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Ihre Leidenschaft für Krimis hat Sylvia Schopf erst spät entdeckt.

Frau Schopf mag es blutig

Krimi-Fans tauchen im neuen Roman in die Frankfurter Kunstszene ein

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Ein brutaler Mord in der Frankfurter Kunstszene, Attacken auf Galerien und Kunstwerke und mittendrin die Ermittler Kristina Berenson und Marek Findeisen. Der neue Krimi von Sylvia Schopf spielt zwar zu großen Teilen im Süden der Mainmetropole, die Lösung allerdings findet sich in Eschersheim.

Hoch oben in den Bergen Indiens, in 2000 Metern Höhe mit einem „wunderschönen Blick“ nahm Sylvia Schopf noch einmal das Manuskript für ihren neuesten Krimi in die Hand. „Es war die letzte Durchsicht, bevor ich es an den Verlag geschickt habe“, sagt die Autorin.

Insgesamt eineinhalb Jahre – von der ersten Idee bis zum fertigen Druck – arbeitete die Frankfurterin an ihrem jüngsten Werk. „Blutiges Graffiti“, so der Titel des Krimis, in dem Hauptkommissarin Kristina Berenson und ihr junger Kollege Marek Findeisen dieses Mal tief in die Kunstszene eintauchen. Dabei wird es brutal, auch wenn es „nur“ eine Leiche gibt, wie Schopf verrät. Aber mit der wird nicht gerade zimperlich umgegangen. „Es muss jemand mit Hass diesen Mord begangen haben“, sagt Sylvia Schopf nur.

Was für so manch einen zu blutrünstig klingt, das mag die Autorin. „Ich schaue gerne mal in den Abgrund, hinter die Fassade der Menschen.“ Ihre Leidenschaft für Krimis entdeckte Schopf erst im Erwachsenenalter, als Jugendliche zeigte sie dafür keinerlei Interesse. Allerdings nur gedruckt – die gebürtige Bad Homburgerin besitzt nämlich gar keinen Fernseher, vor fünf Jahren hat sie ihn aussortiert. „Ich glaube, das kann ich ganz offen sagen: Die Fernsehkrimis, die ich gesehen habe, haben mich schlichtweg gelangweilt.“

Viel mehr ist ihre Leidenschaft das geschriebene Wort, neben dem Theater und dem Radio, ihrem zweiten und dritten beruflichen Standbein. Geboren 1956 in Bad Homburg studierte Sylvia Schopf Kunst, Theologie und Erziehungswissenschaften. Nach ihrer Schauspielausbildung stand sie mehr als zwanzig Jahre im Freien Theater auf der Bühne, 1986 gründete sie eine eigene mobile Theatergruppe.

Eine weitere Leidenschaft von Sylvia Schopf ist das Reisen. Sie hat ein Faible für Afrika und entwickelt gerade ihre Liebe zu Indien. „Ich muss draußen sein in der Natur. Den ganzen Tag am Schreibtisch hocken und auf den Bildschirm des Computers zu starren wäre nichts für mich“, sagt sie und wirft einen Blick aus ihrem Wohnzimmerfenster. Dort wiegt sich eine große Birke im Wind. „Die liebe ich“, sagt die Eschersheimerin, die zuvor in Heddernheim und Sachsenhausen lebte.

Sie kennt also die Orte, wo die Kommissare ihres neuesten Werkes ermitteln, nur allzu gut. Zu viel verraten will sie nicht über den Fall, diesen Fehler hat sie einmal gemacht. „Dann macht das Lesen keinen Spaß mehr“, sagt Schopf, die ihre Leser lieber mitnehmen möchte auf dem Weg zur Lösung. Und die wird es nicht im Frankfurter Süden geben, sondern in Eschersheim. „Naja, sagen wir lieber, dort ist ein entscheidender Ort.“

Sylvia Schopf ist übrigens keine, die eine Geschichte sofort im Kopf hat. Nein, sie entwickelt sich. Dabei spielt jedoch die Dramaturgie eine wichtige Rolle. „Das kommt wahrscheinlich vom Theater. Die Dinge müssen schlüssig sein, es muss einen Handlungsstrang geben“, sagt sie und spricht von Initialpunkten und Situationen, bei der ihr die Ideen kommen.

Wie kürzlich auf einer maurischen Burg in Malaga. Sie sieht dunkle Ecken und Räume, Plätze, an denen es leer und still ist, obwohl sie öffentlich sind. „Da kommt mir eben die Idee, dass dort etwas passieren könnte, was nicht gesehen werden soll. Wie ein Mord.“ Und dann wächst die Geschichte, ebenso wie die Charaktere. „Auch ich lerne meine Kommissare immer besser, immer näher kennen. Es ist alles ein fließender Prozess“, sagt Schopf. Bei ihren Lesungen macht sie Lust auf mehr. Mit Tönen und Geräuschen sorgt sie für Spannung, ohne zu viel zu verraten. Zehn Passagen hat sie aus „Blutiges Graffiti“ für ihre Lesungen herausgepickt. „Appetithäppchen garniert mit Akustik“ nennt sie diese besondere Art der Lesung.

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