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Erinnerungen in der Limburger Stadthalle: Vor 15 Jahren leitete Thomas Jung hier ein großes Orchester.

Dirigent Thomas Jung

Er leitet ein Heer von Streichern und Bläsern

Ein „Dickericher Bub“, der viel herumkommt: Thomas Jung ist als freischaffender Orchesterdirigent ständig unterwegs und fühlt sich trotzdem oft dort zu Hause, wo er gerade ist.

Über die Osterfeiertage hat es Thomas Jung wieder einmal zu seiner Familie in die Limburger Heimat gezogen. In Dietkirchen steht sein Elternhaus, wo der 33-Jährige den Garten, das satte Grün, die weiten Felder und die Nähe zur Lahn schätzt. „Wenn ich Natur und Ruhe um mich brauche, komme ich hierher“, sagt Jung, der seit Jahren in Köln lebt.

Beim Gespräch in der Limburger Stadthalle blickt er von der Empore zur Bühne. Dort hat alles angefangen, könnte man behaupten: Im Mai wird es genau 15 Jahre her sein, dass Thomas Jung hier ein großes Orchester vor vollem Haus dirigiert hat. „Scenes ’n Sounds of Hollywood“ hieß die Bühnen- und Lightshow mit über 200 mitwirkenden Schülerinnen und Schülern, die der damalige Zwölftklässler der Tilemannschule gemeinsam mit einem Mitschüler geplant und realisiert hat.

Nach dem Abitur und dem Zivildienst beim hauseigenen Radiosender des Limburger Krankenhauses zog es Jung zum Studium an die Kölner Musikhochschule, wo der inzwischen verstorbene Professor Volker Wangenheim sein Dirigierlehrer und Mentor wurde. Es folgten zahlreiche Meisterkurse bei weiteren namhaften Dirigenten sowie diverse Stipendien und Auszeichnungen: Die jüngste – der Eugen-Jochum-Preis für besonders engagierte und begabte junge Dirigenten – wurde ihm im vergangenen November in München verliehen. In der Heimat ist er von der Musikstiftung der Kreissparkasse und der Stiftung DEY des Bistums gefördert worden.

Von Ende 2010 bis Anfang 2012 studierte Jung in Cambridge an der Universität und am weltbekannten King’s College – in herrlicher und fast schon familiärer Atmosphäre, wie er sagt. „Cambridge ist der schönste Ort, den ich kenne“, legt Jung nach. Da verwundert es nicht, dass er in der King’s College Chapel, dem Wahrzeichen der Stadt, auch seine Frau geheiratet hat, die aus Diez stammt.

Thomas Jung leitet das Flora Sinfonie Orchester Köln und das Studio-Orchester Duisburg. Außerdem ist er seit 2015 jährlicher Gastdirigent eines Opern-Sinfonieorchesters in der chinesischen Metropole Tianjin. Während der Spielzeit 2015 / 16 wirkte er beim Boston Philharmonic Orchestra in den USA und gründete in Kooperation mit dessen Jugendorchester eine Akademie zur Förderung junger Nachwuchsdirigenten.

„Ich bin dort zu Hause, wo ich Musik machen kann“, beschreibt Jung sein ständiges Unterwegssein. „Immer, wenn ich merke, dass meine musikalische Arbeit in den Fluss kommt und dass meine Instrumentalisten alles aus einem Werk herausholen, weiß ich: Ich würde nichts anderes machen wollen!“

Seine künstlerische Selbständigkeit verschaffen ihm viel Freiraum und die Gelegenheit, selbst zu entscheiden, welche musikalischen Projekte er umsetzen möchte und welche nicht. Und sie ermöglichte dem Vater einer 20 Monate alten Tochter, im ersten Lebensjahr des Nachwuchses häufiger zu Hause zu sein, als es manch anderer Familienvater könnte.

Ein weiterer Name ist untrennbar mit Thomas Jungs Vita verbunden: Als Assistent des 89-jährigen niederländischen Dirigenten Bernard Haitink hatte Jung bereits mehrfach die Möglichkeit, mit den besten Orchestern der Welt zusammenzuarbeiten, darunter sind das Chamber Orchestra of Europe, die Berliner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Mit letzterem fanden kürzlich Konzerte in der Hamburger Elbphilharmonie statt. „Der große Saal setzt neue Maßstäbe mit traumhafter Akustik“, schwärmt Jung. Mit seinem Kölner Orchester hat er vor einigen Wochen Tschaikowskis fünfte Sinfonie für eine Video-Klang-Installation eingespielt. Dabei ging es nicht um den eigentlichen Ton der Instrumente, der mit verschiedenen Techniken stumm geschaltet wurde. Die „Muted Situation“ genannte Installation soll stattdessen all das hörbar machen, was beim Musizieren eines Orchesters an Geräuschen entsteht, aber sonst hinter der Musik verborgen bleibt. Die Einspielung ist noch bis Juni im Rahmen der Biennale in Sydney zu hören. Wenn Thomas Jung es zeitlich bis dahin noch schafft, wird er also bald einen kurzen Ausflug nach Australien machen.

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