Bei Demonstrationen früherer landwirtschaftlicher Tätigkeiten hatte vor allem die junge Generation Spaß daran, sich auf die Traktoren zu schwingen.
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Bei Demonstrationen früherer landwirtschaftlicher Tätigkeiten hatte vor allem die junge Generation Spaß daran, sich auf die Traktoren zu schwingen.

Jubiläumsjahr der Traktoren-Freunde

Aar-Einrich: Ein Herz für Trecker seit 25 Jahren

  • vonRolf-Peter Kahl
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Die "Freunde historischer Landmaschinen und Traktoren Nassauer Land Niederneisen e.V." widmen sich schon ein Vierteljahrhundert ihrem Hobby

Niederneisen -Es ist schon eine bemerkenswerte Leistung, sich über viele Jahre gemeinsam einer Sache zu widmen. Der 1996 in der Aargemeinde gegründete Verein war von Anbeginn überaus rührig, organisierte selbst viele Brauchtumsveranstaltungen in Niederneisen und nahm aktiv an vielen Veranstaltungen anderer Vereine mit Vorführungen teil. Dabei standen Traktoren, Trecker und landwirtschaftliche Gerätschaften, mit denen die Landmänner noch vor 50, 60 Jahren auf die Felder gezogen sind, im Mittelpunkt. Es wurde gefachsimpelt und erklärt, gefragt und gestaunt. Und die Traktorfreunde boten Einblicke in alte Handwerkskunst und landwirtschaftliches Arbeiten früherer Jahrzehnte.

Als im Jahre 2013 der Fortbestand des Vereins nach dem Tod von Gerhard Mohr - einem der aktivsten Gründungsväter des Vereins - auf der Kippe stand, war es vor allem ein Verdienst des damaligen Bürgermeisters Karl Werner Jüngst, der die Mitglieder davon überzeugen konnte, dass der Verein mit neuer Führungsmannschaft weitergeführt werden sollte. Inzwischen lenkt mit Ilse Meffert, Claude Valerius, Ernfried Groh und Volker Obel ein neues Führungsquartett die Geschicke des Vereins.

In der Umbruchphase haben zwar einige Mitglieder den Verein verlassen, aber zwischenzeitlich gab es auch wieder Zuwachs. Aktuell hat der Verein insgesamt 20 Mitglieder - der harte, aktive Kern besteht aus circa sieben Mitgliedern. Der Jüngste im Bunde ist 17 Jahre alt, der Schnitt beträgt 60plus.

Die Wiedergeburt begann mit der Teilnahme am Niederneisener Weihnachtsmarkt, frei nach dem Motto "Wir leben noch". Sehen und vor allem gesehen werden war wichtig. Es folgten kleine Ausflüge und die Teilnahme an Veranstaltungen - allen voran das Holzsägen im Hof der Gaststätte "Zur Linde" beim 1225-jährigen Dorfjubiläum. Beim eigenen 20-jährigen Bestehen im Jahr 2016 wurde mit etlichen Vorführungen auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins - darunter ein beeindruckendes Dreschen sowie eine historische Getreideernte - gefeiert. Für Ausflüge und Vorführungen suchte man sich dann auch weitere Ziele wie die Feldtage in Nordhorn oder die Brauchtumsverantaltungen der IGHL in Hammersbach bei Hanau, der benachbarten Ackerkralle in Beselich oder in Heringen aus.

Ein absolutes Highlight war 2018 der Besuch der Great Dorset Steamfair im Süden von England. Zudem wurden die Niederneisener auch zu Veranstaltungen eingeladen, wie zum Jahresauftakt des Heimatmuseums Hahnstätten oder die Eröffnung der Abteilung Landwirtschaft im Einrich-Museum in Katzenelnbogen. Beim Ortsteil-Jubiläum von Freiendiez und in Kaltenholzhausen war man mit der Dreschmaschine und Strohpresse aktiv dabei. Viel Spaß hat auch die Teilnahme beim Tag der Landwirtschaft in Limburg gemacht.

