Die alltägliche Dosis Gift im Essen

Der BUND-Kreisverband Limburg-Weilburg weist auf die Gefahren des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft hin.

Nach Auswertung verschiedener Studien englischer, australischer und niederländischer Wissenschaftler und aktueller Berichte in den Medien hat sich der BUND intensiv mit der Problematik Pestizide befasst. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Hermann Maxeiner (Kirberg) sagt: „Wir haben uns die Frage gestellt, ob Pestizide wirklich so harmlos sind, wie uns die konventionelle Landwirtschaft immer weiszumachen versucht, oder ob es sich um eine tägliche Dosis Gift handelt.“

Laut Umweltbundesamt werden in Deutschland pro Jahr 30 000 Tonnen Pestizide ausgebracht, weltweit an erster Stelle steht dabei der Wirkstoff Glyphosat. Maxeiner: „Die Werbung für diese gefährlichen Stoffe klingt vollkommen harmlos. Laut Chemischer Industrie besteht bei sachgemäßer Anwendung keine Gefahr für Mensch und Umwelt und der Bauernverband betont, dass jeder Anwender die erforderliche Sachkenntnis besitze.“ Allerdings seien die für die Kontrolle einer sachgemäßen Anwendung zuständigen Pflanzenschutzdienste der Länder mit gut hundert Personalstellen bei rund 300 000 landwirtschaftlichen Betrieben stark unterbesetzt. Bei vor einigen Jahren durchgeführten Feldkontrollen habe das Umweltbundesamt Verstöße gegen die Anwendungsvorschriften bei der Hälfte der geprüften Landwirte festgestellt. Laut Umweltbundesamt sind Pestizide der Hauptgrund für den starken Artenrückgang und Wissenschaftler verweisen auf ein erhöhtes Parkinsonrisiko bei Landwirten und Kleingärtnern.

Im Gegensatz zu Deutschland gehe man in Frankreich in den offiziellen Registern zu Berufskrankheiten von einem Zusammenhang zwischen der Erkrankung an Parkinson und Pestiziden aus. Auch Wissenschaftler der Universität Poitiers verweisen seit Jahren auf einen Zusammenhang mit Krankheiten wie Prostata- und Blasenkrebs, Parkinson sowie Veränderungen der Lymphbahnen und des Knochenmarks und sprechen sogar von einer gesundheitlichen Katastrophe durch den Pestizideinsatz.

Einige Pestizide, die sogenannten Neonikotinoide, werden inzwischen flächendeckend verwendet und dienen als Saatgutbeize. Dadurch können sie mit dem Wachstum die gesamte Pflanze durchdringen und greifen bei Insekten in das zentrale Nervensystem ein.“ Die Insekten würden nicht sofort sterben, verlören aber für ihr Überleben wichtige Funktionen. Für Bienen seien diese Chemikalien deshalb so gefährlich, weil schon durch die Aufnahme von Wasser, das sich auf den Pflanzen befindet, die Orientierungsfähigkeit gestört werden könne und die Bienen nicht zu ihrem Stock zurückfänden. Neonikotinoide schwächten das Immunsystem der Bienen und machten sie anfälliger für die Varroamilbe.

Entgegen Behauptungen der chemischen Industrie blieben diese Stoffe länger in der Umwelt als dargestellt, so dass deren Wirkung in den Folgejahren noch verstärkt werde. Bei der Aussaat der Pflanzen werde sie über die Luft verteilt und durch ihre Wasserlöslichkeit gelangten sie auch in Bäche und Flüsse und könnten zu einer Immunschwäche bei Fischen führen.“

Im Gegensatz zu den Behauptungen der Hersteller habe die Universität Hohenheim im Rahmen einer Studie festgestellt, dass sich das Pflanzenschutzmittel Glyphosat sich nur langsam abbaue und sich zunächst im abgestorbenen Wurzelgewebe anreichere. Maxeiner: „Das bedeutet, je häufiger man spritzt, umso länger bleibt es im Boden.“ Außerdem werde Glyphosat nicht nur als Unkrautvernichter, sondern auch als Reifeprozessbeschleuniger verwendet und beim Getreideanbau kurz vor der Ernte gespritzt, um das Getreide zu trocknen. In einem Forschungsprojekt der Universität Leipzig habe man bei allen untersuchten Tierbeständen einen Zusammenhang zwischen kranken Tieren und Glyphosat festgestellt.

Der BUND-Kreisverband kritisiert, dass angesichts eindeutiger wissenschaftlicher Ergebnisse, die Grenzwerte für Glyphosat in Lebensmitteln in den letzten Jahren auf Drängen der Hersteller ständig angehoben wurden und politische Entscheidungsträger sowie Zulassungsbehörden auf EU-Ebene unter dem Einfluss der Herstellerfirmen stehen.

Maxeiner: „Bei soviel Nähe zwischen chemischer Industrie, Bauernverbänden und Zulassungsbehörden kann mir niemand weismachen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht, denn wir reden von einem Milliardengeschäft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare