Heilige Katharina

1500 Pilger aus dem Bistum erleben Heiligsprechung auf dem Petersplatz

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Seit gestern um 10.37 Uhr hat das fast 200 Jahre alte Bistum Limburg seine erste Heilige: Papst Franziskus erhob die Ordensschwester Katharina Kasper (1820 bis 1898) gemeinsam mit einem seiner Vorgänger, Paul VI., und fünf weiteren Personen auf dem Petersplatz in Rom in den Stand der Heiligen. Unter den mehr als 70 000 Gläubigen waren auch 1500 Pilger aus der Diözese.

Zwischen fünf und drei Stunden haben die meisten der 1500 Pilger aus dem Bistum in aller Frühe angestanden, um einen guten Platz auf dem Petersplatz zu bekommen. Nach nur einer halben Stunde ist dann alles überraschend schnell vorbei. Egal, fast alle sind glücklich, bei diesem besonderen Ereignis dabeigewesen zu sein.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der zu den Konzelebranten gehört, spricht später von einem großen Geschenk. Katharina Kasper mache Mut, in schwieriger Kirchenzeit etwas Gutes anzufangen. Bätzing sitzt links vom Hochaltar in der großen Schar der Kardinäle und Bischöfe aus aller Welt. Unter den mehr als 70 000 Gläubigen auf dem Petersplatz sind auch zahlreiche weltliche Ehrengäste, darunter die spanische Königin Sophia und mehrere Regierungschefs.

Nicht zu übersehen sind die rund 1500 Teilnehmer aus dem Bistum mit Pilgerbeutel, Schlauchtuch und Katharina-Fahnen. Für sie sollte es eigentlich einen eigenen Bereich geben; das hat allerdings nicht geklappt. Die meisten stehen in Gruppen in der Mitte des Petersplatzes zusammen.

Das Porträt der Dernbacher Bauerntochter und Ordensgründerin prangt an der Fassade des Petersdoms. Um 10 Uhr herrschen freudige Atmosphäre und eine fast andächtige Stille unter blauem Himmel. Die Liturgie ist schlicht. Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, empfiehlt Papst Franziskus, die Sieben heilig zu sprechen, und stellt in jeweils ein bis zwei Minuten die wichtigsten Etappen in ihrem Leben vor. Es folgen Gebete und Bitten. Um 10.35 Uhr spricht der Pontifex die Heiligsprechungsformel und nennt die Heiligen beim Namen, um 10.37 Uhr ist es offiziell. Die Gemeinde stimmt mit einem Amen und Applaus zu. Die Menschen sind berührt, klatschen und jubeln und umarmen sich. Manche haben Tränen in den Augen.

Aus dem Bistum wirken an der Zeremonie neben dem Bischof zwei Dernbacher Schwestern mit: Barbara Spiegelhoff, ehemalige Marienschullehrerin, und Shirley Bell tragen Fürbitten in ihrer Muttersprache deutsch und englisch vor. Als Reliquien werden Knochenteile von Katharina Kasper sowie ein blutbeflecktes Hemd von Paul VI. an den Altar gebracht.

Es folgt der normale Sonntagsgottesdienst. In der Predigt hebt der Papst Katharina Kasper als Beispiel einer Christin hervor, die den Armen und dem Volk nahe war. Er wirbt für eine „Kirche auf dem Weg“, die den Mut haben müsse, weltliche Sicherheiten aufzugeben. Den Wagemut der neuen Heiligen wünscht Franziskus auch der Kirche von heute: Sie müsse bremsenden Ballast, Reichtum, „Sehnsucht nach Status und Macht“ loslassen, sich von Strukturen verabschieden, die der Verkündigung des Evangeliums „nicht mehr angemessen“ seien.

Nach dem Ende um kurz nach zwölf gelöste Stimmung auf dem Petersplatz. Die Pilger tauschen sich aus, Georg Bätzing spricht mit vielen. „Das Ereignis muss jetzt erstmal sacken. Ich bin gespannt, welche Wege, die neue Heilige uns dann zeigen wird“, sagt der Bischof.

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