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Gemeinsam sind sie stark. Das Team vom Depot-Café (v.l.): Nadia Thierauf, Sybille Fuchs, Christoph Graul, Katrin Koch und Silas Müller im Begegnungszentrum an der Ginnheimer Landstraße 174. Die Einrichtung hat donnerstags von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

Ökologisch ausgerichtet

Das neu ins Leben gerufene Depot-Café setzt auf regionale Bioprodukte

Seit einer Woche gibt es im Begegnungszentrum das ökologisch ausgerichtete Depot-Café. Dort werden nur regionale Produkte verkauft. Betrieben wird es von mehreren Institutionen. Zum Beispiel von der Klimawerkstatt. Carolin C. Czichowski hat sich mit den Machern unterhalten.

Das Depot-Café ist am 16. August gestartet. Was ist das genau?

SYBILLE FUCHS (Klimawerkstatt): Ein Ort, an dem einmal in der Woche frisches Biogemüse und Obst angeliefert wird, das auf den Feldern um Frankfurt wächst. Wir als Klimawerkstatt haben das Projekt initiiert, weil es uns wichtig ist, eine urbane Versorgung mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen. Zudem geben wir Inspiration und Ideen, wie man sich gesund und lecker ernähren kann und gleichzeitig unser Klima schützt.

Was ist das Konzept dahinter ?

FUCHS: Wir wollen einfache und alltagstaugliche Möglichkeiten anbieten, um nachhaltiger zu leben. Es gibt in Ginnheim keinen Bioladen, es gibt so gut wie keinen Markt, es gibt keine Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, und deshalb waren wir sehr froh, als wir im Frühjahr auf die Kooperative gestoßen sind und die sofort bereit waren, an dem Projekt teilzunehmen.

Herr Graul, Herr Müller, Sie sind Teil der „Kooperative“. Was genau ist das?

SILAS MÜLLER: Die Kooperative ist eine Genossenschaft in Gründung, die den Bürgern eine Möglichkeit gibt, ihre Versorgung mit regionalen und ökologischen Lebensmitteln selbst in die Hand zu nehmen. Ziel ist es, dass in den jeweiligen Quartieren eine Gemeinschaft entsteht, die diese Unternehmung mitträgt.

Es gibt ja regionale Lebensmittel auch im Supermarkt. Wo liegt da der Unterschied?

CHRISTOPH GRAUL (Die Kooperative): Im Supermarkt ist die Nachverfolgbarkeit der Regionalität nicht so einfach. Das bedeutet, dass bei uns alle Produkte, zur Zeit sind das Gemüse, Obst und Eier, aus der Region Frankfurt und Umgebung kommen. Wir bauen selber an, und den Rest der Produkte bekommen wir von örtlichen Partnerbetrieben.

Welche Rolle spielt das Begegnungszentrum beim Depot-Café?

KATRIN KOCH (Begegnungszentrum): Wir haben natürlich die Räumlichkeiten und tun durch das Café ganz viel fürs Quartier.

Sie kooperieren schon länger mit der Klimawerkstatt Ginnheim. Wie sieht das aus?

KOCH: Gemeinsam bieten wir ein regelmäßiges Programm zu den Themen Ernährung und Umwelt an.

Wer ist die Zielgruppe des Depot-Cafés?

KOCH: Es ist ein offenes Angebot für jedermann.

Was erwartet die Besucher?

FUCHS: Man geht hier nicht einfach nach Rezept einkaufen, sondern bekommt tatsächlich das in den Korb, was aktuell Saison hat. Zum anderen stellen wir Bücher zu nachhaltiger Ernährung, Rezeptvorschläge und auch Kostproben zur Verfügung.

GRAUL: Wir sind hier in einem Stadtteil unterwegs, der durchmischt ist. Von sozial schwach bis zur gehobeneren Schicht, sowohl finanziell als auch von der Bildung her. Uns ist es wichtig, dass wir es in Zukunft hinbekommen, dass ökologische Lebensmittel nicht nur einer Schicht zugänglich gemacht werden, sondern allen.

Spiegelt sich das auch bei den Preisen wider?

MÜLLER: Wir haben eine Genossenschaft, in der wir Ernteanteile verkaufen. Diese Anteile sind auf ein Jahr gerechnet. Das heißt, man finanziert die Gesamtunternehmung und bekommt dann die Ernte, die es gibt. Diese Anteile gibt es für Single-, aber auch Mehrpersonenhaushalte. Weil wir ganz neu sind, mussten wir einen Anfangspreis setzen, um die Genossenschaft zu gründen und die Strukturen zu schaffen. Der nächste Schritt wird sein, gemeinsam mit den Mitgliedern einen solidarischen Preismechanismus zu entwickeln.

Wie funktioniert denn so ein solidarischer Preismechanismus?

MÜLLER: Die Frage ist doch, wie man es hinbekommt, dass einer, der etwas mehr Geld hat, 6 oder 7 Euro zahlt und jemand mit einem geringeren Budget entsprechend weniger. Da gibt es verschiedene Herangehensweisen. Die Frage, die wir uns stellen werden, ist, welches Konzept das solidarischste ist.

Wenn man an nachhaltige und ökobewegte Stadtteile denkt, denkt man an Bornheim, Bockenheim oder das Nordend. Warum ist Ginnheim der richtige Ort für das Depot-Café?

FUCHS: Das ist genau der richtige Stadtteil, weil sich hier Leute gefunden haben, die mitmachen wollen. Es braucht immer Menschen mit Ideen, es braucht Leute wie Katrin Koch, die die Infrastruktur zur Verfügung stellt. Solche Projekte müssen wachsen. Ich mag Ginnheim, weil es hier noch viel Grün gibt, es an vielen Stellen dörflich und ruhiger ist als in der Stadt. Da tut so ein nachhaltiges Projekt einfach auch sehr gut.

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