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Carlo-Mierendorff-Schule.

Unterricht erst ab 2021

Das lange Warten auf die Oberstufe an der Mierendorff-Schule

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Die ersten sechs Klassen sollten eigentlich schon seit zwei Wochen im Gebäude der neuen Oberstufe an der Carlo-Mierendorff-Schule Unterricht haben. Doch es kam anders: Ein unterlegener Bieter klagte gegen die Ausschreibung und der Sieger trat vom Vertrag zurück. Jetzt beginnt also alles vorn.

Die Eltern der Acht- und Neuntklässler sind entsetzt. Das berichtet Klaus Kersting, der Vorsitzender des Elternbeirats der Carlo-Mierendorff-Schule ist. Und er kann die Empörung verstehen. „Viele haben ihre Kinder hier angemeldet, weil man ihnen bei der Anmeldung für die fünfte Klasse einst gesagt hat, ihre Kinder könnten dann hier auch die gymnasiale Oberstufe besuchen.“ Das ist ein großer Vorteil, müssen sich die Schüler dann doch nicht dem Auswahlverfahren anderer Oberstufen-Gymnasien stellen, können ihre Schullaufbahn in vertrauter Umgebung bis zum Abitur fortsetzen. Doch daraus wird nun nichts: Der Bau des Oberstufengymnasiums, für den bereits vor drei Jahren ein Grundstück zwischen Wegscheide- und Goldpeppingstraße gerodet wurde, verzögert sich erneut. Nun heißt es: Frühestens im Sommer 2021 kann der Schulbetrieb beginnen.

Denn die Stadt muss den Bau des Gebäudes erneut europaweit ausschreiben. Zwar wies das Verwaltungsgericht Frankfurt jetzt die Klage eines unterlegenen Bieters gegen das Ergebnis der ersten Ausschreibung zurück. Doch der Sieger des Vergabeverfahrens will nun nicht mehr bauen. Wichtig sei die Oberstufe auch, um das Profil der Carlo-Mierendorffschule aufzuwerten. Deren Wegfall bedeute, dass das Dezernat den neuen Schulentwicklungsplan überdenken müsse. „Das Projekt muss zügig neu ausgeschrieben werden. Wir brauchen die Oberstufe dringend“, sagt Jetta Lüdecke, Büroleiterin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber.

Das sei bereits geschehen, alles sei im Gang: Die Ausschreibung sei bereits abgeschlossen, die eingegangenen Angebote würden nun geprüft, erklärt Barbara Brehler-Wald, Büroleiterin von Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU). Bereits während des Gerichtsverfahrens um die Ausschreibung hatte das Unternehmen, das die Ausschreibung gewann, den Auftrag zurückgegeben. „Die Firmen kalkulieren ja ein, dass sie für ein Projekt Ressourcen bereit halten und stellen einen genauen Zeitplan auf. Wenn der nicht zu halten ist, kollidiert das mit anderen Projekten. Dann ist es verständlich, dass sich die Firma für den Auftrag entscheidet, den sie bereits sicher hat.“

Zwar hätte danach grundsätzlich die Möglichkeit bestanden, das zweitplatzierte Unternehmen des Ausschreibungsverfahrens zu beauftragen, sagt Brehler-Wald. „Aber das war jene Firma, die geklagt hat. Die zu beauftragen war für uns keine Option.“ Also entschied die Magistratsvergabekommission direkt nach dem Rücktritt der ersten Firma, eine neue Ausschreibung vorzubereiten, um möglichst wenig Zeit zu verlieren.

Zurzeit würden die vorliegenden Angebote gründlich geprüft und ein Vorschlag für die Vergabekommission erarbeitet, die diesem in der Regel auch folge, sagt Brehler-Wald. „Die Kommission tagt quasi im Wochenrhythmus, so dass auch dort schnell entschieden und der Auftrag erteilt werden kann.“

Nicht bestätigen will Brehler-Wald allerdings den angeblichen Fertigstellungstermin im Sommer 2021. „Garantieren kann man so etwas nicht. Das Projekt wird nun aber so schnell wie möglich auf den Weg gebracht“, erklärte sie.

Die erneute Verzögerung sei „ärgerlich, aber keine Katastrophe“, sagt die Leiterin der Carlo-Mierendorff-Schule, Nicole Schiffer-Brams. In Gesprächen mit dem Amt für Bau und Immobilien (ABI) habe die Schule noch einige Nachbesserungswünsche am Schulhaus angemeldet, die auch geprüft würden. Auch der Bauablauf habe sich verändert: Sollte zunächst in zwei Abschnitten gearbeitet werden, so dass der erste Jahrgang erst in einen Trakt einziehen könnte, während die beiden weiteren noch gebaut werden, werde nun alles gleichzeitig gebaut. „Wir beziehen das Haus erst, wenn alles fertig ist. So müssen wir nicht auf einer Baustelle unterrichten,“

Eine Arbeitsgruppe habe bereits mit dem Erstellen eines Konzepts für die neue Oberstufe begonnen, sagt Schiffer-Brams. Einige neue Lehrer seien bereits mit Blick auf dieses Konzept eingestellt worden und arbeiteten in der Gruppe begeistert mit. Dort sei man enttäuscht angesichts der erneuten Verzögerung. „Wir haben viele Ideen, aber fertig ist das Konzept längst noch nicht.“

Die Arbeit am neuen Konzept stelle die Schule nun zunächst etwas zurück, um dringendere Themen anzugehen, sagt Schiffer-Brams. So verbessere die Schule derzeit ihr Ganztagesprofil. Im kommenden Jahr stehe auch die Umstrukturierung der inklusiven Beschulung an, Details seien aber noch nicht bekannt.

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