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Während in Großstädten wie München oder Hamburg die Immobilienpreise seit 2010 bis zu 90 Prozent gestiegen sind, haben viele Häuser und Wohnungen auf dem Land an Wert verloren.

Wohnen will gelernt sein

Landkreis bietet für Zugewanderte einen besonderen Führerschein an

Zur Miete wohnen will gelernt sein – zumindest in Deutschland. Wer zugewandert ist, weiß vielleicht nicht, wie teuer Strom und Gas sind, wo er die Gelben Säcke bekommt, um seinen Müll zu trennen, und das es üblich ist, eine Kaution zu bezahlen. Der Landkreis Limburg-Weilburg will mit einem besonderen Integrationskurs Abhilfe schaffen.

Wer einen Führerschein macht, will in der Regel fahren – ein Motorrad, ein Auto, einen Bus, einen Lkw, ein Boot. Im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es jetzt auch einen „Wohnungsführerschein“ für Menschen, die zugewandert sind – auf freiwilliger Basis. Nach einem zweistündigen Kurs gibt es ein Zertifikat.

„Wir wollen Flüchtlingen nicht unterstellen, dass sie nicht wissen, wie man wohnt, aber es gibt kulturelle Unterschiede“, sagt Meliha Delalic, die das Projekt beim Landkreis betreut. „Zum Beispiel sind Kautionszahlungen nicht in jedem Land üblich, auch Abschlagszahlungen für Strom und Gas sind nicht jedem geläufig. Was ist die Kaltmiete, was die Warmmiete? Auch diese Fragen sollen in dem Kurs erläutert werden. Die Teilnehmer sollen lernen, wie der Wohnungsalltag in Deutschland organisiert ist.“ Außerdem sei es das Ziel, ein Bewusstsein bei den Migranten dafür zu schaffen, dass Energie in Deutschland teuer sei.

Im Sommer habe es bereits einen Testlauf für den „Wohnungsführerschein“ mit rund zehn Teilnehmern gegeben, der nach Delalic’ Angaben erfolgreich verlaufen ist. Es seien bereits weitere Termine festgelegt worden, für die sich interessierte Migranten bewerben können. So werde es am Dienstag, 18. September, 18 Uhr, einen „Wohnungsführerschein“-Kurs im Gemeindezentrum in Villmar-Aumenau geben und am Dienstag, 25. September, 16 Uhr, im „Café International“, Eichbornstraße 13, in Bad Camberg.

Wie der Landkreis mitteilt, soll der „Wohnungsführerschein“ helfen, auch ohne ausreichende Kenntnisse des deutschen Alltags und der Sprache, den Auszug aus einer Gemeinschaftsunterkunft und den Einzug in eine Wohnung leichter zu meistern und dauerhaft eigenverantwortlich in der eigenen Wohnung zu leben. Die Schulung für den „Wohnungsführerschein“ werde in deutscher, leicht verständlicher Sprache abgehalten, sei bildhaft gestaltet, dauere 120 Minuten und erläutere praxisnah die häufigsten Fragen um folgende Themen:

  Pflichten des Mieters / Hausordnung;

  Miete und Nebenkosten;

  Heizen, Lüften, Schimmelvermeidung, Brandschutz;

  Energiesparen / Wassersparen / ressourcensparendes Verhalten;

  Mülltrennung;

  Haftpflichtversicherung.

Das nach der Teilnahme ausgehändigte Zertifikat kann nach Angaben des Landkreises bei der Wohnungssuche hilfreich sein, denn es könne den Vermietern vorgelegt werden und belegen, dass der zugewanderte Bürger bereits mit den Rechten und Pflichten eines Mieters vertraut gemacht wurde. Das Schulungsangebot ist kostenfrei und kann auch direkt vor Ort erfolgen, beispielsweise in den Gemeinschaftsunterkünften oder in den Helferkreisen. Falls erforderlich, stehen Dolmetscher zur sprachlichen Unterstützung bereit.

Weitere Informationen und Terminbuchungen gibt es bei Meliha Delalic, E-Mail: m.delalic@limburg-weilburg.de, oder telefonisch unter Telefon:  (0 64 31) 296 321. dick

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