eine große Rolle. Sie böten flexible Betreuungszeiten, auch bis 18 oder 19 Uhr, dürften aber nicht mehr als fünf Kinder aufnehmen.

Tagesmütter könnten einspringen

Bastian sieht Tagesmütter als Lückenbüßerinnen, wenn Eltern ihre Kinder dort unterbringen, bis ein Kitaplatz frei wird, und sie dann wieder abmelden. Klar sei, dass die meisten Tagesmütter ihren Job nebenher betrieben; vom Verdienst leben könnten sie nicht. Die Zuständigkeit liege beim Kreis Offenbach, die Einkünfte seien über eine vom Kreistag verabschiedete Gebührensatzung geregelt.

Aus Bastians Sicht wäre es praktikabler, wenn der Kreis Offenbach den Tagesmüttersektor an die Kommunen überträgt und dafür als Träger der Schulen die Grundschulbetreuung übernimmt.

Von Oliver Signus

Während es in Seligenstadt ganz gut läuft, sieht die Lage in Egelsbach anders aus. Dort droht der Kita- Notstand*. 

In Offenbach werden dafür Kitas für 6,3 Millionen Euro neugebaut*. 

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