Kultur

Lebewohl: Das Aus für das Volxtheater

Kunst zum Konsumieren wollte er nicht anbieten. Künstler sollten auftreten, die ihn persönlich begeistern und berühren. In der Hoffnung und dem Glauben, dass es dem Publikum gefällt, öffnete sich seit 2007 im Volxtheater in Dörnberg der Vorhang. Damit soll jetzt Schluss sein – zumindest unter der Regie von Rochus Schneider. Das Anwesen, eine ehemalige Dorfgaststätte, steht zum Verkauf.

Es wäre vermutlich nicht stilecht, käme das Ende nicht irgendwie theatralisch daher. „Mit den 10. Dörnberger Festspielen sage ich Lebewohl“, verabschiedet sich der freie Theatermacher auf der Homepage, in der es auch um Trauer, Abschiedsbriefe und den Tod von Michael Quint – einem treuen Weggefährten – geht. „Seit 30 Jahren leite ich Kulturprojekte – auf, hinter und vor der Bühne. Die Festspiele waren von allen das Gewagteste, das Nachhaltigste und das Wertvollste. Ich gehe reich beschenkt mit wertvollen Begegnungen, wundervollen Erlebnissen und neuen Erfahrungen“, schreibt der langjährige Intendant.

Viele Künstler, Menschen aus der Region, Darsteller, Helfer, Vereinsmitglieder, Spender und Sponsoren hätten auf seine Idee gesetzt und ihm als Festspielleiter, Regisseur und Vorsitzenden des Trägervereins „LandSchafftKultur“ ihr Vertrauen geschenkt, heißt es in der persönlichen Erklärung.

Persönliche Gründe

sind es auch, die „in einer Summe von Gründen“ zum Schlussakt führten. Schneider, der über seine Ehefrau – eine Tänzerin, die regelmäßig Kurse gab – der Kultur in der Region eng verbunden war, bleibt im Rhein-Lahn-Kreis, und er wird mit Projekten und Workshops aktiv sein. Gerade hat er an der Waldorfschule Neuwied und im Musikgymnasium Montabaur Engagements abgeschlossen.

Der kleine Ort am Ende der Welt ist dafür genau der richtige Ort, sagte der Bewegungslehrer vor Jahren einmal, um in der umgebenden Landschaft den Zauber von Natur und Schöpfung zu erleben. Im begrünten Anwesen des Volxtheaters finde man zu sich – und zueinander. Man könne zusammen lachen, tanzen, hören, sehen, erleben und genießen. Schlicht sei es, aber voller Atmosphäre, schwärmte Schneider von Standort und Programm. Kein Konsum in der Masse sollte es sein, nein, Geist und Seele sollten hier ihre Nahrung finden. „Kreatives Schaffen mit Gemeinsinn“ nannte er das. Der Spielort sei überschaubar, hier sei Begegnung möglich, ja, fast zwangsläufig. „Das Volxtheater ist halt ein Kulturtempel in guter Nachbarschaft zu einer barocken Kirche“, ein Ort mit anspruchsvoller Kultur und internationalen Künstlern.

Schneider machte Theater an mehreren Schulen, zum Beispiel an der Marienschule Limburg, im SoTheater führte er Regie. Bevor sich der Vorhang an der Hauptstraße 33 in Dörnberg hob, organisierte der „Spielmacher“ zehn Jahre lang Festspiele ohne festen Standort. Der Standort ist es jetzt, der zum Aus des Betriebes beiträgt. Um Festspiele veranstalten zu können, muss Schneider das Projekt vorfinanzieren und Risiken in Kauf nehmen – obwohl Kommune, Kreis, Land und Sponsoren bis zu 40 Veranstaltungen pro Jahr förderten. Doch Gelder fließen praktisch erst nachträglich in die arg strapazierte Kasse. Ein weiterer Punkt im Abspann ist das wenig ergiebige Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Was dem Regisseur obendrein fehlt, ist persönliches Engagement von Leuten, die tatkräftig helfen, die Projekte zu stemmen.

Der ehemalige Landgasthof bezaubert mit dem

Charme der 1920er Jahre

, preist Rochus Schneider das dreigeschossige Anwesen mit Wohnhaus, Saal für 80 bis 120 Zuschauer, Scheune, ehemaliger Kegelbahn und Garten an. Ende September wurde bei einem Hausflohmarkt aufgeräumt und der Fundus aus Garderoben, Requisiten und technischem Equipment zum Kauf angeboten.

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