Nach dem Motto "Es gibt kein schlechtes Wetter - nur unpassende Kleidung" startete der Gemeinderat der Ortsgemeinde Niederneisen zusammen mit Förster Johannes Betz (rechts) zum Waldbegang.
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Nach dem Motto "Es gibt kein schlechtes Wetter - nur unpassende Kleidung" startete der Gemeinderat der Ortsgemeinde Niederneisen zusammen mit Förster Johannes Betz (rechts) zum Waldbegang.

Gang durch den Wald

Aar-Einrich: Auch die Buchen sind betroffen

  • VonRolf-Peter Kahl
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Forsthaushalt schließt mit Defizit

Niederneisen -Wenn ein Ortsbürgermeister seine Ratsmitglieder im Sitzungssaal zu einer Gemeinderatssitzung begrüßt und die Beschlussfähigkeit feststellt, gehört dieser Akt zum normalen Ablauf solch einer Veranstaltung. Wenn das ganze jedoch draußen in der freien Natur passiert, dann darf durchaus von einer besonderen Ratssitzung gesprochen werden: vom Waldbegang, einer "Sitzung an einem außergewöhnlichen Tagungsort". Es ist dies eine jährlich einmal stattfindende Begehung, die dazu dient, sich als kommunalpolitisch Verantwortlicher fachliches Grundlagenwissen anzueignen oder aufzufrischen,

Deshalb begrüßte Bürgermeister Armin Bendel ganz besonders Revierförster Johannes Betz, der den etwa zweistündigen Begang fachlich führte. Bendel hatte zuvor noch einmal den Sinn dieser Veranstaltung in Erinnerung gerufen. Das Sprichwort "Viel Wald, viel Geld" sei zwar heute nicht mehr zutreffend, in der Bilanz der Gemeinde sei der Wald als gewachsenes Naturprodukt jedoch einer der größten Aktivposten. Von daher gelte es im Rahmen eines Waldbegangs die Ratsmitglieder mit dem Wissen zu versorgen, was für eine sachgerechte Entscheidung in der Waldwirtschaft erforderlich ist beziehungsweise mit dem aktuellen Sachstand des zuständigen Forstes vertraut zu machen.

Langanhaltende Hitzeperioden

Das Hauptaugenmerk des Begangs legte Betz auf die heimische Baumart "Buche". Betz konnte anhand von Beispielen darlegen, dass auch die als bis dato resistente Baumart im heimischen Revier zwischenzeitlich einige Schäden davongetragen hat. Schuld daran seien neben den letzten drei trockenen Jahren, insbesondere die langanhaltenden Hitzeperioden von bis zu 40 Grad, die ihr zugesetzt hätten. Im Kronenbereich des Baumes platzte die Rinde ab und die Pflanze beginne nach und nach abzusterben - mit der Folge, dass bei Wind mit Totholzabwurf zu rechnen sei. Aktuell seien im Revier einzelne Bäume oder kleine Baumgruppen betroffen, jedoch sei bereits jetzt festzustellen, "dass der Klimawandel auch im Forst von Niederneisen" angekommen sei. Durch steigende Durchschnittstemperaturen, Sturmhäufigkeit und Wassermangel steige auch die Disposition für Schadorganismen. Diese finden ideale Vermehrungsbedingungen vor. So nehme die Artenvielfalt zu - bislang unbedeutende Organismen werden zum Problem.

Die Aufarbeitung von Schadholz ist aufwendig, der Erlös vermindert. Dies führe zwangsweise zu starken wirtschaftlichen Einbußen für den Waldbesitzer. Nicht vergessen werden dürfe auch der Aufwand für die Wiederbewaldung. Grundsätzlich werde im Wald auf Naturverjüngung gesetzt, jedoch wegen der großen freigewordenen Waldflächen, müsse auch der Wald mit Neupflanzen bestückt werden. 2022 soll neben der Hainbuche auch die Küstentanne, Douglasie und Eberesche angepflanzt werden.

Mehr Ausgaben als Einnahmen

Die Gesamtkosten hierfür belaufen sich auf 19 620 Euro. Der hierfür erforderliche Schutz gegen Wildverbiss beläuft sich auf insgesamt 25 200 Euro. Insgesamt werden im Forsthaushalt 44 650 Euro an Einnahmen erzielt, dem jedoch 75 560 Euro an Ausgaben gegenüberstehen, so dass dieser mit einem Defizit von 30 910 Euro abschließt. Neben dem Forsthaushalt wurde auch der Wechsel der Besteuerung von der Pauschalbesteuerung zur Regelbesteuerung beschlossen und die 1. Vereinfachte Änderung des Bebauungsplans "Auf dem Woog" eingeleitet.

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