Interessengemeinschaft Pro Bus 661

Zweites Sammeltaxi löst Probleme nicht

Es ist ruhig geworden um den Protest gegen den Wegfall der Buslinie 661, der ein ganzes Viertel in Dreieichenhain abgehängt hat. Doch die Interessengemeinschaft hält die Anrufsammeltaxis für keinen adäquaten Ersatz – und hat nun einen weiteren Vorstoß gemacht.

Es ist fast ein Jahr her, dass der Wegfall der Buslinie 661 für Wirbel sorgte: Im Zuge des Fahrplanwechsels im Dezember wurde die Linie zwischen Langen und Offenbach zugunsten des Schnellbusses X83 gestrichen. Der fährt aber über Neu-Isenburg und Sprendlingen und nicht mehr über Gravenbruch und Dreieichenhain. Vor allem im letztgenannten Stadtteil regte sich Widerstand: Denn wer die Haltestellen Heckenweg, Säuruh und Alter Friedhof genutzt hat, muss seither auf Sammeltaxis ausweichen.

In diesem Zuge hatte sich die von Petra Schoch-Schmitt ins Leben gerufene IG Dreieichenhain Pro Bus 661 gebildet, die schon einen ersten Erfolg erstritten hat: Die Verkehrsbetriebe Dreieich richteten in Abstimmung mit Stadt und Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) zum März eine weitere Anrufsammeltaxi-Linie ein. Das AST OF-69 ist zwischen Dreieichplatz und der Haltestelle An der Trift unterwegs und ermöglicht an der ehemaligen B 3 ein Umsteigen in Busse nach Langen, Sprendlingen und Neu-Isenburg. Das zweite AST-66 fährt von Götzenhain bis zum Weibelfeld.

Doch die Anrufsammeltaxis stellen Schoch-Schmitt und ihre Mitstreiter nicht zufrieden. Die IG kritisiert, dass diese nur eine Notlösung seien und für Behinderte, Senioren mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen beschwerlich. „Darauf, dass wir uns abgehängt fühlen, wurde gar nicht eingegangen“, kritisiert Schoch-Schmitt.

Der Hauptwunsch der Initiative sei ein adäquater Anschluss Richtung Langen – und den böten die AST-Linien nicht. „Das ist unser Hauptproblem.“ Die schlechte Taktung zum Umsteigen in Stadtbusse sorge zudem für lange Fahrten – der Schnellbus X83 und die Linie 663 fahren aktuell nahezu zeitgleich ab. Die oft überfüllte und verspätete Dreieichbahn trage ihr Übriges bei.

Die Interessengemeinschaft fordert deshalb, dass wieder ein geeigneter Bus durch Dreieichenhain nach Langen und Neu-Isenburg fährt – auch in Hinblick auf den nächsten Nahverkehrsplan im Kreis. „Mich sprechen immer noch viele Leute darauf an“, berichtet Schoch-Schmitt und kritisiert abermals: „Die Zuständigkeiten werden hin- und hergeschoben, eigentlich fühlt sich keiner verantwortlich.“

Die IG hat ihr Anliegen nun noch mal an KVG, Stadt, Verkehrsbetriebe Dreieich, Fraktionen und Lokalpolitiker geschickt. Sowohl KVG als auch Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) betonen, es müsse möglich sein, Fahrgäste mit Kinderwagen und Rollatoren im AST zu befördern – und verweisen hier an die Verkehrbetriebe Dreieich, die für den Stadtbusverkehr zuständig sind. Bessere Umsteigezeiten solle das neue Linienkonzept 2021 bringen. In punkto Dreieichbahn führt der RMV die neuen Züge ab 2019 an, mit denen sich die „Kapazitätserfüllung entspannt“.

Steffen Arta, Geschäftsführer der Stadtwerke Dreieich, bei denen die Verkehrsbetriebe angesiedelt sind, gibt zu: „Die direkte Verbindung nach Langen können die Anrufsammeltaxis nicht ersetzen.“ Bei den beiden AST-Linien 66 und 69 sei die Auslastung sehr gering. „Sie werden nur für vereinzelte Fahrten genutzt, obwohl es sogar die Möglichkeit gibt, Dauerbestellungen für Pendler aufzugeben“, sagt Arta.

Er glaubt, das System Anrufsammeltaxi sei vielen Fahrgästen noch suspekt. Eine gute Nutzung dokumentiere die Stadt beim AST 64 von Offenthal nach Buchschlag. „Ich würde mir wünschen, dass wir da mit den Nutzerzahlen der Linien 66 und 69 rankommen – auch, um gegenüber der KVG besser argumentieren zu können“, so Arta.

Schoch-Schmitt und ihre Mitstreiter wollen derweil nicht aufgeben: „Wir machen weiter und haben die Hoffnung, dass es doch noch irgendwo ein Türchen gibt.“

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