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Museumsleiter Christian Kunz zeigt im Neu-Isenburger Heimatmuseum eine ?Floh-Nuss? an der Perücke von Graf Johann Philipps Statue, rechts Ausstellungs-Mitinitiatorin Dr. Bettina Stuckard:

Ausstellung

So lebte Graf Johann Philipp, der Gründer von Neu-Isenburg

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Das ist nicht nur etwas für historisch Interessierte: Zum 300. Todestag des Neu-Isenburger Stadtgründers Graf Johann Philipp gibt es nun eine Ausstellung.

Am 21. September 1718 verstarb im Schloss Philippseich, unweit von Neu-Isenburg, Graf Johann Philipp zu Ysenburg-Büdingen. Bekanntlich war er ein seiner Zeit weit vorausschauender – und auch denkender – Landesherr, der den aus Südfrankreich geflüchteten Menschen eine neue Heimat gab. Er gab der Hugenottensiedlung vor den Toren der Stadt Frankfurt den Namen Neu-Isenburg. Die wegen ihres Glaubens aus ihrer Heimat geflohenen „Glaubensflüchtlinge“ erhielten viele Privilegien – und brachten dafür wieder „Leben“ in die vom Dreißigjährigen Krieg ausgemergelten deutschen Landen.

Was für ein Mensch war Johann Philipp von Isenburg und Offenbach – wie er sich selbst bezeichnete – der im heute noch ansehnlichen Isenburger Schloss am 3. Dezember 1655 das Licht der Welt erblickte? „Johann Philipp“ (JP), so sein Kurzname, war lange Zeit der Regent der Grafschaft Isenburg-Offenbach und hinterließ seinen Nachfahren so manches „Problem“ – wegen seiner weltoffenen Art.

Im Wildbann Dreieich ließ er mit Philippseich nicht nur kleines Schloss errichten sondern auch einen „Tiergarten“ – um vergnüglich mit seinen Gästen die sonst in den Wäldern verborgenen Tiere beobachten zu können. Besonders engagierte er sich aber auch für die Menschen in seinem Regierungsbereich. Mit der Ansiedlung von protestantischen Flüchtlingen aus Frankreich, die über ein fortschrittliches Wissen im Handwerk verfügten, bot er der benachbarten Großstadt Frankfurt mächtig die Stirn. Die Ausstellung mit dem Titel „1718. Graf Johann zu Ysenburg-Büdingen und seine Zeit“ greift nicht nur fürstliche Gepflogenheiten am Hofe auf, sondern auch ganz gezielt soziale Aspekte aus allen Bevölkerungsschichten. Die von Dr. Bettina Stuckard, der Leiterin des Kulturbüros der Stadt Neu-Isenburg, und Christian Kunz, Leiter der Museen der Stadt Neu-Isenburg, mit dem ehemaligen Büdinger Schloss-Archivar Dr. Klaus-Peter Decker konzipierte Ausstellung gibt einen tiefen Einblick in bisher unbekannte „Lebenswelten“ des Grafen Johann.

Diesen kennt man eigentlich nur als stattlichen Mann mit einer Perücke aus wallendem Haar. Doch wer wusste, dass der Graf bereits in jungen Jahren an einer Krankheit litt, die einen Haarausfall nach sich zog? In der Perücke war meist eine „Flohkugel“ versteckt, die das Ungeziefer anlocken sollte – wo es dann in der Honigpaste hängen blieb. „Wir haben eine solche Perücke aus Rosshaar erstellen lassen, doch in Neu-Isenburg keinen Frisör gefunden, der uns die Locken fachgerecht auffrischt – also mussten wir uns selbst was überlegen“, zeigte Christian Kunz etwas schmunzelnd auf die „frische“ Haarpracht).

Erwähnt werden muss auch das Original-Portrait des Grafen Johann Philipp, welches das Haus Isenburg-Büdingen exklusiv für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Ganz stolz sind die Ausstellungsmacher auch auf die Replik einer Armbrust, die jedoch Kugeln verschoss, so wie sie Graf Johann Philipp zur Vogeljagd (wohl Fasane) in Dreieich verwendet hat. Hier zeigte sich aber auch die sparsame menschliche Seite des Grafen, denn der Armbrustspanner war auch zugleich sein Lakei – hatte also eine Doppelfunktion.

In Offenbach siedelte Graf Johann Philipp insbesondere das Druckgewerbe an – wohl in Anbetracht zur Nähe der Frankfurter Buchmesse. „In Offenbach wurde bald gedruckt, was in Frankfurt verboten war“, betonte Christian Kunz. Und zeigt auf einen Wälzer, der in der Freien Reichsstadt nebenan gar auf dem Index stand. Eine besondere Rarität ist auch ein Originaldruck einer Hof-Ordnung, die auf allen „Höfen“ des Grafen zu befolgen war – hier allerdings noch mit handschriftlichen Änderungen. Für den Druck von hebräischen Schriften mussten die dafür notwendigen Buchstaben erst besorgt werden. Dabei leistet die neu gegründete Jüdische Gemeinde in Offenbach wertvolle Hilfe. Auch das Parfum – „Aqua Mirabilis – der ältesten Parfum-Manufaktur, das Dufthaus Farina, ist in der Ausstellung zu sehen. „Dieses wird heute noch in der achten Generation hergestellt. Kaiser Friedrich der Große, Kaiserin Maria Theresia, Konrad Adenauer, Prinzessin Diana und Bill Clinton haben diese Düfte verwendet“, verweist Stuckard auf berühmte Verwender.

Eröffnet wird die Ausstellung morgen (Freitag) um 18 Uhr im Plenarsaal des Neu-Isenburger Rathauses. Das Grußwort hält Alexander Fürst von Isenburg, für den Einführungsvortrag konnte Dr. Klaus-Peter Decker gewonnen werden. Die Ausstellung ist bis zum 24. Februar 2019 zu sehen.

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