Reaktivierung „nicht wirtschaftlich“

Aartalbahn aufs Abstellgleis?

Der Rechnungshof des Landes Rheinland-Pfalz spricht sich in seinem Jahresbericht gegen eine Reaktivierung der Aartalbahn zwischen Hahnstätten und Diez aus. Die für eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebes nötigen „mindestens“ nötigen 16 Millionen Euro könnten sinnvoller für andere Maßnahmen des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt werden.

Die Stellungnahme des rheinland-pfälzischen Landesrechnungshofes schiebt die Aartalbahn zwischen Wiesbaden und Diez wahrscheinlich endgültig aufs Abstellgleis. Bisherige Berechnungen hätten Kostenrisiken vernachlässigt, Folgeaufwendungen nicht berücksichtigt und zurückgehende Bevölkerungszahlen ignoriert, bemängelt der Rechnungshof.

Vor wenigen Jahren wurde eine weitere (die inzwischen vierte) Nutzen-kosten-Untersuchung aufgestellt, deren Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht wurde. Die Landesregierung hat dazu stattdessen ein Gutachten vom „Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb“ (IVE) an der Technischen Universität (TU) Braunschweig in Auftrag gegeben. Das sollte eigentlich schon vor Monaten vorliegen. Nun kommt es zu dem Schluss „inhaltlicher Mängel“ innerhalb der Nutzen-Kosten-Untersuchung.

Bisher gingen die Befürworter der Reaktivierung von täglich 1000 Fahrgästen aus. Das wären vor allem Schüler und einige Berufspendler. Angesichts des jetzt prognostizierten Bevölkerungsrückgangs würden diese Zahlen aber deutlich geringer ausfallen. So argumentieren die Rechnungsprüfer.

Tatsächlich geht das Institut in seinem Gutachten nun von 785 Reisenden an Werktagen aus. Die Gutachter kommen in ihrer Empfehlung zudem zu einer generellen Aussage: „Projektvarianten mit Reaktivierungen sollen künftig überhaupt erst erwogen werden, wenn ein „Mindestverkehrsaufkommen“ von 1000 Reisenden pro Streckenkilometer und Werktag zu erwarten sei. Eine solche rote Linie hätte im Fall der Aartalbahn in den vergangenen zehn Jahren hohe Planungskosten vermieden.

Im Projekt Aartalbahn vermissen die Gutachter außerdem eine Prüfung von Alternativen zur Schienen-Reaktivierung, beispielsweise Bussysteme oder Sammeltaxen. Eine „Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrsangebotes (. . .) könnte genauso gut und wirtschaftlicher mit (. . .) Bus-Express-Linien erzielt werden“, so der Landesrechnungshof. Unter Umweltgesichtspunkten seien Busse gegenüber Dieseltriebzügen im Vorteil. Das Institut der TU Braunschweig geht sogar davon aus, dass Express-Busse kaum langsamer als die Bahn wären: Angeblich bräuchte der Zug 14 Minuten, ein Expressbus gerade 17 Minuten (neun Minuten schneller als die heutige Buslinie 567). Auf dem Weg von Hahnstätten über Diez weiter nach Limburg sehen die Verkehrsplaner den Expressbus sogar vier Minuten früher am Ziel.

Die letzte Entscheidung liegt nun bei der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Staatssekretär Andy Becht zieht allein aus der Einschätzung des Landesrechnungshofes keine negativen Rückschlüsse. Der Kosten-Vergleich zur Straße gehe von der Prämisse aus, dass Straßen bereits verfügbar sind, während die Schienentrassen erst instandgesetzt werden müssen. Würde dieses Prinzip generell angewendet, müsste der Ausbau des Schienenverkehrs eingestellt werden. Andy Becht: „Der Schienenpersonennahverkehr bringt auch zahlreiche Vorteile, wie zum Beispiel die größere Laufruhe, Fahrradmitnahmemöglichkeiten und die Verfügbarkeit von WCs mit sich.“ Er sei damit deutlich komfortabler als der Bus. „Der Schienennahverkehr ist damit ein wichtiges Element für einen attraktiveren öffentlichen Personennahverkehr.“ rpk/hbw/cri s

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