Trinkspiele waren auf dem Zeltplatz eine Riesengaudi.

Festival

Tells Bells Festival: Abschalten, feiern und tanzen

Villmar "Tells Bells"-Festival ausverkauft - Gäste reisen teilweise weit an, um die besondere Atmosphäre zu genießen.

Was der Verein "Villmar Kult" beim alljährlichen "Tells Bells"-Festival auf die Beine stellt, das ist wirklich beeindruckend. Hier geht es vor allem um die Leidenschaft für die Musik. Und das gefällt immer mehr jungen Musikfreunden. So war das Festival mit je 3000 Gästen an beiden Tagen diesmal erstmalig komplett ausverkauft.

In Großstädten wie Köln oder Frankfurt sollte es doch mehr als genug Events geben, dass Jugendliche von dort nicht ausgerechnet ins ländliche Villmar fahren müssen, um Musik und kühle Getränke mit ihren Freunden zu erleben. Doch Gespräche mit Gästen zeigen: für diesen günstigen Preis und mit dieser netten Atmosphäre und Güte gibt es Festivals ganz selten.

Dabei konnten die Gäste am Wochenende wieder 20 Bands aus den Genres Punkrock, Hardcore, Ska und Alternative erleben, heimische Newcomer genauso wie angesagte Szenebands bis aus den USA. Unter anderem waren "Walls of Jericho", "Raisel Fist", "Sick Of It all" und "Lionheart" am Start.

Alles friedlich

Die Jungs von "La Armada" aus Puerto Rico bestritten Samstagnachmittag den letzten Gig ihrer Europatour in Villmar, bevor es gleich danach vom Frankfurter Flughafen aus wieder in die Heimat ging. In Bayern seien sie täglich von der Polizei kontrolliert worden, berichteten sie erstaunt. In Villmar war trotz hoher Besucherzahl dagegen kein Polizeigroßaufgebot vonnöten. Teile der Jugend trinken zwar, doch beim Fest läuft immer alles friedlich ab. Das bestätigte auch die Polizei. Allerdings sei eine Besucherin mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert worden, weil sie von einem Akteur, der von der Bühne sprang, getroffen wurde.

Gestört hat am Freitag gegen Abend heftiger Regen. Aber erfahrene Festivalbesucher stecken auch so etwas locker weg. Manchen machte beim wilden Tanzen die Nässe anscheinend nichts aus. Andere suchten unter den Schirmen oder in ihren Zelten Schutz. Die Musik war auch so auf dem kompletten Gelände zu hören.

6000 Gäste bei "Tells Bells" sind eine Sensation, eine Zahl, um die die Aktiven von "Villmar Kult" viele Veranstalter-Profis aus der Region beneiden. Das Event funktioniert aber gerade deshalb so gut, weil da keine Profis, sondern Fans mit Leidenschaft am Werke sind. Das Herzblut spüren die Besucher, das honorieren sie. Vorsitzender Ralph Schäfer zeigte sich überwältigt, dass das Festival das erste Mal in seiner 15-jährigen Geschichte bereits vor dem Start komplett ausverkauft war. "Wir wollen aber gar nicht größer werden", sagte er. Das Festival solle in einem persönlichen Rahmen bleiben.

Jedes Jahr bekannter

Zudem müsse die Größe noch so sein, dass sie von Ehrenamtlichen organisierbar sei. Schäfer dankte den 250 Helfern, neben den eigenen Mitgliedern viele Aktiven der Villmarer Ortsvereine. Was dem Festival diesmal in die Karten gespielt habe, sei, dass die Bandverpflichtung optimal gelaufen sei, sagte der Vereinschef. "Tells Bells" werde überregional von Jahr zu Jahr bekannter. "Wir müssen zwar nichts mit dem Festival verdienen, aber ein Plus ist natürlich gut, um sich Rücklagen für die Zukunft zu bilden", betonte Schäfer. Und es werde ja jedes Jahr aus dem Erlös noch an soziale Zwecke gespendet.

Steven Eitel von "Born as Lions" aus Frankfurt spielt mit seiner Band erstmals in Villmar. "Als Festivalbesucher waren wir aber privat schon öfter hier und kamen so mit den Organisatoren ins Gespräch", erzählte der Musiker. In Frankfurt gebe es nichts Vergleichbares, so Bandkollege Henryk Vogler. "Tells Bells" sei locker und entspannt. Kompakte zwei Tage, nur eine Bühne. Das sei ein klasse Konzept.

Billiger als „Rock am Ring“

Blanka aus Runkel war mit ihren Freundinnen Lisa und Linda da. Sie liebt das Familiäre. Bei kommerziellen Events wie "Rock am Ring" zahle man heftige Preise. In Villmar habe man ein günstiges Wochenende. Da sei es dann auch nicht tragisch, wenn man beim Feiern mal die eine oder andere Band versäume. Linda lobte die vielseitige Bandauswahl und die besondere Atmosphäre. "Man trifft vor allem viele Bekannte hier", sagte die Runkelerin. Felix Wüst aus Limburg findet super, dass man in wenigen Minuten in Villmar sei und zu günstigen Preisen tolle Bands erleben könne. Auf dem Campinggelände ist er ein Wochenende lang wie in einer völlig anderen Welt. "Bei anderen Festivals zahle ich das Dreifache für ein Campingticket", sagte er. André aus Köln war mit seiner Clique da und sagte: "Hier können wir einfach draußen sitzen, Spaß haben und trinken." Denn auf das Campinggelände darf man eigene Getränke mitbringen, so dass das Feiern hier besonders günstig ist. So sagt auch Lisa, dass es ihr egal sei, ob sie alle Bands hört. Party mit Freunden sei in erster Linie im Lager angesagt. An vielen Tischen auf dem Campinggelände stapelten sich Becher und Dosen, waren Trinkspiele zu erleben. "Tells Bells" ist für viele abschalten mit Freunden vom Alltag.

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