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Thomas Cook-Pleite: Paar aus Dreieich soll jetzt für Hotel doppelt zahlen

Urlaubsstimmung kaputt

Thomas Cook-Pleite: Dreieicher Paar soll plötzlich für Hotel doppelt zahlen

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Eigentlich sollte es eine Woche Entspannung im sonnigen Süden Spaniens werden, doch an Erholung und Ruhe ist derzeit nicht zu denken.

Jerez/Dreieich – Thorsten (42) und Angela (38) aus Dreieich hatten eine Woche Urlaub in einem Vier-Sterne-Hotel an der andalusischen Küste in Spanien gebucht, doch bereits am Tage ihrer Ankunft machte die Nachricht von der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook die Urlaubsstimmung vorerst kaputt.

Thomas Cook-Pleite - Pauschalreise beim Anbieter Neckermann gekauft

Das Dreieicher Paar hatte die Pauschalreise beim Anbieter Neckermann gekauft, von dem es zunächst hieß, er sei nicht von der Insolvenz betroffen. Darauf konnten sich die Reisenden allerdings nicht verlassen, denn bereits einen Tag nach Bekanntwerden der Insolvenz kam der nächste Schock für die Urlauber: In einem Schreiben forderte das Hotel am Montag plötzlich Geld für den bereits bezahlten Urlaub von den Reisenden. Wegen der Insolvenz sei man verpflichtet, „alle Aufenthalte ab diesem Datum direkt in Rechnung zu stellen“, schrieb das Hotel. „Der zu bezahlende Betrag kann jedoch durch eine abgeschlossene Reiseversicherung erstattet werden“, hieß es weiter. Im Fall von Angela und Thorsten betrug der geforderte Betrag 970 Euro, die das Paar bisher allerdings nicht zahlte.

„Es ist ja nicht einmal klar, ob und inwieweit Neckermann von der Insolvenz betroffen ist, somit steht auch nicht fest, ob eine zusätzliche Zahlung von einer Versicherung gedeckt ist“, beschreibt der 42-jährige Dreieicher die Verunsicherung der Urlauber.

Auch Deutsche Thomas Cook stellt Insolvenzantrag

Bernd Engelien, Pressesprecher der in diesem Fall zuständigen Zurich Versicherung, betonte am Dienstag (24.09.2019), dass nur Thomas Cook in Großbritannien Insolvenz angemeldet hat und Unternehmen in Deutschland bislang nicht betroffen seien. „Derzeit ist der Versicherungsfall noch gar nicht eingetreten, und so lange das nicht der Fall ist, gilt der Sicherungsschein für die jeweiligen Pauschalreisen auch nicht“, klärt er auf. „Das Problem ist, dass wir juristisch noch gar nicht einspringen können.“ Mittlerweile hat nach der britischen Muttergesellschaft nun auch die deutsche Thomas Cook Insolvenz angemeldet.

Alleine in ihrem Hotel seien etwa 200 Menschen davon betroffen, berichtet Thorsten. Bei einer Zusammenkunft in der Hotellobby, bei der es auch recht hitzig geworden sein soll, weigerte sich der Großteil der Betroffenen wegen der rechtlich ungewissen Situation, den geforderten Betrag zu zahlen. Die Hoteldirektorin drohte daraufhin, dass man auch von dem Hausrecht Gebrauch machen könne oder im Zweifelsfall das Hotel schließen müsse.

110 Millionen Euro stehen für den Versicherungsfall zur Verfügung

So weit ist es bislang nicht gekommen, Thorsten hat mittlerweile Kontakt mit dem Büro des deutschen Honorarkonsuls in der spanischen Stadt Jerez aufgenommen. Dort wurde ihm zugesichert, dass man nach einer Lösung suchen werde. Nun ist ein Treffen zwischen der Hoteldirektorin, Urlaubervertretern, dem Manager der Hotelkette und dem deutschen Konsul geplant.

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„Es bleibt spannend“, kommentiert Thorsten die derzeitige Situation. Bislang muss sich das Dreieicher Paar zumindest keine Sorgen machen, dass sie am kommenden Sonntag, ihrem Rückflugdatum, in Spanien festsitzen: „Uns wurde versichert, dass unsere Flüge nicht betroffen sind.“

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Bernd Engelien bestätigt Berichte, wonach insgesamt 110 Millionen Euro für den Versicherungsfall zur Verfügung stehen. „Sollte die Schadenssumme diesen Wert übersteigen, verringern sich anteilsmäßig die Ansprüche der einzelnen Betroffenen“, klärt er auf. „Wir sind gerade dabei, Wege zu finden, das Ganze kundenfreundlich zu gestalten“, sagt er und verweist auf die Homepage, die ständig aktualisiert werde, sobald es neue Informationen gebe.

Niels Britsch

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