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Für manche ein schöner Anblick, für andere fast so etwas wie Teufelswerk: ein Windrad.

Nabu-Vorsitzender gibt klare Antwort

Beim Bau des Windparks in Altendiez: Sind Greifvögel und Störche vom Tod bedroht?

Rotmilane, Mäuse- und Wespenbussarde sowie Schwarzstörche sind vom Tod bedroht, sollte der Windpark Altendiez gebaut werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Nabu-Vorsitzende Rhein-Lahn, Winfried Lieber.

Altendiez - Die Einschätzung des Vorsitzenden der Nabu-Kreisgruppe Rhein-Lahn, Winfried Lieber, steht im Widerspruch zum Gutachten des von den Projektierern des Windparks Altendiez beauftragten Ingenieur-Büros. Demnach ging aus Untersuchungen in den Jahren 2014 und 2017 hervor, dass der Wald, in dem der Windpark geplant ist, „gelegentlich frequentiert wird“.

Nabu-Vorsitzender Winfried Lieber: Bereich der geplanten Windkraftanlage ist "praktisch rotmilanfrei"

„Es konnten keine Konzentrationen an Flugbewegungen über dem Windpark festgestellt werden, welche auf einen regelmäßig genutzten Korridor zwischen Horst und wichtigen Nahrungshabitaten hindeuten.“ Weiter heißt es in der Studie: „Eine häufigere Frequentierung des geschlossenen Waldes durch Transferflüge ist ebenfalls nicht zu erwarten.“ Dazu der Vorsitzende des Naturschutzbundes Lieber: „Diese Aussagen finden ihre Bestätigung in der Funktionsraumanalyse des Rotmilans, die den Nahbereich der geplanten Windkraftanlagen als praktisch rotmilanfrei ausweist.“

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Lieber selbst kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis. Ende März 2018 hatte der Nabu-Vorsitzende begonnen, die Waldfläche des Planungsgebiets und die angrenzenden Wiesen nach Rotmilanen abzusuchen. Im Jahr zuvor gelegentlich und ohne optisch geeignete Ausrüstung durchgeführte Beobachtungen führten zu der Erwartung, dass der Wald vom Rotmilan kaum als Flugraum genutzt werde.

Umso größer die Überraschung nach fast 100-stündiger Erfassung der Flugbewegungen: „Es ist offensichtlich nicht nur so, dass die Planungsfläche über den Höhenlagen von Rotmilan, Wespenbussard und Schwarzstorch auch, sondern vielmehr bevorzugt genutzt wird“, weist Lieber auf zwei weitere angetroffene Vogelarten hin. Aus Karten und detaillierteren Darstellungen ergebe sich das „Bild einer deutlichen Dichtekonzentration ausgerechnet an jenen Flächen, die für die Errichtung von sechs Windkraftanlagen vorgesehen sind“.

Ausweichflächen für die Vögel werden immer weiter "zerschnitten und verkleinert"

Für Lieber erwecken die dargestellten „Vorbelastungen“ des Untersuchungsgebiets den Eindruck, dass bereits Eingriffe stattgefunden hätten und weitere somit weniger bedeutsam wären. „Nach meiner Meinung ist genau die umgekehrte Schlussfolgerung der Untersuchungsergebnisse angemessen“, hält der Nabu-Kreisvorsitzende entgegen. 

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„Die Tatsache, dass in der Nähe bereits Windkraftanlagen vorhanden sind (Elz, Eppenrod) beziehungsweise ergänzt und erweitert werden sollen, führt nicht nur zu einer Addition, sondern zu einer Potenzierung des Tötungsrisikos.“ Ausweichflächen für Horstbau und Nahrungssuche würden mehr und mehr „zerschnitten und verkleinert“, so Liebers Überzeugung, die er in seiner Stellungnahme an den Landkreis als Genehmigungsbehörde formuliert. 

„Es ist zu monieren, dass dieser Aspekt bei der Risikoabschätzung der Gutachter keine Berücksichtigung findet.“ Abschließend schreibt Lieber: „Aus den aufgelisteten Gründen besteht nach meiner fachlichen Auffassung ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko für Rotmilan, Mäusebussard, Wespenbussard und Schwarzstorch.“ Der Beirat der unteren Naturschutzbehörde hat sich dieser Einschätzung einstimmig angeschlossen.

VON HEINZ BURKHARD WESTERWEG

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