Imposante Entwicklung

Es ist den Vereinsmitgliedern immer wichtig, ihre alten Schätze nicht nur auszustellen, sondern, wann immer möglich, sie auch in Aktion zu zeigen. Die Vorführungen sind für sie das Salz in der Suppe. Schließlich habe auch in der Landwirtschaft eine imposante Entwicklung stattgefunden. Vor 70 Jahren war noch vieles Handarbeit, zwar immer mehr von Maschinen unterstützt, was heute von riesigen High-Tech Maschinen GPS-gestützt von Traktoren mit mehr als 200 PS in kürzester Zeit erledigt wird.

Neben einer von Ernfried Groh erstellten, sehr informativen Schautafel über die Entwicklung der Getreideernte, kann der Verein die gesamte Palette der Mechanisierung der Getreideernte zeigen. Von der Sense über Mähmaschine, Flügelmäher, Binder, Dreschmaschine bis zum gezogenen Mähdrescher haben sie alles funktionsfähig an Bord. Wer mag, kann auch lernen, wie man Getreidegarben von Hand bindet. So schließt sich der Kreis zu Gerhard Mohrs Leidenschaft für alte Landtechnik. Ein großer Teil der Geräte stammt noch aus seiner Zeit und es ist Teil der Vereinsarbeit, sie in diesem Zustand zu erhalten, so, als wollte man sie im kommenden Sommer wieder benutzen. Arbeiten mit Holz und Metall sind der Kernpunkt, wobei die Vereinsmitglieder manchmal erst selbst ergründen müssen, warum etwas genau so gebaut wurde und wie es denn funktioniert.

Blick in die Zukunft

Inzwischen gibt es einen vereinseigenen Traktor, der vom verstorbenen Vereinsmitglied Eckhard Spieß übernommen wurde. Auch an ihm gibt es immer wieder kleine und größere Arbeiten, um ihn funktionsfähig zu halten und den nächsten Besuch beim TÜV erfolgreich zu absolvieren. Einige Vereinsmitglieder haben auch keine Scheu mehr, einen alten Dieselmotor zu zerlegen und wieder zum Leben zu erwecken, quasi fit zu machen für die nächsten 30 Jahre. Ein weiterer Ableger ist die Schmiede eines Vereinskollegen, die einige Jugendliche schon im Rahmen von Veranstaltungen (Feuerwehr Jugendlager) kennenlernen durften.

Das diesjährige Jubiläum sei für den Verein auch Anlass, in die Zukunft zu schauen. Wie viele andere Vereine leiden auch die Niederneisener unter den aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Die monatlichen Stammtische im Gasthaus "Zur Linde" sind ebenso deren Opfer, wie auch der Ausfall aller Veranstaltungen benachbarter Vereine. Dazu komme, dass viele Vereinsmitglieder zur so genannten Risikogruppe gehören. Gleichwohl sieht die Führungscrew die Gewinnung neuer Vereinsmitglieder als ihre Hauptaufgabe, um dem Fortbestand des Vereins ein tragfähiges Fundament zu geben.

Wer also Interesse am Arbeiten mit und an alter Technik hat, ist herzlich eingeladen, reinzuschnuppern. Ab April ist an jedem Freitagnachmittag ab 14 Uhr ein Vereinsmitglied neben der Grundschule Niederneisen im Vereins-Domizil bei Erika Mohr vor Ort. Wenn es die Pandemie wieder erlaubt, treffen sich die Mitglieder an jedem zweiten Freitag des Monats um 20 Uhr im Gasthaus "Zur Linde". Gerne können sich auch Schüler beziehungsweise Jugendliche melden, um ein kleines Restaurationsprojekt durchzuführen. Und die Vereinsmitglieder helfen auch gerne bei der Wiederbelebung eines alten Mofas oder Mopeds - oder pflanzen mit Kindern Kartoffeln an. Bei Interesse ist auch mal eine Traktor-Fahrschule für Jedermann und -frau auf Privatgelände möglich. Für einen ersten Kontakt kann man sich bei Volker Obel, Niederneisen, (0 64 32) 50 72 83 oder 07 19-30 80 34 melden.

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